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„Eine Zumutung“ nennt Helga Hanke (r.) den Gestank, der vom an die Adolf-Butenandt-Straße angrenzenden Feld ausgeht. Auch ihre Nachbarinnen (v.l.) Christa Gallenberger, Susanne Träumner und Gertrud Abstreiter sind verärgert. 

Gedüngte Felder

Klärschlamm stinkt Anwohnern

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Den Anwohnern der Planegger Adolf-Butenandt-Straße stinkt es seit vergangener Woche gewaltig. Auf einem benachbarten Feld hat ein Bauer Klärschlamm ausgebracht.

Planegg – „Mein Mann hat Asthma, er musste letzte Woche so oft sein Asthmaspray benutzen wie sonst in einem Monat. Auch mir selbst war richtig schlecht“, berichtet Susanne Träumner, die bei dem Feld wohnt. „Man kann kaum noch rausgehen oder Wäsche raushängen, es ist eine Zumutung“, sagt Helga Hanke. Auch die anderen Nachbarn berichten von „unerträglichem Gestank“, tränenden Augen und Unwohlsein, seitdem vergangenen Donnerstag auf dem angrenzenden Feld Klärschlamm angebracht wurde.

Sie sind alle verärgert. Manch einer vermutet noch Schlimmeres hinter dem üblen Geruch, der seit Tagen in der Luft liegt. Florian Staufer, wohnhaft Im Grund, zählt ebenfalls zu den Leidtragenden. Direkt neben seinem Haus sei auf einem Feld Klärschlamm verteilt worden. Er wandte sich per E-Mail an Philipp von Hirsch, dessen Familie das Feld gehört und schrieb: „Nachdem es letztes Jahr mehrere Wochen wegen der Ausbringung von giftigem Klärschlamm auf Ihren Feldern gestunken hat wie nie zuvor in den 46 Jahren, die ich nun hier lebe, geht das Ganze nun schon wieder los.“ Philipp von Hirsch befindet sich gerade im Urlaub. Laut Guts- und Forstverwaltung der Familie von Hirsch erreichen ihn E-Mails nicht. Aber die Anwohner wendeten sich auch direkt an die Verwaltung. Die angesprochenen Felder seien allesamt verpachtet, heißt es.

Klärschlamm fällt bei der Abwasserreinigung in Kläranlagen an. Der Schlamm aus den häuslichen Abwässern wird dann entwässert, getrocknet oder in anderer Form weiterbehandelt. Er enthält viele Nähr- und Humusstoffe und kann unter bestimmten Voraussetzungen als Düngemittel verwendet werden. Allerdings kann er je nach Abwasserart und Behandlungsverfahren umwelt- und gesundheitsgefährdende Stoffe wie Krankheitskeime und Schwermetalle, etwa Cadmium, Blei und Quecksilber enthalten. Außerdem verbreitet er für einige Tage einen starken Geruch.

„Die Ausbringung von Klärschlamm ist nach der Klärschlamm-Verordnung vom Landkreis nicht genehmigungspflichtig, sondern muss nur angezeigt werden“, sagt Christine Spiegel, Sprecherin des zuständigen Landratsamtes München. „Wir prüfen dann etwa, ob die Schadstoffe unter bestimmten Grenzen liegen – dies war hier der Fall“, so Spiegel. Daher gebe es hier keine Bedenken, was gesundheitliche Folgen für die Anwohner angehe, und die Ausbringung sei „von uns nicht zu bestanden“, sagt Spiegel weiter.

Der Geisenbrunner Landwirt Wilhelm Painhofer, der das Feld von Baron von Hirsch an der Münchner Straße gegenüber dem Feodor-Lynen-Gymnasium betreibt, kann die Aufregung nicht verstehen. „Ich wäre ja blöd, wenn ich auf meinem eigenen Feld Gift ausbringe und es mir so kaputtmache“, sagt er im Merkur-Gespräch. Der Klärschlamm sei im Gegenteil für die Böden sehr bedeutend, da man ihnen auf diese Weise wichtige Nährstoffe zurückgeben könne, die sie dringend bräuchten. Dies entspreche dem Kreislauf der Natur und sei dann erst wieder „in vier oder fünf Jahren notwendig“, sagt Painhofer. Er pflüge zurzeit das Feld, auf dem auch Blumen geschnitten und gekauft werden können, um den Klärschlamm weiter einzuarbeiten, wodurch der Geruch bald komplett verschwinde. „Ich könnte die Stoffe auch nach Rumänien oder anderswo verkaufen“, aber so sei es für die Natur wesentlich sinnvoller, sagt Painhofer. Seinen Klärschlamm bezieht er nach eigener Aussage von der in Altenstadt ansässigen Emter GmbH, die für sich selbst als „innovativer Partner für Recycling-Lösungen“ wirbt. Sie betont in ihrem Internet-Auftritt „selbstverständlich exakt und sorgfältig nach allen Richtlinien und Gesetzen“ zu handeln.

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