Betreutes Wohnen zu Hause

„Das Konzept ist veraltet“

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Neues Umfeld, altes Konzept: Abgesehen von einer Adressenänderung setzt der Verein Betreutes Wohnen zu Hause auf Bewährtes. Und die Gemeinde Planegg, die einen Teil des Defizits trägt, akzeptiert dies - zumindest noch fürs ein Haushaltsjahr.

Würmtal– Der Haupt-, Finanz- und Kulturausschuss des Gemeinderates genehmigte jetzt gegen die Stimme von Anneliese Bradel (Grüne Gruppe 21) den Haushaltsentwurf fürs kommende Jahr.

Defizit von 40 760 Euro

Seit der Gründung 2004 ist es das Vereinsziel, Senioren möglichst lange zu einem Leben in der gewohnten Umgebung zu verhelfen. Ursprünglich sollten die Gemeinden Gräfelfing, Planegg und Krailling nur so lange finanzielle Unterstützung leisten, bis sich der Verein selbst trägt. Dazu ist es nie gekommen. Stattdessen rechnet Betreutes Wohnen zu Hause für 2020 mit einem Defizit von 40 760 Euro. Auf Planegg entfallen nach Abzug der Unterstützung durch den Landkreis München 8739,65 Euro.

Das Minus liegt vor allem daran, dass die Zahl der vom Verein betreuten Personen nicht kontinuierlich wächst. Im Gegenteil: 2016 hatte sie sich bei 60 eingependelt, aktuell sind es 37 Kunden, die sich laut Pflegemanagerin Karin Frost in etwa zu gleichen Teilen auf die drei Gemeinden verteilen. 18 Ehrenamtliche sind im Einsatz, um monatlich jeweils rund sechs Stunden mit den Senioren zu verbringen – als Besuchsdienst, Haushaltshilfe, Fahrdienst oder Unterstützung bei Einkäufen. „Die Idee, die hinter dem Ganzen steckt, ist vollkommen richtig. Das Konzept ist veraltet“, sagte die Planegger Sozial- und Seniorenreferentin Karin Detsch (SPD).

Heuer standen größere Veränderungen beim Betreuten Wohnen zu Hause an. Seit August residiert der Verein nicht mehr in Gräfelfing, sondern in der neuen Anlage für Betreutes Wohnen an der Kraillinger Margaretenstraße. Zusätzlich zu den bisherigen Vereinsaufgaben betreut der Verein nun auch die Bewohner der Anlage.

Pflegemanagerin sollte eigentlich in Ruhestand gehen

Im November 2019 sollte sich Pflegemanagerin Frost eigentlich in den Ruhestand verabschieden. Im August fanden Vorstellungsgespräche für die Nachfolge statt, die jedoch nicht von Erfolg gekrönt waren. Der Verein bekräftigte laut Hofmann in einer Vorstandssitzung Mitte September den drei Würmtaler Bürgermeistern gegenüber, dass Frost unverzichtbar sei. Nun hängt sie ein weiteres Jahr dran. Hofmann kündigte im Ausschuss an: „Wir wollen uns kräftig dafür einsetzen, nicht erst im Juni oder Juli kommenden Jahres mit der Personalsuche zu beginnen und dann im September, Oktober wieder ohne Nachfolger dazustehen.“ Wichtig sei, Wege aufzuzeigen, wie Betreutes Wohnen zu Hause weiter in die Gemeinde hineingetragen werden kann.

Als unerlässlich sahen die Ausschussmitglieder eine Vernetzung mit bestehenden Institutionen wie der Würmtal-Insel oder Nachbarschaftshilfen an, außerdem mehr Werbung und ein neues Konzept. „Die Mitglieder bewegen sich kaum nach oben, im Gegensatz dazu haben wir viel mehr Bedürftige“, sagte Peter von Schall (FDP-Fraktion), der selbst Beisitzer im Vorstand des Vereins ist.

Mehr Kunden werben

„Mit einer neuen Kraft und mehr Werbung können wir viel mehr Kunden bekommen.“ Anneliese Bradel, die seit Jahren Veränderungen anmahnt, sagte: „Die Diskussion wiederholt sich, verstehen Sie meinen Frust.“ Da die Beschlüsse des Ausschusses für den Verein nicht bindend sind, wäre die einzige Möglichkeit, Veränderungen zu erzwingen, eine Einstellung der finanziellen Unterstützung. Dazu mochte sich der Ausschuss nicht durchringen.  

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