Der Umstieg auf den ÖPNV bei Fahrten innerhalb des Ortes sollte mit dem Pilotprojekt zum kostenlosen Busfahren gefördert werden. Für eine Verwirklichung werden nun keine Mittel mehr bereitgestellt.
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Der Umstieg auf den ÖPNV bei Fahrten innerhalb des Ortes sollte mit dem Pilotprojekt zum kostenlosen Busfahren gefördert werden. Für eine Verwirklichung werden nun keine Mittel mehr bereitgestellt.

Keine Mittel im Haushalt 2021 vorgesehen

Planegg: Kostenloses Busfahren gestorben

  • Nicole Kalenda
    vonNicole Kalenda
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Die Prioritäten im Planegger Rathaus haben sich geändert: Das kostenlose Busfahren innerhalb des Gemeindegebietes ist gestorben. Im April 2020 als Pilotprojekt beschlossen, wurde es bis heute nicht umgesetzt. Und im Haushaltsentwurf 2021 sind die vorgesehenen 50 000 Euro nicht mehr enthalten.

Planegg – Der Ferienausschuss, der im Frühjahr vergangenen Jahres coronabedingt anstelle des Gemeinderates tagte, nutzte die letzte Sitzung der abgelaufenen Wahlperiode, um Planegg eine Vorreiterrolle im Würmtal einnehmen zu lassen. Mit 6:3 Stimmen beschloss er, im Rahmen eines Pilotprojektes kostenlose Busfahrten für Planegger innerhalb des Ortsgebietes zu ermöglichen.

Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aller Fraktionen sowie Mitarbeitern der Verwaltung hatte das Konzept entworfen, das Ende April angenommen wurde. Da der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) die Abwicklung solcher Angebote grundsätzlich nicht übernimmt, sollte die Gemeindeverwaltung einspringen. Busfahrten innerhalb der Gemeindegrenzen gelten als Kurzstrecke. Für 50 000 Euro sollten Einzelfahrkarten erworben und Antragstellern in Paketen zu je 40 Tickets ausgehändigt werden. Die Fahrscheine hätten nach Benutzung en bloc eingereicht werden müssen. Anhand des Stempels sollte die Verwaltung sehen, ob Ortslinien benutzt wurden.

Projektstart war für Juni 2020 geplant

Das Projekt sollte trotz Corona-Pandemie Anfang Juni starten. Daraus wurde jedoch nichts. „Es war eine schwierige und stressige Zeit“, sagt Felix Kempf, Sprecher der SPD-Fraktion, die das Ganze initiiert hatte. „Wir hatten aber gehofft, dass das nicht langfristig fallengelassen wird.“ Doch vom kostenlosen Busfahren war nach dem Abgang des SPD-Bürgermeisters Heinrich Hofmann und dem Amtsantritt des CSUlers Hermann Nafziger nichts mehr zu hören. Auch die Einstellung einer Mobilitätsbeauftragten änderte daran nichts.

Als in der Verwaltungsvorlage zum Haushalt 2021 die 50 000 Euro nicht mehr eingestellt waren, beantragte die SPD-Fraktion, dies nachzuholen. „Es ist ein tolles Projekt. Es ist umweltfreundlich und bringt unsere beiden Ortsteile zusammen“, warb Christine Hallinger (SPD). Unterstützt wurde sie von Angelika Lawo (grüne Gruppe 21): „Das Thema ist richtig wichtig. Den Wunsch nach kostenlosem Busverkehr haben bei uns in Planegg viele Teile der Bevölkerung.“ Auch Peter von Schall-Riaucour (Liste FDP) sagte: „Ich finde es eine sehr gute Idee.“

Auch Bündnis 90/Die Grünen dagegen

Was vergangenes Frühjahr noch für durchführbar gehalten wurde, stellt jetzt offensichtlich ein Problem für die Verwaltung und den neuen Bürgermeister dar. „Das ist noch nicht bis zu Ende gedacht“, sagte Geschäftsleiter Stefan Schaudig und forderte „möglichst wenig Arbeitsaufwand“. Vergleichbares hätten nur Städte, die alleiniger Kostenträger des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) sind wie etwa Augsburg, aber nicht Kommunen, die Mitglied in einem Verbandsgebiet sind wie Planegg. Bürgermeister Nafziger sagte: „Wir wissen nicht, wie wir das umsetzen sollen. Ein Pilotprojekt kann man derzeit nicht daraus machen.“ Dem schloss sich die Mehrheit des Ausschusses an. Unter den sechs Gemeinderäten, die die Aufnahme der Mittel in den Haushalt stimmten, war auch Judith Grimme, deren Partei Bündnis 90/Die Grünen sich ausdrücklich der Förderung des ÖPNV verschrieben hat als Baustein der Verkehrs- und Klimawende. Grimme sagte: „Wir denken, dass es ohne MVV nicht machbar ist. Die Umsetzung muss man erst lösen.“

Die Lösung ist bereits seit vergangenem April bekannt, die Realisierung des kostenlosen Busfahrens ist auch ohne MVV möglich. Einzelfahrkarten werden im Bus gestempelt. Der Stempel verrät alles, was ein Sacharbeiter im Rathaus wissen muss: Uhrzeit, Datum, welche Linie benutzt wurde, an welcher Haltestelle gestempelt wurde und die Fahrtrichtung. Kempf: „Es wäre schon ein gewisser Aufwand, aber möglich.“ Ein Aufwand, den zu betreiben, die Bereitschaft fehlt.

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