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Willkommen in der Brainwash-Klinik: Herbert Hanko (r.) kümmert sich als Klinikleiter um die Patienten, dargestellt vom Männerchor „Wilde Gurgl“.

Faschingskonzert

Kupferhaus wird zum Therapiezentrum für Irre

Neun Irre, ein paar handverlesene Nachwuchskünstler und ein äußerst redegewandter Moderator: Das war das Rezept für das Faschingskonzert der Musica Sacra Planegg-Krailling.

Planegg – „75 Prozent der Deutschen sind psychisch krank“, gab Herbert Hanko gleich zum Auftakt bekannt, Grund genug, das Publikum auf einen Besuch in seine „Brainwash-Klinik“ einzuladen, in der er mit Witz und Charme neun Patienten behandelte und am Ende erfolgreich von „Planegger Neurosen“, „Kraillingeritis Kommunis“ und dem allgemeinen „Gemeinde-Wahnsinn“ heilte. Nach einer einführenden Klangschalen-Runde ließ er Nachwuchskünstler Florian „Weißgut“ (alias Florian Wagner) ans Piano, der mit Gedanken zum Vegetarier-Dasein („Das Wort stammt aus dem Indianischen und heißt schlechter Jäger“) für Lacher sorgte.

Ebenso unterhaltsam ging es mit Thomas Schaffert weiter, seines Zeichens nicht nur Direktor der Musikschule Planegg-Krailling, sondern auch verantwortlich für die Texte an diesem Abend, der als Harry Belafonte Bundeskanzlerin „Angelina“ musikalisch zu überzeugen versuchte, weiterhin in Berlin zu bleiben und Horst Seehofer die Stirn zu bieten. Im Schlafgewand fand sich dann Ludwig van Beethoven (alias Gerold Huber) ein, der mit Georg Kreislers bitterböser Liebesballade „A Bidla Buh“ nicht nur am Klavier sondern auch musikalisch überzeugte und mit einigen folgenden Stücken sicher zu den Highlights des Abends zählte.

Dass Martin Hirsch ein Virtuose an seiner Tuba ist, bewies er auch diesmal und auch er erhielt Begeisterungsstürme von Seiten des Publikums. Große Klasse wieder einmal Katharina Lindenbaum-Schwarz, Violinistin im Bayerischen Staatsorchester, die als Angela Merkel der Brainwash-Klinik einen Besuch abstattete. „Sie haben hier eine fantastische Irrenanstalt, in der ich gerne ein Praktikum absolvieren würde, um besser mit den ganzen Irren in Politik und Wirtschaft kommunizieren zu können.“ Sprach‘s, verteilte Instrumente an alle „Irren“ und gab prompt ein „Rondo Capriccioso für neun Irre und eine Bundeskanzlerin“ zum Besten, das es in sich hatte. Noch während ihres eigenen beeindruckenden Spiels dirigierte sie die Männerschar – heraus kam ein vergnügliches Stück mit vielen Pointen am Rande. „Wer Flöte so schön spielen kann, wird sicher bald ein großer Mann“ an die Adresse von Thomas Schaffert war nur einer der flott-frechen Sprüche der Stargeigerin.

Dass Ludwig Götz komödiantisches Talent besitzt, ist vielen Stammgästen bekannt, und so schlüpfte der musikalische Leiter diesmal in die Rolle des Uli Hoeneß, plauderte über seine Zeit, als er sein Haus gegen das „Ein-Zimmer-Appartement“ in Landsberg getauscht hatte, und wunderte sich alsdann über die Gemeinde Planegg und deren finanzielle Sorgen im Streit um das Lokal Mi Casa Su Casa. „Bei mir waren es Millionen und die machen wegen ein paar hunderttausend Euro so ein Geschiss!“ Dass allerdings in der Gemeinde jetzt die gefühlt zehnte Apotheke geöffnet habe, lobte der alte und neue Fußballmanager: „Halb Planegg ist ja schon mit dem Rollator unterwegs.“

Amüsant ging’s weiter mit einer gelungenen weltpolitischen Einlage, in der Pfarrer Bernhard Liess und Hans Zacherl als Putin und Trump vorbeispazierten, über Macht und Demokratie philosophierten („Wie viele Bürgermeister hat denn Krailling, die von der Opposition sind, also von der richtigen?“) – und sich nebenher noch über die schöne Lage Planeggs und die klugen Menschen freuten, denen der Amerikaner für ihre Region den Slogan „Würmtal first“ ans Herz legte.

Zu den Klängen von Beethovens Neunter entließen dann Hanko seine Patienten und die Künstler der Musica Sacra ihr Publikum nach drei Stunden kurzweiliger Thearpiesitzung in die Nacht.

Martina Scheibenpflug

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