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Der Container der Planegger Feuerwehr mit Spezialausrüstung war am BMC im Einsatz. 

Freiwillige Feuerwehr

Einsatzübung unter Echtbedingungen

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Nach einem Unfall im Biomedizinischen Centrum Martinsried kam es zu einem Großeinsatz. Zeitweise waren 130 Einsatzkräfte vor Ort. De facto viel zu viele. 

Planegg – „Gefahrstoffaustritt im Gebäude“: Das Alarmierungs-Stichwort hat in der vergangenen Woche in Martinsried für einen Großeinsatz der Feuerwehr gesorgt (wir berichteten). Zeitweise waren 130 Kräfte im Einsatz. „Zwei Leute zum Saubermachen und einer, um beim Ausziehen zu helfen, hätten eigentlich gereicht“, sagt Martin Heizer, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Planegg. Er sieht den Vorfall als „gute Einsatzübung“ an: „Wir haben gesehen, ob die Konzepte passen.“ Denn der Unfall im Biomedizinischen Centrum (BMC), der mit knapp zwei Kilogramm ätzendem und gesundheitsgefährdendem Tensid-Pulver der bisher gravierendste in den Martinsrieder Laboren war, verlief glimpflich.

250 Einsätze verzeichnete die Planegger Wehr 2018, rund 30 bis 40, schätzt Heizer, führen die Feuerwehrler pro Jahr in die biomedizinischen Labors auf dem Campus und in den Biotech-Firmen in Martinsried. Meist sind es sogenannte Täuschungsalarme, bei denen Brandmeldeanlagen zum Beispiel aufgrund von Wasserdampf anschlagen. „Dass wirklich etwas passiert, ist sehr selten“, so Heizer.

Feuerwehr hat Spezialausrüstung stets dabei

Alarmiert wird grundsätzlich in großem Umfang. „Man geht erst mal vom Schlimmsten aus. Was man schon auf dem Weg hat, muss man nicht nachalarmieren.“ Das spare Zeit. Im Fall des BMC-Unfalls war von sechs betroffenen Personen die Rede, was sechs Rettungswagen Richtung Martinsried fahren ließ, die aber nicht benötigt wurden. Die Planegger rückten mit 32 Mann und sieben Fahrzeugen an, mit dabei der Container mit der Spezialausrüstung für den Umgang mit gefährlichen Stoffen, der stets fest aufgesattelt ist. Er enthält neben der Atemschutzreserve Chemikalienschutzanzüge, Umfüllpumpen und Material zum Abdichten. Heizer: „Wir haben da schon mehr Ausrüstung als andere Feuerwehren.“ Neben der hohen Anzahl an Laboren in Martinsried sei die Entfernung zum Standort des ABC-Zuges des Katastrophenschutzes im Landkreis München in Haar ein Grund dafür. Der ABC-Zug, der ähnlich ausgerüstet ist wie die Planegger, aber zusätzlich über Fachberater und mehr Messtechnik verfügt, fuhr ebenfalls nach Martinsried, dazu Kräfte der Feuerwehren Gräfelfing und Neuried. Heizer: „Es schaut natürlich massiv aus, wenn 20 bis 30 Blaulichtfahrzeuge anrücken.“ Letztlich sammelten zwei Feuerwehrler in Schutzanzügen mit Schaufel und Besen das zu Boden gefallenen Tensid-Pulver auf und wischten feucht nach.

Erhöhtes Gefahrenpotenzial 

Da das Gefährdungspotenzial durch Forschung und Biotech-Firmen in Martinsried höher ist, üben die Planegger Feuerwehrler nicht nur regelmäßig Gefahrstoffeinsätze, besuchen entsprechende Lehrgänge und machen Objektbesichtigungen, sie verfügen auch über eine eigene Gefahrgutfachgruppe, die einmal im Monat zusammenkommt. Heizer: „Wir bereiten uns wie auf einen normalen Zimmerbrand vor.“ Immer in der Hoffnung, dass sich auch beim nächsten Einsatz die Lage schnell entspannt, sobald man vor Ort die Situation in Augenschein nehmen kann.  

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