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Ein Bürgerbegehren gegen die Ausweisung von Bauland auf dem Acker westlich der Straße Im Grund und am Klopferspitz hat Wolfgang Cebulla initiiert. Knapp die Hälfte der erforderlichen Unterschriften hat er in zehn Tagen gesammelt.

Neuer Flächennutzungsplan

Martinsrieder Wall bleibt Grünfläche

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Die Gemeinde Planegg will sich die Option offenhalten, in der Zukunft neuen Wohnraum zu schaffen. Die Ausweisung von Bauland stößt bei Bürgern jedoch auf erbitterten Widerstand. Am Montag verbuchten sie einen Teilerfolg.

Planegg– Die nach mehr als 40 Jahren geplante Aufstellung eines neuen Flächennutzungsplans für Planegg steckt noch in den Anfängen. Doch bereits der Vorentwurf mobilisiert viele Bürger, mehr als 50 strömten am Montagabend in den Sitzungssaal des Rathauses. Sie wehren sich gegen die Ausweisung neuer Baugebiete. Die lehnen auch FDP und Grüne Gruppe 21 vehement ab. „Wir dürfen nicht jeder Bebauung Tür und Tor öffnen“, sagte Peter von Schall-Riaucour (FDP-Fraktion).

Bürgermeister Heinrich Hofmann betonte, dass die Innenverdichtung Vorrang vor der Ortsabrundung im Außenbereich habe. Da die Gemeinde aber nur über wenig Grundbesitz verfüge, sei künftig eventuell ein Rückgriff auf private Flächen erforderlich. Mit dem Instrument der sozialgerechten Bodennutzung, das Baurecht mit Gegenleistungen verknüpft, ließen sich bis zu 30 Prozent als sozialer Wohnungsbau verwirklichen. Viele Einheimische könnten sich heute in Planegg eine Wohnung oder ein Reihenhaus nicht mehr leisten. „Diese Bürger benötigen unsere Unterstützung“, betonte Hofmann. Dies sah Gerhard Schleburg (CSU) ebenso. Man dürfe nicht die Augen davor verschließen, wenn sich schon der Mittelstand keine Wohnung mehr zulegen könne. „Wenn Einheimische keine Bleibe finden, sind wir in der Pflicht“, meinte auch Max Gum-Bauer (Freie Wähler Dynamische). Hofmann wies darauf hin, dass Bauvorhaben an der Straße Im Grund oder am Klopferspitz ohnehin frühesten in sieben bis neun Jahren ein Thema seien. Er habe von Anwohnern der vorgesehenen Bauflächen im Übrigen auch Akzeptanz und Verständnis erfahren.

Anneliese Bradel (Grüne Gruppe 21) sah keinen Notwendigkeit, Außenflächen zu beanspruchen. Angesichts der geplanten Wohnungsbau-Projekte innerorts, etwa im Bahnhofsgebiet, werde man das gewünschte, maßvolle Bevölkerungswachstum von 0,5 bis 0,7 Prozent über Jahrzehnte erreichen. „Man will bauen, ohne die Hausaufgaben gemacht zu haben, sagte Bradel mit Blick auf das hohe Verkehrsaufkommen in der Germeringer, Münchner und Fürstenrieder Straße. Herbert Stepp (Grüne Gruppe 21) kritisierte, dass das Bürgergutachten und der Leitbildprozess entgegen der Auffassung des Bürgermeisters in dem Entwurf keine Berücksichtigung fänden. „Erste Priorität sollte das Grün erhalten.“

Die FDP-Fraktion sprach sich dafür aus, ungenutzte Potenziale wie die alte Schlosswirtschaft und das Bücherdepot der LMU für eine Wohnraumnutzung anzugehen. Der Denkmalschutz sei kein Hindernisgrund, sagte von Schall. Eine Umnutzung der Gebäude sei, wie Beispiele andernorts zeigten, durchaus möglich. Der Hinweis, das erst kürzlich entsprechend seiner Bedürfnisse renovierte LMU-Depot werde auf Jahrzehnte nicht frei, überzeugte die FDP nicht.

Die Ausweisung neuer Baugebiete unterstützte Felix Kempf. Es gehe hierbei vorrangig um finanzierbaren Wohnraum, erklärte der SPD-Fraktionssprecher. Parteikollegin Bela Bach sprach das Thema Generationengerechtigkeit an. Es seien vor allem junge Menschen, die bezahlbaren Wohnraum bräuchten. München könne den Siedlungsdruck allein nicht stemmen.

Nach viereinhalb Stunden segnete der Gemeinderat den Vorentwurf des Flächennutzungsplans mit 17:6 Stimmen ab; er wird nun öffentlich ausgelegt. Der Wall zwischen Fraunhofer- und Röntgenstraße ist zur Freude der Martinsrieder Anwohner nicht mehr für eine Wohnbebauung vorgesehen. Auf Antrag von Fritz Haugg (FDP) sowie Giovanni Sammataro (CSU) wurde er als Grünfläche festgelegt. Der an die Wohnbebauung angrenzende 1,4 Hektar große Acker zwischen der Straße Im Grund und der Münchner Straße wird dagegen als Wohngebiet ausgewiesen. Auf Antrag der Gruppe 21 wurde ein noch weiterer Umgriff von zusätzlich zwei Hektar nur als Vorbehaltsfläche für eine künftige Wohnraumentwicklung aufgenommen.

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