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Das Triptychon von Karl Köhler zum Ostergeschehen in der Pfarrkirche St. Elisabeth.

Oster-Erinnerungen aus St. Elisabeth

An Ostern geht es festlich zu in den Kirchen. Da muss viel vorbereitet werden und vieles kann schiefgehen: von fehlenden Korkenziehern für den Messwein, Weihwasser aus der Gieskanne und fliegenden Weihrauchfässern.

PlaneggSelbst am Hochheiligen Osterfest geht in der Kirche nicht immer alles glatt. Die Karwoche mit Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag, Grabwache und Auferstehungsfeier bringt viele Vorbereitungen und Aufgaben mit sich, nicht nur für die Geistlichkeit, sondern auch für die Ministranten und vor allem den Mesner. Einige Anekdoten gibt es um den alten Mesner Bauer, der viele Jahre treu den Dienst in St. Elisabeth versah – damals noch in der alten Notkirche.

Da konnte schon mal der Messwein fehlen, weil kein Korkenzieher zur Hand war, oder das Taufwasser statt mit einer würdigen Schale mit dem Gießkandl geschöpft werden. Die Hierarchie unter den Ministranten war unter Pfarrer Franz Oßner sehr streng. Der „Thurifer“ (Rauchfassträger) war ein begehrter Dienst, der aber nur älteren Messdienern zustand. Es verlangt Geschick und Aufmerksamkeit, das Weihrauchfass mit den glühenden Kohlen so zu schwenken, dass ihm duftende Wolken entsteigen. Vor einer Palmprozession wollte einer es besonders gut machen und ließ das Fass an der Kette über seinem Kopf kreisen. Da löste sich der Haken, das silberne Gefäß segelte hoch in die Luft und blieb – oh Schreck – an der damals noch oberirdischen Stromleitung hängen. Nur mit Hilfe des überlangen Staubwedels für den barocken Hochaltar konnte der Mesner die Situation retten.

Der Dienst am Gründonnerstag ist für die Ministranten besonders erfreulich. Zuerst beim Gloria dürfen die Altarglöckchen mit der Orgel und den Turmglocken um die Wette läuten, was das Zeug hält. Dann treten mit Beginn der Leidensgeschichte die Ratschen mit ihrem Geklapper in Aktion. Eine besondere Attraktion ist die große Karfreitagsratsche, ein Geschenk an Pfarrer Hermann Egger. Bis Ostern ersetzt ihr ohrenbetäubendes Gerassel am Kirchplatz das Mittagsläuten. Drei Personen sind für die Bedienung nötig: zwei halten den Kasten oder sitzen darauf, einer dreht die große Kurbel mit weniger oder mehr Schwung zur Bewunderung der umstehenden Jugendlichen. Ein Oberministrant („Omi“) wacht über die gerechte Abwechslung der Aufgaben, damit jeder mal drankommt. Auch vor 15 Uhr, der Todesstunde Jesu, ruft ihr Klang die Gläubigen zur Kirche.

Dieses Jahr wird am Karfreitag wieder die Kruzifix-Tafel von Karl Köhler hinter dem Altar zu sehen sein. Nach dem Gottesdienst am Gründonnerstag wird der Altar entblößt, das Allerheiligste verlässt die Kirche. In vielen Gemeinden wird wie früher ein „Heiliges Grab“ aufgebaut, mit Blumen reich geschmückt. Von der Neueinführung dieses Brauches in St. Elisabeth gibt es eine gruselige Geschichte. Der Mesner wollte am Vorabend in der Sakristei noch einige Vorbereitungen treffen. Beim Eintreten sah er im Halbdunkel auf dem Kredenztisch eine starre, nackte Gestalt liegen. Agatha Christie’s „Mord im Pfarrhof“ und andere Kriminalgeschichten schossen dem Erschreckten durch den Kopf. Schon dachte er daran, die Polizei zu alarmieren. Bei Licht gab es aber Entwarnung: Man hatte versäumt, ihn zu informieren, dass nachmittags die bestellte geschnitzte Christusfigur für das Hl. Grab geliefert worden war. Mit leisem Grauen erinnern sich auch die ehemaligen Ministranten an den Karsamstag. Abwechselnd waren sie zur Grabwache eingeteilt, wo sie eine Stunde fast bewegungslos in der Kapelle zu knien hatten. Einschlafen oder Umkippen war streng verboten.

Da waren und sind die Dienste an Ostern viel erfreulicher. Die Pfarrjugend meistert seit je die Herausforderung, bei jedem Wetter auf dem Kirchplatz das Osterfeuer aus einem Stein zu schlagen. Palmzweige und Wattebäusche mit Chrisam von den Taufen des vergangenen Jahres werden darin verbrannt und im Dunkel feierlich die geweihte Osterkerze entzündet. Die manchmal nicht leichte Aufgabe von Diakon, Mesner und Ministranten ist es dann, die Flamme vor Wind und Wetter zu schützen, bis man mit dem dritten Ruf „Lumen Christi“ in die Kirche einzieht. Dort hat der Mesner schon den Kessel mit Wasser vorbereitet, das zu Weih- und Taufwasser geweiht wird.

Die Liturgie der Osternacht ist lang, vielfältig und feierlich. Einmal hätte die Feierlichkeit fast gelitten. Im Jahr der Liturgiereform nach dem 2. Vatikanischen Konzil gab es mangels eines neuen Messbuchs viele einzelne Zettel mit den Texten. Einer davon entglitt dem Zeremoniar, der sie zur rechten Zeit dem Priester reichen sollte. Er segelte davon, genau unter die mit roten Tüchern verhängten Sedile. Würdevoll und gemessen ließ sich der Arme auf die Knie nieder und angelte unauffällig nach dem verschwundenen Papier – vergeblich. Der Pfarrer musste das nächste Gebet auswendig improvisieren. Ob der Wortlaut der neuen Liturgie entsprach, ist nicht überliefert.

Nach dem Eintauchen in das neue Taufwasser wird die große Osterkerze hoch auf den Leuchter gestellt als Symbol für Christus, das Licht der Welt. Einmal entglitt die feuchte Kerze den Händen und zersprang. Es war eine kniffelige Arbeit für den Diakon, die sich hin und her biegende Kerze, die nur der Docht zusammenhielt, heil auf den Leuchter zu bugsieren. Mit etwas zitternder Stimme hielt er den Lobgesang auf die Kerze, das „Exsultet“. Aber sie erhellte die Kirche, bis mit dem Licht der aufgehenden Sonne der Ostermorgen anbrach und die Freude über die Überwindung des Todes durch den Auferstandenen verkündet wurde.

Auf die großen Festgottesdienste folgt noch eine kleine Freude für die Kinder. Ministranten verteilen geweihte Eier für das Osterfrühstück. Einiges haben sie auch als „Osterhasen“ am Kirchplatz versteckt. Und auch beim Emmaus-Gang am Ostermontag finden die Kleinen immer wieder Eier am Wegrand im Wald.

Friederike Tschochner

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