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Partnerschaft mit Signalwirkung

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Festabend auf der MS Seeshaupt mit Teilnehmern aus Planegg und Bärenstein sowie Festredner  Hermann Nafziger, Bürgermeister von Planegg
Mit einem Festabend auf der MS Seeshaupt feierten Planegg und Bärenstein das 30-jährige Bestehen ihrer Partnerschaft. Eine Festredner war Planeggs Bürgermeister Hermann Nafziger. © Gemeinde Planegg

Drei Festreden, vier Altbürgermeister und sieben Hornbläser: Planegg und Bärenstein haben 30 Jahre deutsch-deutsche Partnerschaft mit einem Festabend auf dem Starnberger See gefeiert.

Planegg – „Freundschaft kann man nicht verordnen“, ist sich Planeggs Bürgermeister Hermann Nafziger sicher. Dass die Partnerschaft mit der sächsischen Gemeinde Bärenstein nach 30 Jahren immer noch lebendig ist, darauf sind sowohl die Planegger als auch die Bärensteiner stolz. Bei einer Rundfahrt auf dem Starnberger See würdigten Abordnungen beider Gemeinden am Samstag dieses Jubiläum. Mit von der Partie waren auch vier Altbürgermeister: Ulrike Höfer und Dieter Friedmann aus Planegg sowie Wolfgang Franke und Bernd Schlegel aus Bärenstein.

Alphörner erklingen

Auf der „Seeshaupt“ erwartete die Festgäste ein liebevoll zusammengestelltes Buffet. Dem Anlass angemessen zeigte sich der „Fürstensee“ von seiner besten Seite. Nach dem Gewitterregen am Samstagnachmittag war die Luft so klar, dass das Alpenpanorama zum Greifen nah schien. Mindestens ebenso beeindruckend war die musikalische Begleitung der Festgesellschaft. Sieben Hornisten der „Horngesellschaft Bayern“ bewiesen, dass man auf Alphörnern auch Liedgut aus dem Erzgebirge spielen kann. Rathaus-Geschäftsführer Stefan Schaudig, selbst Mitglied dieser besonderen Planegger Musikgruppe, oblag die Moderation des Abends – eine Doppelfunktion, welche er bisweilen etwas atemlos, aber immer souverän meisterte.

Ebenfalls mit von der Partie war die Ortschefin von Bärensteins tschechischer Nachbar- und Partnergemeinde Vejprty (Weipert), deren Bewohner eng mit der sächsischen Gemeinde im oberen Erzgebirge verbunden sind. Einig waren sich die Bürgermeister darin, dass so eine „innerdeutsche“ Partnerschaft auch im Jahr 2022 „keineswegs unnötig“ ist, wie sich Nafziger als Gastgeber in seiner Festrede ausdrückte. Sie sei ein klares politisches Signal, welches Planegg und Bärenstein aktiv lebten.

Sein sächsischer Amtskollege Silvio Wagner erinnerte daran, wie viel sich dennoch seit Begründung der Gemeindepartnerschaft am 23. Mai 1992 verändert hat. So seien auch die Grenzen im restlichen Europa gefallen. Den tschechischen Nachbarort Vejprty (Weipert), welcher nur der Pöhlbach von Bärenstein trennt, habe man 1992 einzig über den Grenzübergang Oberwiesenthal erreichen können. Heute gehe die Nachbargemeinde „fließend in unsere Gemeinde Bärenstein über“, wie es auf der Homepage der sächsischen Gemeinde heißt.

Nicht nur die Barriere zwischen Deutschland und Tschechien ist kleiner geworden, auch die zwischen den Ost- und Westdeutschen. „Wir sprachen nicht immer dieselbe Sprache“ konstatierte Wagner und meinte damit nicht nur die mundartlichen Einfärbungen der Bayern und Sachsen. Die Menschen unterschiedlicher politischer Systeme seien aufeinander zugegangen. „So durften wir Erzgebirgler lernen, wie man Weißwürste richtig isst und Weißbier richtig einschenkt“, erzählte der Ortschef unter dem Gelächter der Festgäste. Im Gegenzug hätten die Planegger das Liedgut und die Weihnachtstradition des Erzgebirges kennengelernt.

Viele Geschenke gemacht

Neben Hilfe in verwaltungstechnischen Belangen hätten die Planegger ihrer Partnergemeinde viele Geschenke gemacht, wie etwa Schneeräumfahrzeuge oder Ausrüstung für die Feuerwehr. Dabei seien die Würmtaler niemals bevormundend gewesen, so Bärensteins Bürgermeister, der als „alter Feuerwehrler“ schon seit langem Kontakt zu den Planegger Kameraden hat. Dies hat der junge Sachse seinem bayerischen Pendant voraus. Hermann Nafzigers erster offizieller Besuch in Bärenstein fand vergangenes Jahr statt und hat Planeggs Gemeindeoberhaupt offenkundig beeindruckt. Denn seitdem schmücken Motive aus Bärenstein das oberbayerische Amtszimmer von Hobbyfotograf Nafziger.

Letzte Festrednerin des Abends war Jitka Gavdunová, Wagners und Nafzigers tschechische Amtskollegin. Ihr gelang es mit wenigen Worten, die Herzen der Festgesellschaft zu gewinnen und daran zu erinnern, wie fragil unser heutiges politisches Gefüge noch ist. Denn nach einem mehr als herzlichen Dankeschön für die Einladung, schloss sie ihre Rede mit der vagen Hoffnung, auch beim nächsten Treffen der Partnergemeinden wieder dabei sein zu dürfen. Noch heuer kandidiert Gavdunová zum sechsten Mal als Bürgermeisterin. Und sie lässt durchblicken: Der politische Wind hat sich gedreht.

„Feierabend-Lied“„ aus dem Erzgebirge

Trotz aller politischer Sorgen: An diesem Abend bewiesen alle, dass aus Ost- und Westdeutschen, Ost- und Westeuropäern doch echte Freunde werden können. Gegen 23 Uhr neigte sich die „große Runde“ auf dem See ihrem Ende zu. Mit dem „Feierabend-Lied“ aus dem Erzgebirge sorgten die Alphornbläser mit Dirigent Alexander Boruvka, begleitet von dem Gesang vieler sächsischer Gäste, für einen würdigen Abschluss des Abends. Margot Deny

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