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Zurück auf die Fahrbahn: Die Gemeinde Planegg will Radler mit Piktogrammketten ermuntern, vom Gehweg runterzukommen.

Radfahrer auf die Fahrbahn lotsen

Piktogrammketten für die Bahnhofstraße

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Radfahrer auf dem Gehweg sind Alltag in der Planegger Bahnhofstraße. Die meisten haben dort jedoch nichts zu suchen. Die Gemeinde Planegg will sie nun mit Piktogrammketten auf die Fahrbahn lotsen.

Planegg – Die Gemeinde orientiert sich an der Stadt Mainz, die für die Einführung der Piktogrammketten im Juni 2016 heuer mit dem Deutschen Fahrradpreis ausgezeichnet wurde, ausgelobt vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur.

Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr müssen auf dem Gehweg fahren, in den zwei Jahren bis zu ihrem zehnten Geburtstag ist es ihnen erlaubt, den Gehweg nutzen. Seit Dezember 2016 darf eine Begleitperson ab 16 Jahre mit einem noch nicht achtjährigen Kind auf dem Gehweg radeln. Alle anderen müssen ohne Ausnahme die Fahrbahn nutzen.

In der Praxis wird das Verbot, auf Gehwegen Rad zu fahren, permanent missachtet. Die Planegger Bahnhofstraße ist ein Paradebeispiel dafür. Einige Radfahrer lassen gar jegliche Rücksichtnahme auf Fußgänger vermissen. Sie sind deutlich schneller als mit Schrittgeschwindigkeit unterwegs und klingeln sich auch mal den Weg frei.

Die SPD-Fraktion im Planegger Gemeinderat möchte ein Umdenken bewirken. „Das ist eine Idee, die vielleicht hilft, die Situation in der Bahnhofstraße zu entwirren“, sagte Fraktionssprecher Felix Kempf im jüngsten Ausschuss für Umwelt, Bauleitplanung und Verkehr. Die Situation in der Bahnhofstraße sei für viele Radfahrer unbefriedigend „und wird subjektiv als gefährlich wahrgenommen“, heißt es im SPD-Antrag. „Deswegen fahren viele verbotenerweise auf dem Gehweg, was wiederum zu Konflikten mit den Fußgängern führt.“

Eine Piktogrammkette, bestehend aus der Kombination von Fahrrad und Pfeil, die sich in gewissen Abständen am rechten Fahrbahnrand wiederholt, soll Autofahrer darauf aufmerksam machen, dass die Fahrbahn auch für Radfahrer gedacht ist. Radfahrern soll sie Selbstbewusstsein vermitteln, damit diese ihr Recht, die Fahrbahn zu nutzen, wahrnehmen. In Mainz wurden diese Ketten auf einer 450 Meter und einer 2,5 Kilometer langen Strecke aufgebracht.

Der Planegger Ausschuss beschloss mit 7:2 Stimmen, sie in der Bahnhofstraße zwischen Würmbrücke und S-Bahnhof beidseitig einzuführen. Michael Book (CSU) lehnte dies ab. Er hielt Piktogrammketten in der Bahnhofstraße aufgrund des schlechten Straßenzustands „für absolut kontraproduktiv“. Zudem befürchtet er, ängstliche Radfahrer könnten zwar die Fahrbahn nehmen, dann aber in der recht breiten gepflasterten Rinne ganz am Rand fahren.

Einig waren sich die Ausschussmitglieder darin, in Martinsried in der Lochhamer Straße in südlicher Fahrtrichtung zwischen Fraunhoferstraße und Minikreisel, beginnend am Ende des Radweges, ebenfalls eine Piktogrammkette anzubringen. Laut SPD-Antrag soll vermieden werden, dass dort eine Situation entsteht, „wie sie derzeit in der Bahnhofstraße vorzufinden ist“. Ob auch in Richtung Norden Fahrräder und Pfeile aufgemalt werden, muss geprüft werden, denn dort gibt es bereits einen Schutzstreifen für Radfahrer.

„Alles, was die Sicherheit der Fahrradfahrer erhöht, sollte man unterstützen“, sagte Werner Strobl (Grüne Gruppe 21). Laut Stefan Schaudig, Geschäftführer der Gemeinde, gibt es solche Piktogrammketten, wie sie Planegg nun einführen wird, in ganz Bayern nicht. Er sprach von einem „Pilotprojekt“: „Man sollte kritisch schauen, ob es mehr Probleme macht als bisher.“

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