100 Tage Bürgermeister, 100 Tage Corona: Die Pandemie bestimmt nicht nur den Arbeitsalltag im Planegger Rathaus, sie setzt auch die Themen – vom geschlossenen Wellenbad bis hin zu Einbrüchen bei den Steuereinnahmen. Trotzdem sagt Hermann Nafziger: „Es macht mir Höllenspaß.“
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Seit Mai 2020 im Amt: Planeggs Bürgermeister Hermann Nafziger. 

100 Tage Planegger Bürgermeister

Hermann Nafziger: „Es macht mir Höllenspaß“

  • Nicole Kalenda
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100 Tage Bürgermeister, 100 Tage Corona: Die Pandemie bestimmt nicht nur den Arbeitsalltag im Planegger Rathaus, sie setzt auch die Themen – vom geschlossenen Wellenbad bis hin zu Einbrüchen bei den Steuereinnahmen. Trotzdem sagt Hermann Nafziger: „Es macht mir Höllenspaß.“

Planegg– Als sich Nafziger (CSU) Ende März in der Stichwahl um das Planegger Bürgermeisteramt gegen Cornelia David (FWD) durchsetzte, fiel die Party aus. Deutschland steckte mitten im Lockdown. Am 1. Mai, seinem ersten Arbeitstag, räumte Nafziger, allein im Rathaus, sein Amtszimmer ein. Denn auch die Maifeiern, sonst Pflichttermine eines Bürgermeisters, fanden nicht statt. Jetzt, 100 Tage nach seinem Amtsantritt, ist das öffentliche Leben weiterhin eingeschränkt. „Es ist ein bisschen schade, dass es wenig Gelegenheiten gibt, bei Veranstaltungen Bürger zu treffen“, sagt Nafziger. Und dass die Abstandsregelung die Arbeit am meisten beeinträchtige.

Maximal zu sechst im Standesamt

Nach wie vor gilt die Mitte Juni erlassene 6. Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung und damit das Gebot, 1,5 Meter Abstand zu anderen Personen einzuhalten. Das bedeutet zum Beispiel, dass sich maximal sechs Personen im Standesamt aufhalten dürfen. Nimmt Nafziger eine Trauung vor, ist noch Platz fürs Brautpaar, die beiden Trauzeugen und eine weitere Person. Was im Standesamt nur bei besonderen Anlässen zum Tragen kommt, stellt im Wellenbad ein nicht zu lösendes Problem dar. Auch bei den aktuellen Witterungsverhältnissen, Temperaturen um 30 Grad und strahlendem Sonnenschein, bleibt die öffentliche Badestelle an der Würm gegenüber dem Rathaus geschossen. Es fehlt am Personal für die im Corona-Sommer notwendige Eingangskontrolle sowie die Überwachung der Abstände auf der Liegewiese und im Wasser. „Für uns ist das ein Riesenproblem. Dieses Jahr muss man einfach zurückstecken“, sagt Nafziger und wirbt für Verständnis.

Immerhin fährt das Kupferhaus nach einer im März vorzeitig beendeten Saison im September den Betrieb wieder hoch. Doch bei Kabarett, Theater oder Konzert können je nach Veranstaltung statt der bisher rund 450 nur zwischen 80 und 120 Besucher Platz nehmen.

Erste Stundungen im März

Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Wirtschaft beeinflussen die Einnahmen der Gemeinde. Bereits im März machten Unternehmen von der Möglichkeit Gebrauch, fällige Gewerbesteuerzahlungen vorerst bis Jahresende stunden zu lassen. „Die Tendenz ist da“, sagt Nafziger. Aber auch, dass sich die „Einbrüche im Gewerbesteuerbereich momentan noch in Grenzen halten“. Genaueres lasse sich erst gegen Jahresende sagen, zumal nicht klar sei, wie viel von den rund 2,4 Milliarden Euro, die für den pauschalen Ausgleich von Mindereinnahmen bei der Gewerbesteuer für bayerische Kommunen von Bund und Freistaat vorgesehen sind, nach Planegg gehen wird. 19,5 Millionen Euro sind im Haushalt 2020 als Gewerbesteuereinnahmen eingeplant. „Ich glaube nicht, dass wir das schaffen“, sagt Nafziger.

Ähnlich verhält es sich mit der Einkommensteuer, der zweiten wichtigen Einnahmequelle der Gemeinde. Die Kämmerei rechnete vor Corona mit 9,8 Millionen Euro im laufenden Jahr. Nafziger: „Da werden wir drunter bleiben. Das geht gar nicht anders.“ Im ersten Quartal lag man im Soll, im zweiten machten sich Einbrüche bemerkbar, sei es wegen Kurzarbeit oder Verlust des Arbeitsplatzes. Nur bei der Grundsteuer habe sich nicht viel bewegt.

Nafziger begeistert von Zusammenarbeit im Gemeinderat

Nicht nur das Coronavirus beeinflusst die Arbeit, auch die Zusammensetzung des neuen Gemeinderates hat Auswirkungen. 13 der 24 Gemeinderäte sind neu ins Gremium gewählt, das erstmals aus sechs Fraktionen und zwei Ein-Personen-Gruppierungen besteht. Keine Partei hat eine komfortable Mehrheit. Am besten steht die CSU mit sechs Gemeinderatssitzen da. Doch wer Mehrheiten braucht, muss sie sich suchen. Das scheint zu klappen. „Ich bin begeistert. Die Zusammenarbeit ist unglaublich positiv und konstruktiv“, sagt Nafziger. „Ich möchte, dass wir alles fachlich und thematisch betrachten, egal woher die Ideen kommen.“

Der Bürgermeister hatte eine Gemeinderatklausur angestrebt, um in wichtige Themen einzuführen. Wegen Corona wurde daraus nichts. Stattdessen trafen sich Gemeinderäte und Vertreter der Verwaltung jeweils am Freitagnachmittag im Kupferhaus, um über das neue Bahnhofsareal, Haushalt, Personal- oder Baurecht zu sprechen. Die Martinsrieder Umfahrung stand nicht auf dem Programm. Seit Jahren im Gespräch, gehört sie zurzeit nicht zu den Projekten mit der höchsten Priorität.

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