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Eine Attraktion weniger: Das Café Le Trésor hat zugemacht.  

Kein Coworking mehr in der Bahnhofstraße

„Planegg ist nicht vermietbar“

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Die Planegger Bahnhofstraße bleibt ein schwieriges Pflaster. Jetzt steht auch die ehemalige Filiale der Münchner Bank im Haus Nummer 28 wieder leer. Die Gräfelfinger Firma „terrabay“ ist dort mit ihren modernen Arbeitswelten samt Cafébetrieb gescheitert.

Planegg– Ende Mai 2017 schloss die Münchner Bank ihre Filiale in der Planegger Einkaufsmeile. Eineinhalb Jahre später eröffnete unter der Adresse die Gräfelfinger Firma „terrabay“ einen Bürobetrieb, der ganz auf Coworking und Shared Office ausgerichtet war. Sie übernahm den größten Teil der Räumlichkeiten, nur der Selbstbedienungsbereich der Münchner Bank rechts vom Eingang blieb erhalten und wurde zudem kundenfreundlicher gestaltet.

Das „terrabay“-Konzept: Große Unternehmen sollen durch die stunden, tage-, wochen- oder monatsweise Anmietung von Arbeitsplätzen, Tagesbüros, Einzel- oder Teambüros kurzfristig ihre Kapazitäten erhöhen oder Einzelkunden, die sonst zu Hause arbeiten, kurzfristig etwaigem Lärm durch Handwerker entgehen können. Einen Arbeitsplatz mit W-LAN und voll möbliert gibt es laut „terrabay“-Website ab 5 Euro pro Stunde. „Wir glauben an Coworking und halten daran fest, auch in Kombination mit einem Café, aber an dem Standort ist das schwer umzusetzen“, sagt „terrabay“-Geschäftsführer Alexander Leeb. Und weiter: „Planegg ist nicht vermietbar.“ Zwar hätten sich Biotechfirmen interessiert gezeigt, dann aber gleich 100 oder 200 Quadratmeter gefordert.

Unvorhergesehene Entwicklungen im Café-Bereich

Zu der fehlenden Wirtschaftlichkeit im Büro-Segment kamen unvorhergesehene Entwicklungen im Café-Bereich. Thomas Leeb von „Kaffee, Espresso & Barista“ in München-Neuhausen betrieb als Untermieter das Café Le Trésor in den ehemaligen Bankräumen. Es sollte eine Ergänzung zu den Büroräumen darstellen. Anfang April, so Alexander Leeb, habe der Onkel seiner Frau jedoch die Café-Trésor-Geschäftsführung „aus heiterem Himmel niedergelegt“. Alexander Leeb: „Er hat hingeworfen und uns einen Scherbenhaufen hinterlassen. Er hat uns in die Betreiberthematik reingezwungen, und wir konnten das nicht mehr korrigieren.“ Weder er, noch seine Frau, eine Steuerberaterin, seien in der Lage, ein Café zu betreiben.

Um aus der Bankfiliale einen Bürobetrieb mit Café zu machen, hatte es einer Nutzungsänderung bedurft. Die Gemeinde Planegg erteilte diese im Vorfeld, Wirtschaftsförderin Bärbel Zeller zeigte sich damals begeistert davon, dass erstmals in der Bahnhofstraße ein Coworking-Konzept umgesetzt werden sollte. Das Landratsamt München als übergeordnete Genehmigungsbehörde forderte jedoch Nachbesserungen. Alexander Leeb nahm die ausstehende Genehmigung zum Anlass, von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch zu machen. Die Vermieterin habe dem jedoch widersprochen, sodass Leeb mit einer juristischen Auseinandersetzung rechnet.

Projekt am Jahnplatz in Lochham

Leeb, der vor vier Jahren mit seiner Firma von Pullach nach Gräfelfing zog, möchte sich nun auf Gräfelfing als Geschäftsfeld konzentrieren. Eines seiner Projekte ist die Umwandlung der ehemaligen Kreissparkassen-Filiale am Jahnplatz, die sich im Eigentum der Gemeinde befindet, in einen Bürobetrieb mit Café. „An dem Konzept halten wir fest“, sagt er. Allerdings betont Leeb: „Wir bieten ausschließlich Office-Leistungen an.“

Deswegen sucht er nun einen Betreiber fürs Café. „Wir freuen uns auf Zuschriften.“ Alter und Erfahrung seien sekundär. Leeb kann sich durchaus einen Untermieter vorstellen, der auf diese Weise eine Existenz gründen möchte.

In der Planegger Bahnhofstraße 28 herrscht „momentan Stillstand“, wie Leeb sagt. Seit Ende Juli hängt ein Zettel an der Tür zum Café, der von „Sommerferien“ kündet. Die dürften sich noch einige Zeit hinziehen. Leeb möchte den Ausgang des Prozesses abwarten, erklärt aber auch: „Ich werde den Standort nicht weiter betreiben.“

Planeggs Wirtschaftsreferentin Zeller sagt: „Ich würde Coworking nicht grundsätzlich abschreiben.“ Sie gibt zu bedenken: „Mittlerweile sind die Mieten in der Bahnhofstraße entsprechend hoch. Da ist es schwierig, sich zu halten.“ Fast zeitgleich mit dem Bürobetrieb samt Café schloss Ende Juli etwas weiter östlich auf der anderen Seite der Bahnhofstraße Feinkost Käfer seine Filiale mit Bistrobetrieb nach gerade einmal eineinhalb Jahren. Die Räume im Erdgeschoss der Bahnhofstraße 7 sind zu mieten, ebenso wie die des ehemaligen Schreibwarengeschäfts „kakadu“ in Bahnhofsnähe. Dessen Betreiber hatte im vergangenen Winter aufgegeben.

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