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460 Besucher kamen zur Merkur-Podiumsdiskussion mit den acht Bürgermeisterkandidaten ins Planegger Kupferhaus.

Podiumsdiskussion des Münchner Merkur

Die Nuancen machen den Unterschied

Beifall für die Bürgermeisterkandidaten und volle Ränge bis zum Schluss: 460 Bürger besuchten am Freitagabend die Podiumsdiskussion des Münchner Merkur im Planegger Kupferhaus. Dabei zeigte sich, dass die Unterschiede oft nur in den Nuancen liegen.

Planegg – Das ist einmalig im Würmtal: In Planegg bewerben sich acht Kandidaten, zwei Männer und sechs Frauen. Dass das Interesse an Entscheidungshilfen riesig ist, bezeugte das rappelvolle Kupferhaus. Hier gab es für die Bürger die einzige Chance im Wahlkampf, alle Bewerber gemeinsam zu beäugen. Hermann Nafziger (CSU), Judith Grimme (Bündnis 90/Die Grünen), Cornelia David (Freie Wähler Dynamische e.V.), Christine Berchtold (SPD), Philipp Pollems (FDP), Angelika Lawo (grüne Gruppe 21), Susanne Trenkle (Unabhängige Bürgermeisterin Planegg-Martinsried) und Astrid Pfeiffer (Wählergruppe für Planegg & Martinsried) antworteten der Reihe nach auf Fragen zu aktuellen Gemeindethemen, die zuvor an die Merkur-Redaktion eingesandt worden waren.

Auf dem Podium waren sich alle ziemlich oft einig

Wer hoffte, völlig konträre Meinungen zu hören, um sich damit bei der Wahl etwas leichter zu tun, wurde enttäuscht. Auf dem Podium waren sich alle oft ziemlich einig. Cornelia David bestätigte das: „Wie Sie den Wahlprogrammen entnehmen können, gibt es nicht so viele Unterschiede zwischen uns.“ Beim Thema Martinsrieder Westumfahrung sprachen sich etwa alle für die kleine Lösung aus – den Bau der Straße westlich der Garagen entlang der Röntgenstraße mit Einmündung in die Fraunhoferstraße. Von einer Gewerbetrasse hoch bis zum AEZ nahmen alle Abstand. Auch Hermann Nafziger gab zu diese Ausweitung „mittlerweile kritisch zu sehen“.

Trotzdem versuchte freilich jeder der potenziellen Nachfolger von Bürgermeister Heinrich Hofmann (SPD), der aus Altersgründen nicht mehr antreten kann, zu punkten. So plädierte einzig David für eine Untertunnelung der Germeringer Straße in Planegg, um insbesondere den Lkw-Verkehr aus dem Ort zu bekommen.

Bahnhofsareal soll in Gemeindehand bleiben

Neben zu viel Verkehr beschäftigt die Planegger, dass es zu wenig bezahlbaren Wohnraum gibt, gerade für Familien und Alteingesessene. Auf das zu bebauende Bahnhofsareal setzten deshalb alle Kandidaten und teilten die Meinung, dass das Gebiet in Gemeindehand bleiben sollte. Astrid Pfeiffer, die bei ihrer Bewerbung verstärkt Strukturpolitik im Fokus hat, wollte „keinen Zentimeter“ an Investoren abgeben. Und während Philipp Pollems, der als Parteifreier seinen Hut für die FDP in den Ring wirft, sich auch Wohnraumgewinnung durch Aufstockung auf Flachbauten im Gewerbegebiet vorstellen konnte, schlug Nafziger die Gründung einer eigenen Wohnungsbaugesellschaft vor.

Eine Mitschuld an der Wohnraumknappheit gab Fragestellerin Elke Bernhard dem „immensen Zuzug“ – bedingt durch die stetig wachsende Landeshauptstadt – und wollte wissen, wie die Damen und Herren auf dem Podium diesen zu stoppen gedenken. Eine Frage, die Lehrerin Angelika Lawo so nicht stehen lassen wollte: „Das hat für mich einen fremdenfeindlichen Einschlag. Wir profitieren hier doch genau von der Mischung und wollen keine Mauer um Planegg bauen.“ Das sah der Rest genauso. Judith Grimme und Susanne Trenkle forderten aber eine moderate Handhabung beim Zuzug.

Reichlich Ideen zur Energiewende

Bei der Energiewende kamen dann Vorschläge von Erdtanks mit Photovoltaik auszurüsten über die Würm als Energieerzeuger bis zur Förderung von Carsharing. Cornelia David befürwortete auch die Installierung einer Wasserstoff-Tankstelle in Planegg sowie eine mögliche Kooperation mit der Nachbargemeinde Gräfelfing, um mithilfe von klimaneutraler Geothermie Energie zu gewinnen. Die SPD-Kandidatin Berchtold forderte dagegen eine Aufklärungskampagne wegen mangelhafter Entsorgung von Plastik.

Ein Problem, das die Gemeinde speziell im vergangenen Jahr beschäftige, kam auch zur Sprache: Vandalismus und Lärmbelästigung durch Planegger Jugendliche am Feodor-Lynen-Gymnasium und im Martinsrieder Parc de Meylan. Er bekomme erst einmal Angst, sagte Philipp Pollems, wenn er höre, dass der Planegger Polizeichef zur Problemlösung eine Bürgerwehr einführen möchte: „Da kommt mir das kalte Grausen.“ Platz, insbesondere für ältere Jugendliche, könne dagegen ein Weg sein, so Pollems. Großen Applaus erntete Hermann Nafziger, der ebenfalls „mehr Platz zum Abhängen“ forderte und sich ausdrücklich im Kupferhaus statt Kabarett mal eine richtige Rockband wünschte.

Kandidaten verraten, warum man ausgerechnet sie wählen soll

Jeder Kandidat durfte zum Schluss erklären, warum die Planegger ausgerechnet ihn wählen sollten. Astrid Pfeiffer will „mehr über den Tellerrand hinausschauen“, Judith Grimme möchte „Politik mit den Bürgern machen“, Cornelia David „gestalten, nicht verwalten“, und Susanne Trenkle sieht sich „als Bürgerin aus der Mitte und nicht als Politikerin“. Als Moderator und breit aufgestellt versteht sich Philipp Pollems, während Angelika Lawo „den richtigen Blick für Projekte“ hat und Hermann Nafziger sich wie Wein fühlt, der seit zwölf Jahren im Fass gereift ist – so lange ist er politisch schon tätig – und jetzt trinkbereit. Christine Berchtold ist „ganz bei den Menschen“ und möchte die beiden Ortsteile näher zusammenbringen. Ob Berchtold aber ihren Parteikollegen Heinrich Hofmann beerben wird? Am 15. März oder spätestens nach einer Stichwahl am 29. März wissen die Planegger und Martinsrieder mehr.

Insgesamt bewerben sich in den Würmtalgemeinden 21 Kandidaten ums Bürgermeisteramt.

Carolin Högel

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