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Die Bewohner der Erdgeschosswohnungen fürchten um die von ihnen gepflanzten Sträucher und Blumen.

Wohnanlage Josef-Beyerl-Straße 8 in Planegg

Senioren fürchten um ihre Pflanzen

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Schmetterlingsbäume, Rosen, Lavendel, Weigelien und Rhododendron zieren die Grünflächen der Wohnanlage Josef-Beyerl-Straße 8 in Planegg. Nun sollen sie verschwinden. Weil die Mieter sie eigenmächtig anpflanzten, nachdem monatelang nichts passiert war.

Planegg – Über 80 Bewerbungen gingen für die 18 Wohnungen ein, die die Baugesellschaft München-Land (BGML) vor zwei Jahren auf dem gemeindeeigenen Grundstück hinter dem Rathaus errichtete. Diejenigen, die vom Gemeinderat den Zuschlag bekamen, dachten, sie hätten das große Los gezogen. Schließlich liegt die Miete für die seniorengerechten Neubauwohnungen bei knapp unter zehn Euro pro Quadratmeter. Doch es kam anders. „Die Auseinandersetzungen waren von Anfang an da“, sagt Rainer Rutz.

Der 72-jährige Journalist bewohnt seit Sommer vergangenen Jahres eine der Erdgeschosswohnungen mit Terrasse. „Als wir hier eingezogen sind, war das eine Baustelle“, sagt er. Monatelang, so Rutz, gelangte man nur über Bretter in die Wohnungen. „Es gab eine lange Liste von Baumängeln, die zum Teil bis heute nicht behoben sind.“ Die Bewohner schrieben Briefe an die BGML, wegen Böden, die sich lösten, defekten Lichtschaltern und dem Bewegungsmelder der Außenlichtanlage, der so sensibel war, dass er reagierte, wenn Heinz Gajewski in seiner Wohnung das Badezimmerlicht anschaltete. Nach mehreren Monaten sei schließlich jemand vorbeigekommen und habe den Bewegungsmelder mit Klebeband versehen. Rutz: „Bei nahezu jeder Anfrage dauerte es Monate, bis überhaupt eine Antwort gekommen ist. Das Schlimmste ist die Erfahrung, die wir gemacht haben. Wir sind alle über 60, und die behandeln uns wie alte Deppen.“ Ende November vergangenen Jahres fand im Rathaus ein Runder Tisch statt, wo die die Mieter unter anderem die Metallplatten ansprachen, die auf der Nordseite zur Straße hin angebracht sind und Küchen und Bädern einen großen Teil des Tageslichtes rauben. „Dass auf dem Bau nicht alles klappt, ist nun einmal so“, sagt BGML-Geschäftsführer Ulrich Bittner auf Merkur-Anfrage.

Bewohner ergreifen im Frühjahr die Initiative

Auch die Außenanlagen waren den Mietern ein Dorn im Auge. Besser gesagt, dass dort nichts passierte. Im Frühjahr dieses Jahres ergriffen die Bewohner des Erdgeschosses nach Ansage die Initiative, begannen zu pflanzen, kauften Schläuche und Rasenmäher und pflegten die Grünflächen. Im heißen Sommer gossen sie täglich, größtenteils mit Wasser aus den beiden öffentlich zugänglichen Wasserhähnen auf dem Grundstück. Das brachte ihnen einen geharnischten Brief der BGML ein.

Man stieg aufs eigene Wasser um und dachte, alles sei in schönster Ordnung, bis Anfang November wieder ein Brief kam. Nach Beschwerden habe man die Außenanlagen einer „eingehenden Prüfung“ unterzogen und festgestellt, „dass zirka 80 bis 100 Pflanzen von den Bewohnern in eigener Regie gepflanzt wurden“. Dies sprenge den Rahmen, in dem private Anpflanzungen im Gemeinschaftsbereich toleriert werden könnten. Ausschreibung und Angebote für die Gartenarbeiten seien gemäß Pflanzplan erfolgt. Die zusätzlichen Pflanzen verteuerten die Pflege.

Die BGML setzte den Mietern bis Ende November eine Frist, Pflanzen, die sich nicht im direkten Umgriff der Terrassen befinden, zu entfernen. Danach werde man die Entfernung veranlassen. Wieder schrieben die Bewohner der BGML und baten um eine gemeinsame Begehung.

Baugesellschaft München-Land hebt vorerst Frist auf

Geschäftsführer Bittner: „Die haben die Außenanlagen in Besitz genommen. Das ist sonst nicht üblich. Sonst hält man sich an die Regeln.“ Nachdem die Bewohner wochenlang nicht von der BGML gehört haben, soll ihnen noch diese Woche ein Brief zugehen. Bittner: „Wir werden die Frist aufheben und machen die gewünschte Begehung. Wir sprechen mit den Mietern, was eventuell bleiben kann.“ Ein Termin steht noch nicht fest. Bittner: „Das eilt auch nicht. Wir haben gerade sehr viel zu tun.“

Max Gum-Bauer, Gemeinderat der Freien Wähler Dynamischen, ist hellhörig geworden. „Für mich ist es wichtig, das zu klären“, sagt er zu den Auseinandersetzungen. Auf einem gemeindeeigenen Grundstück in der Münchner Straße wolle man im größeren Stil erneut mit der BGML bauen. Sollte diese überfordert sein, müsse man sich rechtzeitig einen anderen Bauträger suchen. Gum-Bauer: „Am besten wäre ein Gespräch mit allen Beteiligten, an dem auch die Gemeinderäte teilnehmen können.“

Es war gar nicht so einfach, die Vergabekriterien für die Wohnungen zu erfüllen.

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