Ältere Frau und Studentin spielen Schach
+
Kommen bestens miteinander aus: Die Planeggerin Barbara Friedrich (r.) und Ljuba Arakelyan haben angefangen, zusammen Schach zu spielen.

Barbara Friedrich und Ljuba Arakelyan bilden den Idealfall einer Wohnpartnerschaft

Pro Quadratmeter eine Stunde Hilfe in der Woche

Psychisch haben die meisten älteren Menschen den Corona-Lockdown erstaunlich gut überstanden. Das belegen zahlreiche Studien. Doch während für einen großen Teil der Bevölkerung allmählich der normale Alltag zurückkehrt, gilt für Personen, die einer Risikogruppe angehören, nach wie vor höchste Vorsicht.

Planegg – Gerade für Senioren birgt die durch die Pandemie bedingte Kontaktbeschränkung die Gefahr der Vereinsamung. Als doppelter Segen hat sich in dieser Situation eine relativ neue Wohnform erwiesen: „Wohnen für Hilfe“. Unter diesem Motto vermittelt der Seniorentreff Neuhausen seit über 20 Jahren Wohnpartnerschaften in der Stadt München. Auszubildende und Studierende leben mit der älteren Generation unter einem Dach. Die Älteren stellen das Zimmer und die Jungen helfen dafür im Alltag. Das Konzept ist so erfolgreich, dass der Seniorentreff Neuhausen seit 2013 auch im Landkreis München tätig ist. Gerade in der Corona-Krise habe sich diese Wohnform bewährt, ist Ursula Schneider-Savage überzeugt. Die Sozialpädagogin ist Mitarbeiterin des Seniorentreffs Neuhausen und zuständig für „Wohnen mit Hilfe“ im Landkreis München. In zahlreichen Telefonaten mit Wohnpaaren habe sie erfahren, wie froh die älteren Menschen während des Lockdowns über ihre jungen Untermieter waren. Es sei ihnen viel besser gegangen als denen, die allein lebten, so Schneider-Savage.

Wie so eine Partnerschaft im Idealfall aussehen kann, das sieht man bei Barbara Friedrich und Ljuba Arakelyan aus Planegg. Seit September 2018 bewohnt die 29-jährige Studentin ein Zimmer im Haus der 87-jährigen Seniorin. Für Barbara Friedrich ist es bereits die dritte Wohngemeinschaft dieser Art, für Ljuba Arakelyan die erste. Dass diese Art des Zusammenlebens „richtig, richtig gut“ sei, darin sind sich beide einig. Dabei war für die BWL-Studentin „Wohnen für Hilfe“ nicht einmal die erste Wahl. Als die Armenierin ihr Studium in Augsburg begann, bezog sie erst einmal ein Studentenwohnheim in Schwabing. Doch dieses wurde umgebaut und sie war wohnungslos. Auf der Suche nach einer bezahlbaren Bleibe stieß sie im Internet auf „Wohnen für Hilfe“. Skeptisch sei sie anfangs schon etwas gewesen, meint die 29-Jährige – aber nur, weil Planegg ja doch etwas abgelegen sei. Zu ihrer Freude konnte sie feststellen, dass der Weg nach Augsburg nicht länger ist als von Schwabing aus. „Ich fahre von Pasing ab mit dem Zug“, sagt sie. Das klappe wunderbar.

Das Studium in der rund 60 Kilometer entfernten Fuggerstadt ist auch etwas, was die Studentin mit ihrer Mitbewohnerin verbindet. Denn die gelernte Buchhändlerin Barbara Friedrich hat zusammen mit ihrem Mann, einem Juristen, nach beider Pensionierung in Augsburg Kunstgeschichte studiert. Noch heute schwärmt die Seniorin von der intimen Atmosphäre in der Fakultät und den netten hilfsbereiten Mitstudenten. Vielleicht wurde ja damals der Grundstein dafür gelegt, dass die 87-Jährige heute noch so offen auf Menschen zugehen kann. Denn, das macht sie gleich klar, an sozialen Kontakten mangelt es ihr nicht. Und das war auch nicht der Grund dafür, dass sie eine junge Mitbewohnerin bei sich aufnahm.

Durch eine Anzeige der „Würmtal-Insel“ war sie nach dem Tod ihres Mannes auf „Wohnen für Hilfe“ aufmerksam geworden. Sie kam mit der Leiterin ins Gespräch – und wohnt seither nicht mehr allein.

In der Regel ist es vorgesehen, dass ein Quadratmeter Wohnen einer Stunde Hilfe pro Woche entspricht. Alle Nebenkosten wie Strom oder Wasser werden von den jungen Mitbewohnern bezahlt. Aber die beiden Planegger Damen sehen das nicht so eng. Die Rentnerin als rüstig zu bezeichnen, gleicht beinahe einer Beleidigung. Sie ist physisch und psychisch mehr als fit. So kochen die beiden gemeinsam. „Ljuba hat mich in die armenische Küche eingeführt“, sagt die 87-Jährige. Es sei einfach interessant, etwas von anderen Kulturen zu erfahren. Während der Corona-Pandemie haben die beiden angefangen, zusammen Schach zu spielen, waren während des Lockdowns auch gemeinsam einkaufen. Besonders in Dingen, die man gerne vor sich herschiebe, wie das Ausräumen des Gefrierschrankes, greife ihr die Studentin unter die Arme, sagt Barbara Friedrich schmunzelnd. Diese fühlt sich bei der Seniorin pudelwohl. „Ich versteh die Barbara einfach gut“. (Margot Deny)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Gräfelfing rechnet mit 169 Mio. Euro aus Gewerbesteuer
Gräfelfing rechnet mit 169 Mio. Euro aus Gewerbesteuer
Freude überwiegt bei Grundsteinlegung
Freude überwiegt bei Grundsteinlegung
Göbel geht von vorgezogener Neuwahl aus
Göbel geht von vorgezogener Neuwahl aus
Ende der Würmtaler Tee-Institution
Ende der Würmtaler Tee-Institution

Kommentare