Kontrolleure kassieren zu Unrecht

Aushang in der S6: Auf der Suche nach der falschen Falschfahrerin

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Wegen eines „ungültigen“ Bahntickets, das sich doch als korrekt entpuppte, wurde eine Frau zur Kasse gebeten. Ein Zeuge sucht nun nach der Unbekannten.

Planegg - Auf einer etwas anderen Suche nach einer Unbekannten ist derzeit Elof Frank aus Gauting. In der S6 Richtung Tutzing hat er in der vergangenen Woche beobachtet, wie eine Frau nach einer Fahrkartenkontrolle zur Kasse gebeten wurde - und das, obwohl sie, wie sich danach rausstellte, einen gültigen Fahrschein besaß.

Der Irrtum der Kontrolleure

Das Ganze geschah am vergangenen Montag etwa um 13 Uhr. Zwischen den Haltestellen Pasing und Planegg wurde eine noch unbekannte Frau von drei DB-Sicherheitsmitarbeitern nach ihrer Fahrkarte gefragt. „Nach Vorlage der Fahrkarte sagte der erste Kontrolleur, diese wäre nicht gültig“, erzählt Elof Frank auf Nachfrage. „Wir wären hier im Ring zwei oder drei.“ Zu diesem Zeitpunkt hatte die S6 gerade die Haltestelle Westkreuz verlassen. Auch der zweite Kontrolleur bestätigte die Angaben des ersten. „Wir sind hier in Ring drei“, hieß es. Die Frau dürfe allerdings nach Aussage des Kontrolleurs nur ab Planegg in Richtung Starnberg mit ihrer Fahrkarte fahren. Anschließend wurde die Frau gebeten ihren Personalausweis vorzulegen. 

„Die Frau betonte die Richtigkeit Ihres Tickets, welches Sie nach eigener Aussage schon immer so am Automaten in Planegg kauft, und damit schon kontrolliert wurde“, sagt Frank.

Mit dem Aushang sucht Elof Frank nach der Unbekannten, die trotz gültigem Fahrschein Strafe zahlen musste.

Die MVV-App zeigt den Beweis an

Kurz vor Planegg konnte Frank das Monatsticket der Unbekannten einsehen. Um ihr zu helfen, wollte Frank der Frau den korrekten Tarif via MVV-App aufzeigen. Und siehe da: die App zeigte die Ringe vier bis sechs auf - die Frau hatte also eine korrekte Fahrkarte. „Der Fehler der Kontrolleure lag darin, sich nicht die Mühe zu machen genau zu überprüfen, in welchem Ring wir uns zu dem Zeitpunkt genau befanden“, meint Frank.

Woran Sie Fahrkarten-Kontrolleure erkennen, lesen Sie hier.

Vorfall wird „intern geprüft“

Noch bevor der Sachverhalt geklärt werden konnte, stieg die Unbekannte in Planegg aus. Die Kontrolleure dagegen behaupteten gegenüber dem Gautinger, die App würde falsche Angaben machen. Erst nachdem Elof Frank in Gauting ausgestiegen war, konnte er sich am aufgehängten Plan am Bahnsteig versichern, welcher Ring für welche Strecke gilt. „Aber die Kontrolleure fuhren soeben weiter in Richtung Starnberg ab“, sagt er.

Elof Frank machte nach dem Vorfall einen Aushang an der Haltestelle, um der Unbekannten seine Hilfe anzubieten. Außerdem wendete er sich direkt an die S-Bahn und ist dort „wirklich auf offene Ohren gestoßen“, wie er sagt. Eine Sprecherin der S-Bahn teilte auf Nachfrage mit, dass der Vorfall derzeit intern geprüft werde. Die gesuchte Frau habe sich allerdings laut Frank noch nicht gemeldet.

Dass sich der Gautinger überhaupt die Mühe gemacht hat, nach der Unbekannten zu suchen, hat einen entscheidenden Grund: „Da die Frau ein übertragbares Monatsticket hatte, habe ich die Befürchtung, sie würde bei der Beschwerde auf taube Ohren stoßen“, erklärt Frank. Theoretisch hätte eine übertragbare Karte an diesem Tag ja bei jemandem anderen sein können.

Insgesamt hat der Gautinger am Verhalten der Kontrolleure nichts zu bemängeln - es war „direkt und bestimmt“, sagt er. Allerdings hätte er sich gewünscht, dass sie der Frau am ausgehängten Plan den Sachverhalt darstellen. Ihre Deutschkenntnisse seien eher bescheiden gewesen. „In diesem konkreten Fall wäre der Irrtum dann auch sofort aufgefallen“, meint Frank. 

tas

Rubriklistenbild: © Privatfoto

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