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Das Alten- und Pflegeheim in Planegg. Hier ereigneten sich die schrecklichen Taten.

Pfleger verurteilt

Sexueller Missbrauch im Altenheim: Heimleiter räumt Fehler ein

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Nachdem ein Pfleger im Planegger Altenheim Bewohnerinnen sexuell missbraucht hat, räumt der Heimleiter Fehler ein. Gegen einen Vorwurf wehrt er sich aber.

Planegg – Der Betrieb im Evangelischen Altenheim der Inneren Mission in Planegg geht wieder weitgehend seinen gewohnten Gang. Das Bekanntwerden der Fälle von teils schwerem sexuellen Missbrauch liegt nun über ein Jahr zurück. Der 59 Jahre alte Pflegehelfer, der die Taten begangen hat, ist seit 21. Februar verurteilt und sitzt in Haft. Die Aufarbeitung im Haus ist abgeschlossen.

Doch durch den Prozess rückten die Vorfälle wieder ins Licht der Öffentlichkeit. Am Leiter der Einrichtung haftet seitdem der Vorwurf, mit den Vorfällen nicht richtig umgegangen zu sein.

Der Heimleiter erstattete keine Anzeige

Als er erstmals davon hörte, dass einer seiner Angestellten sich an einer Bewohnerin vergangen haben soll, erstattete er keine Anzeige, sondern sorgte stattdessen dafür, dass der Mann nicht weiter in dem Heim in Planegg beschäftigt wurde. „In der Nachbetrachtung war das ein Fehler“, sagt Heimleiter Ulrich Spies.

Den Vorwurf, er habe etwas vertuschen wollen, mag er aber nicht auf sich sitzen lassen. Man habe umgehend mit professioneller externer Begleitung das Gespräch mit den Mitarbeitern, den Bewohnern und deren Angehörigen gesucht. Man habe unter anderem eine Pfarrerin und den Münchner Frauennotruf hinzugezogen.

Täter beging schweren sexuellen Missbrauch bis hin zur Vergewaltigung

Dafür, dass er nicht gleich Anzeige erstattete, nennt Spies zwei Gründe. Zum einen habe, nach dem Bekanntwerden der Vorfälle „die Luft gebrannt“. Vieles sei auf ihn und sein Team eingeprasselt. Zum anderen sei das ganze Ausmaß der Taten – schwerer sexueller Missbrauch bis hin zu Vergewaltigung in mindestens vier Fällen – erst nach der Selbstanzeige und dem Geständnis von Heinz G. bekannt geworden.

Wie der Strafprozess gegen G. zeigte, hatte eine Mitarbeiterin ihren Kollegen dabei beobachtet, wie er eine 92-jährige Demenzpatientin umarmte, küsste und ihr an die nackte Brust fasste. Nach einer Woche wandte sich die Mitarbeiterin an ihre direkte Vorgesetzte, die wiederum Spies informierte.

Spies: „Was, wenn die Anschuldigungen nicht gestimmt hätten?“

Der Heimleiter sagt, er habe sofort seine Vorgesetzten bei der Inneren Mission informiert und den Pflegehelfer, der sich in sieben Jahren in der Einrichtung nichts zuschulden hatte kommen lassen und bei seinen Kollegen offenbar auch beliebt war, zu sich zitiert. Der habe die Vorwürfe geleugnet. „Was wäre gewesen, wenn sich die Anschuldigungen als falsch herausgestellt hätten?“, fragt Spies.

So habe er G. fristlos gekündigt, um Schaden vom Haus abzuwenden. Am nächsten Tag habe man G. einen Aufhebungsvertrag vorgelegt, weil gegen eine Kündigung Klage hätte eingereicht werden können. G. unterschrieb und erhielt ein Arbeitszeugnis. Dass G. seine Taten so möglicherweise in einem anderen Pflegeheim hätte wiederholen können, hatte auch die Richterin kritisiert, die ihn zu vier Jahren Gefängnis verurteilte.

Das Zeugnis habe er selbst weder ausgestellt noch unterschrieben, als Heimleiter habe er aber die Verantwortung dafür zu übernehmen. Und dass sein Haus ein außerordentlich gutes Zeugnis geschrieben habe, wie es einige Medien während des Prozesses berichteten, bestreitet Spies. „Jegliche Aussagen zum Verhältnis zu den Bewohnern fehlten im Zeugnis. Wer sich in der Branche auskennt, weiß, dass das Anlass ist, genauer hinzuschauen.“

Keine Konsequenzen für die Heimleitung

Abgesehen von der nicht erstatteten Anzeige nimmt Spies für sein Haus in Anspruch, richtig mit der Situation umgegangen zu sein. Diese Auffassung würden auch die Angehörigen der Opfer teilen, die der Einrichtung auch weiterhin vertrauen würden. Weder seine Vorgesetzten noch das Landratsamt als Aufsichtsbehörde sehen einen Anlass für Konsequenzen gegen die Heimleitung.

sr

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