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Zu vier Jahren Gefängnis wurde Heinz G. (58) verurteilt. Er hatte drei Seniorinnen im Planegger Altenheim sexuell missbraucht.

Sexueller Missbrauch im Altenheim

Pflegehelfer muss vier Jahre hinter Gitter

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Pflegehelfer Heinz G. muss ins Gefängnis. Das Landgericht München verurteilte ihn wegen des sexuellen Missbrauchs von Seniorinnen im Planegger Altenheim zu vier Jahren Haft.

Planegg/München –Seine Mütze drehte er mit dem Schild nach hinten. Dann hob Heinz G. (58) einen Aktenordner vor sein Gesicht. Aber es half nichts: Vor dem Saal A 208 des Münchner Landgerichts warteten die Fotografen, als der Pflegehelfer nach Prozessende in Handschellen abgeführt wurde. Verstecken konnte er sich nicht mehr. Zu groß war der Skandal, den Heinz G. im Altenheim in Planegg ausgelöst hat: Drei wehrlose Seniorinnen hatte er dort teilweise entkleidet, begrapscht und sexuell missbraucht. Für diese Taten muss der Pflegehelfer jetzt ins Gefängnis: Das Landgericht verurteilte ihn zu vier Jahren Haft. Zudem darf Heinz G. seinen Beruf fünf Jahre lang nicht mehr ausüben.

In der Urteilsbegründung zeichnete Richterin Sigrun Broßardt die Missbrauchsfälle detailliert nach und rügte den Missbrauch. „Ihnen war bewusst, dass Ihre Opfer widerstandsunfähig waren“, sagte die Vorsitzende gestern in der Verhandlung. „Sie haben das Vertrauen Ihres Arbeitgebers und der Angehörigen schändlich missbraucht. Das kann nicht toleriert werden.“

Mit gepacktem Koffer hat er sich der Polizei gestellt

Von September 2009 bis Januar 2016 hatte Heinz G. im Planegger Pflegeheim gearbeitet und dort kranke, oft demente Menschen betreut. An drei Bewohnerinnen verging er sich während der Arbeit sexuell und gestand die Taten später sogar selbst ein. „Mit einem gepackten Koffer haben Sie sich bei der Polizei gestellt – ganz ohne Anwalt. Das sucht seinesgleichen“, sagte die Vorsitzende. Sie nahm Heinz G. dessen Geständnis voll ab: „Sie bereuen Ihre Taten und tragen die volle Verantwortung.“

Die schockierenden Vorwürfe aus der Anklageschrift hatte Heinz G. bereits zum Prozessauftakt gestanden. „Es ist zutreffend“, sagt er mit hängendem Kopf. Er gab zu, sich an drei Frauen mindestens vier Mal vergangen zu haben. „Ich kann mich der Schuld nicht freisprechen. Ich kann nur sagen, dass ich die Taten bereue und mit allen Konsequenzen dafür geradestehen werde.“ Nur einen der vier angeklagten Fälle hätte man dem Pfleger wohl ohne seine Angaben nachweisen können. So aber wurde er wegen dreifachen schweren sexuellen Missbrauchs verurteilt.

Laut Urteil habe es sich um „spontane Taten“ gehandelt, die Heinz G. ehrlich bereue. Richterin Sigrun Broßhardt sagte: „Sie sind kein Sex-Monster, wie es in den Medien hieß.“ Den missbrauchten Frauen sowie ihren Angehörigen hat Heinz G. allerdings unfassbaren Schaden zugefügt – wie auch der gesamten Pflegebranche. Nach einem Jahr in Untersuchungshaft bleibt Heinz G. nun hinter Gittern. Er wurde nach dem Prozess in Handschellen abgeführt. Vier Jahre Haft hatte Verteidiger Uwe Paschertz bereits in seinem Plädoyer gefordert. „Die Reue meines Mandanten ist gewürdigt worden“, sagte er.

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