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Hat viel zu erzählen: Taxifahrer Kurt Winkler von „Atlas Taxi“ in Martinsried. 

Was Taxler alles erleben

Würmtaler Taxifahrer packt über Fahrgäste aus - mit dabei: Justin Timberlake und eine tote Katze

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Würmtaler Taxifahrer werden vor allem von älteren Leuten gerufen. Doch auf ihren Fahrten passiert oft auch Kurioses und Seltsames. 

Planegg– Vor einigen Jahren war Kurt Winkler in Martinsried mit einem Fahrgast unterwegs, als er von der Polizei angehalten wurde. „Es hatte kurz vorher in Martinsried einen Banküberfall gegeben, was ich nicht mitbekommen hatte“, erzählt Winkler. Die Beamten forderten Winkler auf, auszusteigen, und durchsuchten das Taxi, „worüber ich mich natürlich gewundert habe“, erzählt Winkler. Der Grund für die Kontrolle: Die Kleidung des flüchtigen Bankräubers war mit Jeans und Lederjacke angegeben – die gleichen Sachen, die Winkler an dem Tag trug. „Die Polizisten hatten daher vermutet, ich sei der Bankräuber.“ Als sich der Irrtum klärte, entschuldigten sich die Beamten.

Seit 16 Jahren arbeitet Kurt Winkler (62) beim Planegger Taxi-Unternehmen „Atlas Taxi“, davor war er bereits einige Jahre in München tätig gewesen. Winkler ist heute hauptsächlich unter der Woche von etwa sechs Uhr morgens bis nachmittags in Gräfelfing, Planegg, Krailling und Neuried unterwegs. „Die Geschäftsfahrten haben stark abgenommen, heute sind es rund 80 Prozent Privatfahrten“, erzählt der Taxifahrer. Vor allem ältere Würmtaler fahren mit. Die Mehrheit der Fahrten sind Kurzstrecken innerhalb des Würmtals, „die sich auch wirtschaftlich mehr lohnen, weil man nicht so lange Leer-Rückfahrten wie etwa vom Flughafen hat“. Rund acht bis zehn Fahrten hat der Münchner an einem Tag. Darunter viele Stammgäste – und immer wieder Prominente.

Fahrt zum Mandarin Oriental Hotel

Eines Tages stieg am Flughafen ein junger Mann mit Pudelmütze und Sonnenbrille bei Winkler ein. „Er sagte auf Englisch, er wolle zum Mandarin Oriental Hotel“, erzählt Winkler. Während der Fahrt sprach er nicht mit Winkler, sagte aber ständig den aktuellen Standort in sein Handy. „Ich dachte mir, das muss jemand Prominentes sein, hatte aber keine Ahnung, wer“, erzählt Winkler. „Vor dem Hotel standen sieben bis acht Bodyguards, die mir sagten, ich solle sofort weiterfahren, aber ich wollte natürlich zuerst kassieren.“ Abends beim Gespräch mit Kollegen kam heraus, wer der Fahrgast war: US-Sänger Justin Timberlake. „Auch Elmar Wepper, Ulrich Wilhelm und Uschi Obermaier habe ich schon gefahren“, erzählt Winkler. Lisa Fitz fuhr er zehn Jahre regelmäßig und „zu DJ Ötzi habe ich gesagt: Sie kommen mir bekannt vor, worauf er antwortete, dass er seine Mütze nicht aufhat.“

Frau mit Plastiktüte mit Schaufel

Auch sonst gibt es immer wieder besondere Fahrgäste: Eine Frau stieg einmal mit einer Plastiktüte ein, aus der der Stil einer Schaufel ragte. Im Laufe der Fahrt stellte sich heraus, dass sie ihre kürzlich gestorbene Katze holen wollte, die bei ihrem Ex-Freund im Garten vergraben war. Die Frau wollte die Katze nun im Münchner Agricola-Park beerdigen. Nach erstem Zögern erklärte sich Winkler bereit, das tote Tier zu transportieren. „Beim Park angekommen, ging die Dame hinter die Park-Mauer und begann zu graben. Es war wie bei Hitchcock, denn es war Nacht, Vollmond und man hörte die Grab-Geräusche“, erzählt Winkler. Die Frau hatte ihn sogar gebeten, bei der Beerdigung mitzuhelfen, was er aber ablehnte.

In einer anderen Nacht bemerkte Winkler zwischen Krailling und Gauting, dass ihn ein Polizeiwagen hinter ihm zum Anhalten aufforderte. „Plötzlich blieb vor mir ein BMW quer über die Fahrbahn stehen, sodass ich sofort bremsen musste. Die Polizisten kamen mit gezückter Pistole auf mein Taxi zu“, erzählt Winkler. „Die Beamten fragten dann, ob es mir gut gehe. Als ich bejahte, ob das wirklich stimme.“ Winkler hatte aus Versehen die LED-Anzeige oben am Auto blinken lassen. Dies gilt als Taxi-Notsignal.

Im Laufe der 16 Jahre im Würmtal „haben sich die Leute verändert, viele sind bestimmender und stellen vieles infrage, etwa den richtigen Weg“. Das Trinkgeld ist ganz unterschiedlich. „Asiaten und Franzosen geben zum Beispiel nie etwas.“ Einmal bekam Winkler für eine Fahrt über 5,10 Euro einige Meter ab der Wolfart-Klinik sogar 100 Euro Trinkgeld. Der Vater war so froh, dass seine Tochter sicher zu Hause war. „Wichtig ist mir, dass Taxifahren ein Service ist. Ich möchte den Leuten etwa beim Koffer einräumen helfen“, sagt Winkler. „Wenn man so unterwegs ist, hat man viele nette Erlebnisse.“

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