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Bauherr ist die Gemeinde, doch im März unterschrieben Bürgermeister Heinrich Hofmann (r.) und PMG-Geschäftsführer Dimitri Steinke einen Vertrag, der alle Aufgaben an die PMG übertrug. 

U-Bahnverlängerung nach Martinsried

Tunnel-Spatenstich frühestens 2020

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Die U-Bahn verspätet sich. Der Spatenstich für die Fortsetzung der Linie U6 bis nach Martinsried sollte bis Oktober über die Bühne gehen, sonst erlischt die Baugenehmigung. Nun hat die Gemeinde Planegg eine Verlängerung der Frist beantragt.

Planegg– Im Herbst 2013 gab die Regierung von Oberbayern grünes Licht für den U-Bahnbau. Der Planfeststellungsbeschluss ist fünf Jahre gültig. Wenn in dieser Zeit nicht mit dem Bau begonnen wird, muss ein neues Verfahren angestrengt werden. Am 23. Mai dieses Jahres beantragte die Gemeinde Planegg als Bauherr des U-Bahn-Projekts eine Verlängerung des Planfeststellungsbeschlusses über den Stichtag hinaus. „Wir haben die Gründe dargelegt, warum noch keine Bautätigkeit stattgefunden hat, und Nachweise erbracht, dass wir tätig sind“, sagt Stefan Schaudig, Geschäftsleiter der Gemeinde Planegg. Nun wartet man auf Antwort. Gespräche mit der Regierung und der bisherige Schriftverkehr stimmen Schaudig optimistisch. „Es sieht schon so aus, dass wir die Verlängerung bekommen.“

Dass der Tunnelbau zwischen Martinsried und Großhadern nicht beginnen kann, liegt hauptsächlich an dem Stillstand in den Jahren nach dem Planfeststellungsbeschluss. Erst seit vergangenen Oktober steht fest, dass die Verlängerung der U6 kommt. Damals genehmigten die Planegger Gemeinderäte in einer Sondersitzung die entsprechenden Verträge mit dem Freistaat, der 95 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten übernimmt, und dem Landkreis, der zwei Drittel des Restes schultert. Bis zu dieser Sitzung wurden die Planungen nicht vorangetrieben, die Bauvorschriften, etwa im Brandschutz, änderten sich aber in vielen Bereichen. „Wenn wir so bauen würden, wie es damals genehmigt wurde, würden wir keine Betriebsgenehmigung erhalten“, sagt Schaudig. „Die vorhandene Planung muss überarbeitet und noch einmal als Tektur eingereicht werden.“ Doch dafür fehlt es augenblicklich noch an den Planern.

Bürgermeister Heinrich Hofmann unterschrieb Anfang März dieses Jahres einen Vertrag, in dem sämtliche Aufgaben im Zusammenhang mit dem U-Bahn-Projekt an die U-Bahn Martinsried Projektmanagement GmbH & Co.KG (PMG) übertragen wurden. Die Gesellschaft, deren Geschäftsführer Dimitri Steinke vom Freistaat bestellt wurde, liefert das Bauwerk schlüsselfertig und betriebsbereit. Steinke, promovierter Steuerrechtler, war zuvor in der Staatskanzlei zuständig sowohl für den Finanzsektor als auch fürs Ministerium des Innern und damit für Bau und Verkehr. Der Geschäftsführer musste die Gesellschaft zum Laufen bringen, Räume finden und Mitarbeiter einstellen.

Im Augenblick bereitet die PMG die europaweite Ausschreibung des Projektsteuerers vor, der die technische Seite des Projekts übernimmt. Planeggs Geschäftsleiter Schaudig rechnet damit, dass das Ingenieurbüro Anfang nächsten Jahres feststeht. Der Projektsteuerer und die PMG schreiben dann die einzelnen Fachplaner aus, ebenfalls zum größten Teil europaweit. „Das wird sich hinziehen, bis alle an Bord sind“, sagt Schaudig. Zumal europaweite Ausschreibungen aufwendiger seien als auf nationaler Ebene und längere Fristen hätten. „Die PMG leistet Arbeit, die man nach außen nicht sichtbar machen kann. Sie bereitet Wege vor, damit, sobald die Planer bestellt sind, alles reibungslos läuft“, sagt Schaudig. Ein Spatenstich fürs eigentliche U-Bahn-Bauwerk sei „frühestens 2020“ realistisch.

Inzwischen wird vorgezogen, was möglich ist. Etwa der Bau des Parkdecks an der künftigen U-Bahnhaltestelle Martinsried, der ebenfalls Bestandteil des Planfeststellungsbeschlusses ist. Da das Deck mit dem Tunnelbauwerk nichts zu tun hat, können die Arbeiten unabhängig davon beginnen. „Wir wollen das zeitlich entkoppeln und als separate Maßnahme sehen“, sagt Schaudig. Das Parkdeck könnte die Rettung sein, sollte die Regierung von Oberbayern eine Verlängerung der Baugenehmigung ablehnen. Das Bauwerk soll über einem bestehenden Parkplatz errichtet werden. Während der Arbeiten ist ein Ersatzparkplatz notwendig, der auf einem Grundstück des Freistaats am Klopferspitz unterkommt. Der könnte laut Schaudig als „allerletzter Notnagel“ auf die Schnelle bis Oktober realisiert werden.

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