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Zwischen Lena-Christ-Straße und dem Campus (im Hintergrund) soll die Martinsrieder U-Bahn-Haltestelle entstehen. Bürgermeister Heinrich Hofmann beschäftigt sich seit seinem Amtsantritt im Dezember 2014 mit dem Thema.

U-Bahn-Verlängerung nach Martinsried

Sondersitzung mit Vorgeschichte

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Der Planegger Gemeinderat fasst am Mittwoch, 25. Oktober, in einer Sondersitzung einen Grundsatzbeschluss zur Verlängerung der U6 nach Martinsried. Die Idee dazu hatte vor drei Jahrzehnten ein Student aus Krailling.

Planegg– Die U6 fährt noch nicht mal zum Klinikum Großhadern, da will Christian Finkensieper sie bereits weiter nach Westen verlängern. Der Kraillinger BWL-Student liest sich Fachwissen an und spricht mit Mitarbeitern des U-Bahnreferats. Sein Ziel ist eine Fortführung der Linie bis zum Planegger S-Bahnhof, mit Haltestellen in Martinsried und am Feodor-Lynen-Gymnasium. Im Juni 1990 versorgt er Kommunalpolitiker aus allen Würmtalgemeinden sowie Germering mit einer 17-seitigen Informationsschrift, in der er die Kosten für den Bau auf 200 Millionen Mark (102 Millionen Euro) beziffert.

Anfang 1992 scheint das, was bisher ins Reich der Utopie gehörte, realistischer zu werden. Planeggs damaliger Bürgermeister Alfred Pfeiffer berichtet von Gesprächen mit Vertretern des Münchner U-Bahnreferates. Eine Verlängerung der U6 zumindest bis zu einer Grünfläche zwischen Fraunhofer- und Röntgenstraße in Martinsried sei in wenigen Jahren machbar. Ein erster Vorentwurf wird erarbeitet. Ein Jahr später, im Februar 1993, beauftragt der Gemeinderat die Verwaltung, das Projekt U-Bahnbau von Großhadern nach Martinsried voranzutreiben. Die 1,6 Kilometer Gleise werden auf 135 Millionen Mark taxiert, knapp 70 Millionen Euro.

Die U-Bahn-Strecke wird im Laufe der Jahre noch einmal kürzer, schließlich soll sie am Campus östlich der Lena-Christ-Straße enden, der Tunnel vom Klinikum Großhadern aus um rund einen Kilometer lang verlängert werden. Die Begeisterung des Landkreises, sich zu beteiligen, ist mäßig. Im April 1999 erklärt CSU-Landrat Heiner Janik auf einer Bürgerversammlung im Planegg, dass man mitnichten die U-Bahn nach Martinsried so finanzieren werde wie das Stück nach Garching. Die Gemeinde solle sich mit dem Freistaat über die Folgekosten einigen.

Im November 2000 nimmt die damalige Bürgermeister Ulrike Höfer offiziell Verhandlungen mit dem Münchner Baureferat auf. Im Gespräch ist damals eine Bannwald-Rodung im Fürstenrieder Wald zugunsten eines Biotechnologie-Gewerbegebiets. Höfer will ihre Zustimmung abhängig machen von der Zusage des Freistaates, die U-Bahn ohne die übliche Kostenbeteiligung der Gemeinde zu bauen.

Der Eingriff in den Bannwald findet nicht statt, auch dank engagierter Gegenwehr der Bürger, die U-Bahn bleibt Thema. Um ihre Verwirklichung zu forcieren fordert die Grüne Gruppe 21 im Oktober 2005, die erste Stufe der Detailplanung in Auftrag zu geben. Dass es dringend nötig sei, Martinsried, respektive die Universität, an das Schienennetz anzuschließen, könne man täglich an den überfüllten Bussen sehen. Zudem sei nicht zu erwarten, dass die Stadt München oder der Freistaat aktiv würden. Die Gemeinde müsse den ersten Schritt machen. Der Antrag wird angenommen. Anfang 2008 ergibt ein geologisches Gutachten, dass der U-Bahn-Bau zumindest technisch kein Problem sei. Nach Abschluss der Vorplanung ist von 65 Millionen Euro die Rede. Lothar Eicher vom Münchner Baureferat spricht davon, dass 2014 die ersten Züge fahren könnten.

Die Frage nach der Trägerschaft stellt sich. Im April 2009 verständigt sich der Gemeinderat darauf, dass Planegg als Bauherr auftritt. Drei Monate später beschließt der Kreistag, sich sowohl an den Kosten für den Bau als auch an den Betriebskosten zu beteiligen. Planeggs Bürgermeisterin Annemarie Detsch zeigt sich überglücklich und bemüht sich nun um eine Streckengenehmigung bei der Regierung von Oberbayern. Zweieinhalb Jahre später droht sie dem Freistaat mit dem Ende des Millionen-Projekts. Der Planegger Anteil an den Nachfolge- und Ersatzinvestitionen sei zu groß. Der Freistaat gibt nach und einigt sich mit der Gemeinde und dem Landkreis auf die Eckpunkte des Bau- und Finanzierungsvertrags.

Im Herbst 2013 gib die Regierung von Oberbayern grünes Licht für die U-Bahn-Verlängerung. In Planegg spricht man von einem „Meilenstein“. Der Planfeststellungsbeschluss ist fünf Jahre gültig. „Es war klar, dass er im September 2018 ausläuft, wenn es bis dahin keine Bautätigkeit gibt“, sagt Heinrich Hofmann, der nach dem Tod Detschs im September 2014 zu ihrem Nachfolger gewählt wird. Wenige Tage bevor er im Dezember die Amtsgeschäfte aufnimmt, stimmt der Kreistag der U-Bahn-Verlängerung nach Martinsried zu. Der Vorschlag, eine „Projektmanagement GmbH und Co. KG“ zu gründen, hat den Durchbruch in den festgefahrenen Verhandlungen gebracht. Von den zuwendungsfähigen Baukosten werden Bund und Freistaat 95 Prozent bezahlen. Den Rest teilen sich Kreis und Gemeinde. Ein mögliches Betriebskostendefizit übernimmt der Kreis komplett.

Doch es sind noch Fragen offen, deren Klärung sich zieht. Die Zeit drängt, der Planfeststellungsbeschluss ist bis September 2018 terminiert. Im August 2017 lädt Landrat Christoph Göbel die beteiligten Parteien zu einem Gespräch ein. Man einigt sich endlich in allen strittigen Punkten. Die Kosten dürften inzwischen eher bei 100 Millionen Euro liegen.

Stimmt der Planegger Gemeinderat am Mittwoch zu, steht einem Spatenstich 2018 nichts mehr im Wege. 

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