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Steine des Anstoßes: Auch Lauren Goshen aus Gräfelfing findet diese Ausbauweise der Großhaderner Straße auf dem Uni-Campus wenig fahrradfreundlich. 

Uni-Campus

Rüttelstrecke bremst Radfahrer aus

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Planegg– 21 Planegger Gemeinderäte haben einen Brief an das Bauamt der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) geschrieben. Sie kritisieren die Verwendung von Großsteinpflaster bei der Neugestaltung der Großhaderner Straße. „Ich ärger mich jeden Tag, wenn ich mit dem Fahrrad drüber fahre“, sagt Initiator Herbert Stepp (Grüne Gruppe 21). Er und seine Mitstreiter fordern, das Pflaster durch gesägte Steine oder Platten zu ersetzen.

Die Großhaderner Straße war einst als Ortsverbindungsstraße klassifiziert. Sie führt heute mitten durch den Universitätscampus, vorbei an Labors, Hörsälen und Mensa. In einem städtebaulichen Vertrag, der im Zuge der Ansiedlung der LMU zwischen Planegg und dem Freistaat geschlossen wurde, ist ihre Auflassung festgelegt. Aus der Durchgangsstraße wurde 2013 ein Geh- und Radweg, der in die Zuständigkeit des LMU-Bauamtes fällt. Studenten nutzen ihn, um zu den Unigebäuden zu gelangen und Martinsrieder, um rasch per Rad Großhadern und die U-Bahnstation am dortigen Klinikum zu erreichen. Außerdem ist dort Lieferverkehr erlaubt. Das Ganze fällt in die Kategorie „Shared Space“, gemeinsam genutzter Raum also.

Im Zuge des Baus des Biomedizinischen Zentrums, das im Oktober 2015 eingeweiht wurde, wurde die Großhaderner Straße neu gestaltet. Die Asphaltbahn ist 2,7 Meter breit, rechts und links verlaufen Bänder aus Großsteinpflaster, ein gut 20 Meter langes Teilstück besteht komplett aus Großsteinpflaster. Fahrradfahrer werden beim Überqueren durchgerüttelt.

„Das ist eine Fehlplanung, die haben einfach nicht an Radfahrer gedacht“, sagt Stepp. Die Großhaderner Straße sei für die Martinsrieder „die wichtigste, weil kürzeste Verbindung in den Münchner Westen“, so Stepp. Da der Physiker wegen der Rüttelei um sein Laptop fürchtet, hat er es inzwischen mit einem Solid-State-Drive ausgerüstet, der Erschütterungen besser verträgt als herkömmliche Festplatten.

Stepp und seine Ratskollegen wurden schon bald nach Abschluss der Arbeiten an der Großhaderner Straße aktiv. Im April vergangenen Jahres nahm das Baureferat der LMU Stellung zur Gestaltung mit Großsteinpflaster. Dessen Zweck sei, den Rad- und Lieferverkehr zu verlangsamen. „Der Belag soll insbesondere Fahrradfahrer zum Abbremsen bewegen, damit sie nicht mit Fußgängern zusammenstoßen“, sagt Katrin Gröschel, stellvertretende Leiterin der Abteilung Kommunikation und Presse der LMU. Im vergangenen Jahr habe es zudem einen Ortstermin mit Vertretern der Gemeinde und der Bayerischen Architektenkammer gegeben. Von den Fachleuten sei bestätigt worden, „dass die Ausführung des Straßenbelags den Anforderungen an einen Shared Space – auch in Hinblick auf Barrierefreiheit – gerecht wird“, so Gröschel. Das bezweifelt Stepp, der selbst schon von einem Martinsrieder Bürger angesprochen wurde, der versucht hatte, einen Rollstuhl über das Pflaster zu schieben.

Aus eigener Erfahrung weiß Stepp, dass Radfahrer auf Pflaster eher schneller fahren. „Das reduziert nämlich den Rütteleffekt, zumindest bei Nutzung eines Mountainbikes.“ Oder der Radfahrer weiche auf den Sandbelag seitlich der Pflastersteine aus. Dass Lieferwagen ihre Geschwindigkeit reduzieren müssen, hält Stepp nur für bedingt nachvollziehbar. „Durch die beschrankte Zufahrt und die schmale Fahrbahn sollte dieser Effekt ausreichend erzielt sein.“

Auch zur Sicherheit allgemein macht Stepp täglich seine Beobachtungen: „Wenn der in Stoßzeiten fünfminütig fahrende Bus an der Haltestelle am Klopferspitz hält, verlassen bis zu 50 Personen den Bus und gehen als Pulk auf das Uni-Gelände. Alles drängt sich auf dem Asphaltstreifen. Entgegenkommende Radfahrer müssen extrem bremsbereit sein oder auf das Großsteinpflaster ausweichen, was sie aber nur tun, wenn es die Situation erzwingt, also in der Regel eher unvermittelt.“ Dem Brief an das Bauamt liegen mehrere Fotos bei, die die Situation dokumentieren. Außerdem verweisen die Räte darauf, dass Planegg Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen ist und sich „in seinem ganzen Gemeindebereich bemüht, den Radverkehr zu fördern und auszubauen“. Sie wären dankbar, „wenn auch die Großhaderner Straße wieder fahrradfreundlicher gestaltet werden könnte“. Die LMU will laut Gröschel die Hinweise prüfen und dann entscheiden, „ob an der Straßenpflasterung etwas geändert werden soll. Das Ziel, den Fahrradverkehr zum Schutz vor Zusammenstößen mit Fußgängern zu entschleunigen, bleibt dabei aber weiterhin bestehen.“

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