Heide-Volm nach Abriss Festsaal
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Der Festsaal ist abgerissen: Die Zukunft des Volm-Grundstücks östlich des Planegger Bahnhofs ist ungewisser denn je. Die Familie will die 1,3 Hektar verkaufen, die Gemeinde ist an einem Erwerb interessiert und hat sich das Vorkaufsrecht gesichert.

Nach Aus für Heide-Volm

Grundstückskauf: Gespräche haben begonnen

  • Nicole Kalenda
    vonNicole Kalenda
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Die Verhandlungen haben begonnen: Planeggs Bürgermeister Hermann Nafziger führte ein erstes Gespräch über den Kauf des Heide-Volm-Grundstücks. Beide Seiten vereinbarten Stillschweigen. Die Planungen fürs Bahnhofsareal ruhen, bis eine Entscheidung gefallen ist.

Planegg – „Wir reden miteinander, und das finde ich positiv“, so Nafziger auf Merkur-Anfrage. „Allen Beteiligten ist daran gelegen, dass wir vorankommen.“ Ende März beschloss der Gemeinderat einstimmig, eine Vorkaufssatzung für die 13 000 Quadratmeter große Fläche auf der Südseite des Bahnhofsplatzes zu erlassen. Die Eigentümer-Familie Heide hatte zuvor nicht nur das Ende ihres Wirtshauses mit Biergarten Heide-Volm erklärt, sondern auch ihre Verkaufsabsicht geäußert.

Die Gemeinde möchte den Grund, um freie Hand bei der städtebaulichen Entwicklung des Bahnhofsumfeldes zu haben. Sollten Heides sich mit einem Investor einig werden, hätte Planegg das Recht, ihn zu den zwischen den Parteien ausgehandelten Bedingungen zu erwerben. Einfacher wäre, direkt an die Gemeinde zu verkaufen.

Zäsur im Planungsprozess

Die Entscheidung, sich nach 90 Jahren in Familienbesitz von dem Grundstück zu trennen, bedeutet eine Zäsur im vor Jahrzehnten angestoßenen Planungsprozess für die Flächen östlich des Bahnhofs. 2010 fand ein erster städtebaulicher Wettbewerb statt, 2015 folgte ein zweiter, interkommunaler Ideenwettbewerb in Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde Krailling und 2018 ein Fassadenwettbewerb. In all den Jahren war Rücksicht zu nehmen auf die Interessen der Heides. So war es nicht möglich, einen Teil des zum Heide-Volm gehörigen Parkplatzes für das parallel zu den Gleisen geplante Bike&Ride-Gebäude zu bekommen.

Der Bebauungsplan für diesen Teilbereich befindet sich auf der Zielgeraden, die Baugesellschaft München-Land soll das Gebäude mit Fahrradabstellplätzen und Wohnungen errichten. Beschlossene Sache ist, dass dort Planeggs erstes vollautomatisches WC hinkommt. Nun ist alles wieder offen, denn mit dem Aus fürs Wirtshaus gibt es keinen Grund mehr, den Parkplatz zu erhalten. „Wenn wir anders planen können, weil die Grundstücksverhältnisse anders sind, müssen wir das Bike&Ride-Gebäude nicht mehr direkt an die Bahn pressen“, so Nafziger. Auch der aktuell notwendige „relativ aufwendige Schallschutz zur Bahn und nach vorne hin“ könnte neu überdacht werden.

Auch Supermarkt-Projekt ruht

Die Gemeinde verhandelte lange Jahre mit Heides über deren Absichten für die Fläche, wo bis vor Kurzem der inzwischen abgerissene Festsaal stand. Zuletzt sollte dort ein Supermarkt mit Wohnungen darüber entstehen. Der vorhabenbezogene Bebauungsplan ist weit gediehen, parallel stand demnächst der Abschluss eines Durchführungsvertrags an. Nun passiert da erst einmal gar nichts. Dabei sollte der Supermarkt eigentlich stehen, bevor die Arbeiten auf der Nordseite des Bahnhofsumfeldes beginnen.

Dort erwarb die Gemeinde in den vergangenen Jahren kontinuierlich Grundstücke, unter anderem 2007 den Gasthof zur Eiche, der 2018 abgerissen wurde. Bis zur Germeringer Straße zieht sich die Fläche in kommunaler Hand, 50 bis 60 Wohnungen könnten dort entstehen. Nach Gemeinderatsbeschluss von 2018 soll das Areal überwiegend in eigener Hand verbleiben. Ein Bebauungsplan für diesen Teil des Bahnhofsumfeldes ist noch nicht auf den Weg gebracht. Der Gemeinderat muss zunächst konkrete Ziele definieren.

Gemeinde muss refinanzieren

Im Februar vergangenen Jahres bezifferte das Bauamt die Ausgaben, die der Gemeinde bis dahin für die Neuordnung des Bahnhofsareals entstanden waren, auf 6,8 Millionen Euro. Beim Kauf des Heide-Volm-Grundstücks käme ein zweistelliger Millionenbetrag hinzu. „Natürlich müssten wir zumindest einen Großteil refinanzieren“, sagt Nafziger. „Aber wir müssen nicht so komplett wirtschaftlich planen wie ein privater Investor.“

Dass die drei Wettbewerbe und die unzähligen Stunden, die Bauamt und externe Planer in die Entwicklung des Bahnhofsumfeldes gesteckt haben, vergebens waren, befürchtet Nafziger nicht. „Das war ein Prozess, in dem die Gemeinde viel gelernt hat, auch was die Bürgerbeteiligung angeht.“ Auf vieles werde man zurückgreifen können. „Ich glaube nicht, dass alles umsonst war.“

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