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Endstation: Die U 6 fährt weiterhin nur bis zum Klinikum Großhadern – und das für nicht absehbare Zeit.

U-Bahn-Verlängerung nach Martinsried

U6-Verlängerung nach Martinsried: Spatenstich im Wahlkampfjahr?

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Für die Verzögerungen beim Anschluss des Martinsrieder Campus an die U-Bahn gibt es offenbar andere Gründe als das Arbeitstempo der Genehmigungsbehörden. Das zumindest deutet Planeggs Bürgermeister Heinrich Hofmann an.

Planegg – Bürgermeister Heinrich Hofmann rechnet damit, dass die Baukosten für die Verlängerung der U 6 vom Klinikum Großhadern die ursprüngliche Kalkulation deutlich übertreffen werden. In einem Pressegespräch sagte er, man werde durch die zeitliche Verzögerung insgesamt wohl sicher bei 100 Millionen Euro liegen. Dies könnte eventuell eine erneute Abstimmung über das Projekt im Kreistag des Landkreises nötig machen.

Die Baukosten werden laut bisherigen Vereinbarungen zwar zum größten Teil vom Freistaat Bayern getragen, der ein Interesse an der Anbindung des LMU-Campus und der benachbarten Forschungseinrichtungen hat. Aber auch der Landkreis und die Gemeinde sollen einen Anteil tragen. Als der Kreistag Ende 2014 grünes Licht für das Projekt gegeben hatte, war man noch von 73 Millionen Euro ausgegangen. Eine genaue Berechnung lag aber auch damals noch nicht vor. Und auch zusätzliche Kostenfaktoren wie etwa eine Entsorgung von Bodenaltlasten war damals noch gar nicht berücksichtigt.

Die Gemeinde Planegg trägt dabei die kleinste Last. Eine Steigerung der Baukosten würde sich für sie daher nicht so gravierend auswirken. Allerdings gibt es auch für Planegg wohl immer noch einige Fragezeichen im Hinblick auf die Finanzierung des Projekts. Sie soll nach der Errichtung Eigentümerin der baulichen Anlagen werden und die dann an die Betreiber der U-Bahn-Linie verpachten. Mit der Pachteinnahme sollen die Anlagen langfristig in Schuss gehalten werden. Doch wie hoch die Pacht sein wird, steht laut Hofmann bislang nicht fest. Im Vorjahr hatte er erstmals angedeutet, dass es mehr Unklarheiten gibt, als nur die ausstehende steuerrechtliche Prüfung des Geschäftsmodells für den U-Bahn-Betrieb durch die Finanzbehörden. Es gelte erst, die langfristigen finanziellen Risiken zu klären, die eventuell auf die Gemeinde zukommen.

Ein weiterer Aspekt, der bei Informationen über den Sachstand von der Gemeinde stets ausgeklammert wurde, ist die offenbar ausstehende Einigung mit dem Innovations- und Gründerzentrums für Biotechnologie (IZB), über dessen Grundstück die Trasse laufen soll. Am IZB ist der Freistaat maßgeblich beteiligt.

Hofmann sagte jetzt, er habe diesbezüglich einen Brief an das Finanzministerium geschrieben. Das habe die Angelegenheit an den Wirtschaftsminister delegiert. Und der sitzt im Aufsichtsrat des IZB, welcher die Einigung absegnen muss. Dass dies noch nicht passiert ist, deutet darauf hin, dass die Gründe für die Verzögerungen beim Projekt U-Bahn-Bau eine Folge taktischer Überlegungen auf höherer Ebene sein könnten. Hofmann deutete an, dass der entscheidende Durchbruch letztlich nicht von der Arbeitsgeschwindigkeit der Finanzbehörden abhängen könnte, wie es Gemeinde und Landkreis bisher immer betont hatten.

Genau darin sieht Hofmann aber Anlass zum grundsätzlichen Optimismus. Er glaube, dass ein symbolischer Spatenstich für ein so prestigeträchtiges Projekt wie die Campus-Anbindung Ministerpräsident Horst Seehofer, „der ja nun doch noch mal wiedergewählt werden will“, gut in das Wahlkampfjahr 2018 passen würde.

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