Küchenchef, Reservierungschefin, Personalchefin und Wirt: Pascal Heide-Nigg mit Frau Daniela Heide und deren Eltern Renate und Georg Heide (v.l.).
1 von 4
Küchenchef, Reservierungschefin, Personalchefin und Wirt: Pascal Heide-Nigg mit Frau Daniela Heide und deren Eltern Renate und Georg Heide (v.l.).
Daniela Heide 1987 auf einem Brauereiross
2 von 4
Daniela Heide 1987 auf einem Brauereiross
Vielseitig begabt: Daniela Heide 2007 als Dirigentin beim Standkonzert.
3 von 4
Vielseitig begabt: Daniela Heide 2007 als Dirigentin beim Standkonzert.
Anprobe des Kostüms des Münchner Kindls: Daniela Heide im Jahr 2001.
4 von 4
Anprobe des Kostüms des Münchner Kindls: Daniela Heide im Jahr 2001.

Oktoberfest 2017 bei den Heides

Die Wiesn bleibt Familiensache

  • schließen

In einer Woche beginnt für die Planegger Wirtsfamilie Heide wieder die schönste Zeit des Jahres. In ihrer Bräurosl stehen heuer zwar keine großen Neuerungen an, doch so langsam zeichnet sich ein Generationswechsel ab.

Planegg – Im vergangenen Jahr feierte Georg Heide seine 50. Wiesn. 1967 hatte er erstmals mitgearbeitet im Familienbetrieb auf dem Oktoberfest. Später wurde er selbst Wirt der Bräurosl. Jetzt, mit 64 Jahren, denkt er langsam ans Aufhören. Und die nächste Generation der Planegger Wirtsfamilie steht auch schon bereit. Aber der gefällt der Gedanke noch nicht so richtig, dass sich im Gefüge schon jetzt etwas ändern soll.

Daniela Heide, die Tochter von Georg und Renate Heide, kennt das Oktoberfest von Kindesbeinen an. Die Wiesn ist bei den Heides Familientradition. Schon der Urgroßvater betrieb ein Festzelt auf der Theresienwiese. Das Geschäft ging an ihren Großvater Willy und dann an ihren Vater Georg Heide über. Und sie wird, sollte nichts Unvorhergesehenes passieren, die Tradition fortsetzen. Für sie sind die zwei Wochen im Herbst „eine ganz eigene Welt“.

Die Stadt sei dann in Aufruhr, alle Beteiligten wollten gemeinsam ein Fest veranstalten, sagt Daniela Heide, „das einzigartig in der Welt ist“. Ein Teil davon zu sein, das genießt sie. Schon als Kind saß sie auf den schweren, gutmütigen Brauereirössern, die die Bierkutschen ziehen. 2001 und 2002 schlüpfte sie in die Rolle des Münchner Kindls beim Einzug der Wiesnwirte. Sie dirigierte auch schon beim Standkonzert unterhalb der Bavaria. Und noch immer versprüht Daniela Heide eine beinahe kindliche Freude, wenn sie von all den schönen Erlebnissen erzählt, die sie mit dem Volksfest verbindet.

Dabei kennt sie es schon lange auch von der anstrengenden Seite. Früh stieg sie ins Geschäft ein. Nur im Dezember, sagt sie, hat man nichts mit der Vor- oder Nachbereitung zu tun. Das restliche Jahr über ist man mit der Wiesn beschäftigt. Die zwei Festwochen selbst sind zudem körperlich herausfordernd. Die langen Tage und die kurzen Nächte fordern ihren Preis. „Jahrelang hat uns eigentlich immer die Grippe erwischt“, sagt sie. Bis die Wirtsfamilie vor ein paar Jahren begann, den Körper mit einer Vitamin-C-Kur vorzubereiten. In den fünf Wochen vor dem ersten Anzapfen gibt es jetzt einmal wöchentlich eine Infusion mit Vitaminen und Mineralstoffen. Seitdem bleibe man von der Grippe verschont. Nach 16, oder wie in diesem Jahr gar 18 Tagen, reiche es dann aber auch erst mal.

Dass sie die gastronomische Tradition der Familie fortsetzen wollte, war Daniela Heide nach der Schule gleich klar. Sie absolvierte eine Kochlehre, denn „die Küche ist eine Schlüsselposition“, sagt sie, „da soll mir keiner was vormachen können.“ Vor 16 Jahren arbeitete die heute 35-Jährige erstmals auf dem Oktoberfest mit. Es folgten eine Management-Fortbildung und eine Tätigkeit im Marketing bei Hacker-Pschorr. Heute ist sie fester Bestandteil des Familienunternehmens, sowohl in der Planegger Gaststätte Heide-Volm als auch in der Bräurosl auf der Wiesn.

Unter anderem sind die Reservierungen ihr Geschäft. Ihr Mann Pascal Heide-Nigg ist der Küchenchef in der Bräurosl. Mutter Renate kümmert sich um die Bedienungen, und Vater Georg gibt den Wirt, wie er bescheiden sagt. Geht es nach ihm, darf seine Tochter diese Rolle bald selbst gerne übernehmen. Wenn sein Arrangement mit der Brauerei in zwei Jahren auslaufe und jemand seiner Tochter einen Vertrag anbiete, könne er guten Gewissens übergeben. Eine Vorstellung, mit der seine Tochter sich aber noch nicht so richtig anfreunden kann.

Ja, sie und ihr Mann würden sich die Rolle als Wiesn-Wirte schon zutrauen, und wenn die Eltern partout nicht wollten, würden sie es schon machen. Aber die Eltern seien mit 63 und 64 Jahren noch keineswegs zu alt. Warum also etwas Funktionierendes verändern? Andererseits hat Daniela Heide schon konkrete Vorstellungen, wie die Bräurosl, die ja einmal ihr Zelt werden dürfte, in Zukunft aussehen könnte.

In diesem Jahr wird es nicht viel Neues geben. Die Speisekarte habe sich bewährt, ein veganes Gericht habe man auch schon auf der Karte. Und in Sachen Sicherheit sei in den letzten Jahren einiges passiert. Neue Eingänge etwa, oder die Kamera-Überwachung, mit deren Hilfe die bis zu 100 Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes dirigiert werden. Auch die Dekoration wird sich bis auf ein paar neue Brüstungen im Biergarten nicht groß ändern.

Doch im kommenden Jahr soll mit der Brauerei für die Inneneinrichtung ein neues Konzept erarbeitet werden. Schöne München-Motive, gedruckt auf große Alu-Dibond-Platten, sollen das Innere der Bräurosl zieren, wenn es nach ihr geht.

Letztlich wird es nur eine Frage der Zeit sein, wann Georg und Renate Heide das Bierzelt-Geschäft an die vierte Generation übergeben. Die veränderten Rahmenbedingungen, etwa die immer ausgefeilteren Sicherheitskonzepte wegen möglicher Terroranschläge, können Daniela Heide die Wiesn nicht verleiden. „Die Stadt hat hier ein gutes Konzept, das wohl auch nötig ist“, findet sie. Und wenn sie am 16. September beim Einzug der Wiesnwirte mit ihrer Familie in der Kutsche durch die Straßen fährt, den Münchnern zuwinkt und sie zurückwinken, dann wird sie wieder „eine Gänsehaut bekommen“. Nur wenn die Wiesn einmal noch länger als 18 Tage dauern sollte, sagt sie, dann würde sie sich überlegen, ob sie das alles wirklich haben muss.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgesehene Fotostrecken

Duelle dicht an dicht
Bayerns beste Tischfußballer haben im Martinsrieder „Happy Billard“ um Meisterehren gekämpft.
Duelle dicht an dicht