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„A friedliche Wies‘n 2018“ steht auf der Kerze mit Antlitz der Gottesmutter, die Renate, Georg und Daniela Heide (v.l.), unterstützt von Wiesn-Mesner Petruß (l.) und Pater Matthäus am Dienstag in Maria Eich entzündeten.

Kerzenweihe in Maria Eich

Wiesn-Wirte bitten um Fürsprache

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Am 26. September 1980 tötete eine Rohrbombe am Haupteingang des Oktoberfestes 13 Menschen, 211 wurden verletzt. Willy Heide rief im Folgejahr einen Brauch ins Leben, der bis heute Bestand hat: Die Festwirte kommen in Maria Eich zusammen und bitten für eine friedliche und sichere Wiesn.

Planegg– Auffallend viele Menschen in Tracht schlendern am Dienstagvormittag von der Planegger Gaststätte Heide-Volm durch die Bahnhofsunterführung zur Wallfahrtskirche Maria Eich. Die Wirtsfamilie Heide, seit 1936 Betreiber der Pschorr-Bräurosl auf dem Oktoberfest, hat wie jedes Jahr seit 1981 im Vorfeld des weltgrößten Volksfestes die Wirte der anderen Festzelte eingeladen, der Segnung der Wiesn-Kerze beizuwohnen.

„Die Kerze hat einen tieferen Sinn. Mein Vater hat sie nach dem Wiesn-Attentat eingeführt“, sagt Georg Heide, der keinerlei Verständnis für diejenigen hat, die sie „Schönwetter-Kerze“ nennen. Mit Frau Renate und Tochter Daniela sitzt er in der ersten Reihe vor dem Freialtar, als Pater Matthäus mit der Weihezeremonie beginnt. Der Prior des Augustinerklosters Maria Eich und Wallfahrtskurat bittet die Gottesmutter Maria „um Fürsprache für eine friedliche und sichere Wiesn“.

Pater Matthäus schlägt den Bogen zur Gegenwart: „Auch in diesem Land müssen wir in Anbetracht der Ereignisse in Chemnitz erfahren, dass Konflikte und Gewalt die Menschen bedrohen.“ Nach einer tödlichen Messerattacke am vergangenen Wochenende auf dem dortigen Stadtfest, rotteten sich tausende Rechte zusammen. Es kam zu Großdemonstrationen, Hetzjagden auf ausländisch aussehende Menschen und etlichen Verletzten.

„Willy Heides Bestreben galt dem Ziel, dass alle Besucher die Wiesn als ein fröhliches Fest erleben können“, so Pater Matthäus weiter. Heide war von 1984 bis 2001 Sprecher der Wiesn-Wirte. 2001 übergab er die Leitung des Bräurosl-Zeltes seinem Sohn Georg. Im August 2011 starb der Planegger Ehrenbürger im Alter von 91 Jahren.

Pater Matthäus spricht von einer „inneren Ahnung, wie sie auch Willy Heide hatte, dass von uns Menschen nicht alles machbar ist“ und wendet sich an die Gottesmutter: „In dieser Welt, die oft so finster ist und kalt, kommen wir zu dir mit dieser Kerze.“ Drei Dochte besitzt die stattliche Kerze, die Renate, Georg und Daniela Heide gleichzeitig entzünden. Weder stehe die Zahl Drei für die Dreifaltigkeit, noch für die drei Mitglieder der Familie Heide. „Wenn wir sie entzünden, dürfen wir daran denken, dass bei einem Fest keiner für sich alleine bleiben soll. Dass wir einander wärmen und etwas hergeben von unserer Freude“, so Pater Matthäus.

Unterstützt wird der Pater am Freialtar von Wiesn-Mesner Petruß, der nach eigenem Bekunden seit über 30 Jahren bei den Wiesn-Gottesdiensten zugegen ist, die immer am Donnerstag der ersten Wiesn-Woche stattfinden, früher im Hippodrom, jetzt im Marstall-Festzelt (10 Uhr).

Auch für die Wiesn-Wirte und ihre Familien, die neben anderen Gläubigen auf den Bänken vor dem Freialtar versammelt sind, hat Pater Matthäus ein paar Worte übrig: „Im Gegensatz zu 2017 fand ich es heuer erstaunlich ruhig um die bevorstehende Wiesn.“ Große Aufregung habe er nicht wahrgenommen. „Es scheint, dass sich vieles gut eingespielt hat.“ Nach der Zeremonie spazieren die Wirte zur Heide-Volm zurück, wo Georg Heide zum gemeinsamen Mittagessen eingeladen hat. Eine Möglichkeit, in aller Ruhe zusammenzukommen, bevor der Vorbereitungsendspurt beginnt. Das Oktoberfest wird heuer am 22. September eröffnet und endet am 7. Oktober.

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