Wohnraum für Planegger

Bedarfsumfrage steht in Konkurrenz zum Bürgergutachten

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Was ist wichtiger: Eine Bedarfsumfrage unter Bürgern bezüglich benötigten Wohnraums oder das Bürgergutachten aus Arbeitskreisen über die zukünftige Ortsentwicklung? Da sich beide Papiere auf den ersten Blick widersprechen, spaltet diese Frage den Planegger Gemeinderat.

Planegg – Knapp 7000 Personen hat die Gemeinde Planegg vergangenen Herbst angeschrieben, um den Bedarf an Wohnraum zu ermitteln. 974 nahmen sich die Zeit, die 15 Fragen zu beantworten. Rund 90 Prozent der Teilnehmer leben bereits in Planegg, dazu kommen auswärtige Angestellte von Planegger Firmen und ehemalige Planegger, deren Verwandte oder Bekannte den Fragebogen weitergaben. Das Ergebnis der Umfrage soll sich wie das 2015 erstellte Bürgergutachten im gerade in Arbeit befindlichen neuen Flächennutzungsplan widerspiegeln. Ihr Wert wurde aber bei der Präsentation im jüngsten Gemeinderat angezweifelt.

„Die Leute wohnen gerne hier“, sagte Angelika Zinner von der Ancorin Beratungs GmbH, die die Umfrage im Auftrag der Gemeinde ausgewertet hatte. Die Investitionsbereitschaft liege allerdings im unteren Bereich der aktuellen Würmtaler Miet- und Immobilienpreise. „Wer 700 000 Euro ausgeben kann, bekommt heute ein renovierungsbedürftiges Reihenhaus“, so Zinner.

Unterschieden wurde in Interessenten für ein Kauf- und ein Mietobjekt. Von 542 potenziellen Käufern suchten 234 eine Drei- bis Vierzimmerwohnung, 158 ein Einfamilienhaus. Auch bei den 564 möglichen Mietern waren die Drei- bis Vierzimmerwohnungen mit 279 stark vertreten, übertroffen wurden sie nur von den 280 gewünschten Ein- bis Zweizimmerwohnungen.

„Die Altersgruppe der 30- bis 45-Jährigen zeigt Interesse an Immobilien“, so Zinner. Die 18- bis 29-Jährigen strebten wie auch die ältere Generation nach Ein- bis Zweizimmerwohnungen. An Erbpacht bestehe wenig Interesse. Die überwiegende Mehrheit wolle in den nächsten fünf Jahren etwas finden.

„Die Ergebnisse sind mit Sicherheit wertvoll und zu berücksichtigen“, sagte Herbert Stepp (Grüne Gruppe 21). „Es überrascht nicht, dass extremer Wohnungsdruck herrscht. Von außen hereingetragen, aber auch durch Gewerbeansiedlung von uns provoziert.“ Stepp legte Wert darauf, dass nicht für alle 974 Teilnehmer neuer Wohnraum geschaffen werden müsse. Bei 65 Prozent gebe es den Wunsch nach Veränderung. Stepp: „Da werden wieder Wohnungen frei.“ Er lehnte es ab, die Umfrageergebnisse als Orientierung für zukünftige Bebauungspläne heranzuziehen. „Man versucht, mit dieser Bedarfsanalyse das Bürgergutachten zu verwässern und abzuwerten.“ 2015 hatte sich 55 ausgewählte Bürger vier Tage lang mit der Zukunft Planeggs befasst und für ein moderates Wachstum von im schnitt 0,7 Prozent pro Jahr plädiert. Annemarie Bradel nannte die Ergebnisse der Umfrage einen „Wunschzettel“. Bradel weiter: „Für meine Begriffe ist das nicht zu vergleichen mit einem Bürgergutachten.“

Die Freien Wähler Dynamischen, die sich für die Ausweisung eines Wohngebiets auf einem Acker im Grund stark machen, hatten in einer Pressemitteilung gesagt, in Anbetracht des hohen Rücklaufs bei der Umfrage rücke das Bürgergutachten „eher in den Hintergrund“ (wir berichteten). Peter von Schall-Riaucour kritisierte, dass die Fragebögen anonym zurückgesendet wurden. „Da werden einer Verzerrung der Umfrage Tür und Tor geöffnet.“

Gegen die Grüne Gruppe 21, die FDP-Fraktion und Michael Book (CSU) beschloss der Gemeinderat, die Umfrageergebnisse durchaus als Orientierungswert für die Entwicklung des kommunalen Wohnungsbaus zu nehmen.

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