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„Das ist eine Bedrohung für die Volkshochschule“

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Von: Victoria Strachwitz

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An der Volkshochschule im Würmtal herrscht Entsetzen. Kurse, die nicht der beruflichen Weiterbildung dienen, sollen künftig umsatzsteuerpflichtig sein.
Inzwischen ist die Volkshochschule im Würmtal „Stützpunkt Verbraucherbildung“: Vhs-Geschäftsführerin Karola Albrecht (r.) und ihre Stellvertreterin Karola Albrecht. © Walter Wohlrab

An der Volkshochschule im Würmtal herrscht Entsetzen. Kurse, die nicht der beruflichen Weiterbildung dienen, sollen künftig umsatzsteuerpflichtig sein.

Würmtal – „Das ist ein Angriff auf die Bildung“, findet die stellvertretende Geschäftsführerin der Volkshochschule im Würmtal, Karola Albrecht. „Das ist eine Katastrophe.“ Pilates, Italienisch, Kochen und Aquafitness gehören zu den beliebtesten Kursen der Volkshochschule im Würmtal (Vhs). Und genau diese Art von Angebot, das nicht der beruflichen Weiterbildung dient, könnte bald umsatzsteuerpflichtig werden. So sieht es ein Gesetzesentwurf der Bundesregierung vor. Die Neuerung würde den Großteil der Kursteilnehmer der Volkshochschule im Würmtal treffen. Und dieser müsste dann mit höheren Kursgebühren rechnen.

Die Vhs erwirtschafte 80 Prozent ihres Umsatzes mit Teilnahmegebühren, erklärt Albrecht. Und das Budget sei knapp bemessen. Einen anderen Weg, der Steuer zu begegnen, als die Gebühren zu erhöhen, sieht sie nicht: „Wenn wir künftig eine höhere staatliche Förderung bekommen, würde sich die Katze in den Schwanz beißen.“ Im Ergebnis würde dann nur der bürokratische Aufwand steigen. Die Teilnahmegebühren könnten sogar noch weiter steigen, weil die Vhs mehr Personal bräuchte, sollte die Umsatzsteuer eingeführt werden. „Das würde unsere Buchhaltung gar nicht schaffen.“

Viele Kurse werden von Senioren besucht, die nicht mehr arbeiten

Albrecht findet: „Der Vorstoß der Bundesregierung ist eine Bedrohung.“ Sie hofft, dass der Bundestag das Vorhaben überdenkt. „Zu uns kommen Menschen, die zweckfrei neue Dinge lernen wollen.“ Über 80 Prozent des Angebots der Vhs im Würmtal sei nicht auf berufliche Weiterbildung gemünzt. Viele Kurse würden von Senioren besucht, die nicht im Berufsleben stünden oder von Jungen, die noch nicht arbeiteten. „Unsere Aufgabe ist es, alle Menschen ins Boot zu holen.“

Dass der Staat dieses Ansinnen erschweren will, stört Albrecht. Sie würde den Spieß gerne umdrehen und politische Kurse kostenlos anbieten können – statt Gebühren zu erhöhen. „Mehr Förderung wäre wünschenswert.“ Das, was aktuell geplant sei, wertet sie als kontraproduktiv. „Bildung ist wichtig.“ Sie ist froh, dass die Volkshochschulen in Deutschland in einem Verband organisiert sind und sich gemeinsam wehren können. Aber: „Wie es ausgeht, weiß man nicht.“

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