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„Zu gut für die Tonne“ : Florian Sieber, Mark tleiter des AEZ in Martinsried, an der neuen Ausgabestation von bald abgelaufenen Lebensmitteln. Rechts davon gibt es noch eine Box mit ebenfalls kostenlosem Kaninchen-Grünfutter.  

AEZ führt Gratisvergabe von Lebensmitteln mit knappem Haltbarkeitsdatum ein

„Zu gut für die Tonne“

Unter dem Motto „Zu gut für die Tonne“ verschenkt die AEZ GmbH jetzt auch in ihrer Martinsrieder Filiale Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum kurz vor Ablauf ist.

Martinsried– Ist das so genannte Mindesthaltbarkeitsdatum, kurz MHD, überschritten, sind die Supermärkte verpflichtet, die Ware zu entsorgen. Das schreibt das EU-Recht vor. Auch verschenkt werden darf nichts. So landen täglich große Mengen an eigentlich noch genießbaren Lebensmitteln in der Abfalltonne. „Diese Situation lag uns lange schwer im Magen. Lebensmittel wirft man einfach nicht weg“, sagt Udo Klotz, Geschäftsführer der Amper Einkaufs Zentrum GmbH (AEZ). So entstand vor einigen Monaten die Idee, „Gratis Food Share Stationen“, also eine kostenlose, sinnvolle Verteilung von Essen und Getränken, in den eigenen Märkten zu installieren.

Die Station im Martinsrieder AEZ-Markt befindet sich direkt hinter dem Kassenbereich, für jedermann sichtbar und zugänglich. „Uns ist wichtig, dass es keine versteckte Geschichte ist. Wir präsentieren die Ware sauber und ordentlich an einem prominenten Platz“, erläutert Geschäftsführer Klotz. Neben einem Regal, am Eröffnungstag etwa mit Broten, Mehl und einem Schokoladen-Nikolaus gefüllt, steht ein Kühlschrank mit ein paar Tüten Milch, Joghurts und gekühlten Kaffee-Drinks. In die Ablagestelle kann jedoch praktisch das komplette Sortiment kommen, so Klotz. Sei es der Apfel mit einer Druckstelle, Schokoküsse in einer leicht kaputten Verpackung oder abgepackte Wurst. Sprich, alles außer Fleisch.

Die Mitarbeiter kontrollieren den ganzen Tag über die Ware auf ihre Haltbarkeitsdaten. Ist der letzte Tag angebrochen, wandern die Butter oder die Schokolade sofort nach vorne in die neue „Food Share Station“. Am nächsten Morgen muss die Ware dann entsorgt werden. So gibt es stets nur eine kleine Auswahl an Produkten, und auch eine Konkurrenz zu Hilfsorganisationen wie der „Tafel“ wird vermieden.

Eine Aktion, die momentan in der Umgebung ihresgleichen sucht, weiß Klotz, der bis Pfingsten 2018 alle zehn AEZ-Filialen mit einer solchen Station ausstatten möchte. „Ziel ist es, mit dieser Aktion breite Bevölkerungsschichten mit diesem Problem vertraut zu machen und zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Nahrungsmitteln zu bewegen“, betont Klotz. Schließlich zeige eine Untersuchung der Universität Stuttgart, dass jeder Deutsche pro Jahr etwa 82 Kilogramm Lebensmittel wegwerfe. Der Handel sei hierbei mit ungefähr fünf Prozent beteiligt. Die Idee komme sehr gut an. Die Menschen hätten wider Erwarten keinerlei Hemmungen, sich etwas zu nehmen – und das unabhängig vom sozialen Hintergrund.

Carolin Högel

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