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Gemeinderat Herbert Stepp spricht mit einer Besucherin über die Standortfrage für neue Flüchtlingsunterkünfte in Planegg und Martinsried.

Asylpolitik: SPD und Grüne diskutieren mit Bürgern

„Jede erfolgreiche Geschichte eine Chance“

Planegg - Die Planegger SPD und die Grüne Gruppe 21 haben im Kupferhaus einen Diskussionsabend zur Zukunft der Asylpolitik veranstaltet. 

Es sollte „ein Gespräch auf Augenhöhe“ zwischen den kommunalen Vertretern aus Planegg und den Bürgern werden, und diese Maxime war am Samstag eine nicht nur wichtige, sondern notwendige Basis, wie die vielen Fragen der Bürger bewiesen. Konkret ging es an diesem Abend um drei Kernpunkte: Wie werden sich die Zahlen der Menschen, die in den Landkreis und nach Planegg, kommen, langfristig entwickeln? Wie wird über die nächsten Standorte entschieden? Und: Wie werden die Flüchtlinge schnellstmöglich integriert? Das Treffen fand auf Vorschlag der beiden Ortsverbände noch vor der nächsten Gemeinderatssitzung statt, um die internen Arbeitsabläufe transparenter zu machen und den Bürgern die Möglichkeit zur Mitsprache zu geben.

Auf dem Podium standen Ulrich Braun und Felix Kempf (SPD) sowie Herbert Stepp und Anneliese Bradel (Grüne Gruppe 21) Rede und Antwort. Den ersten Teil nutzen die Podiumsgäste, um Zahlen sprechen zu lassen: Nach dem derzeitigen Zuweisungskontingent der Gemeinden im Landkreis wird Planegg in den kommenden Monaten 193 Flüchtlinge aufnehmen. „Bis Ende des Jahres 2016 werden es 286 Menschen sein“, so Anneliese Bradel. Momentan leben nur 16 Asylbewerber vor Ort, nachdem die Flüchtlinge aus der FLG-Turnhalle nach Unterhaching umquartiert wurden. Prozentual gesehen werden die Flüchtlinge im nächsten Jahr also nur 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung in Planegg ausmachen. Auch in den kommenden Jahren wird der Anstieg im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung eher gering ausfallen: Bis 2018 rechnet man mit 5,1 Prozent. Die meisten Flüchtlinge werden aus Syrien kommen, gefolgt von Albanien, Afghanistan und dem Irak.

Die größte Herausforderung wird in Planegg in Zukunft die Unterbringung und die damit verbundene Standortfrage bleiben: „Wir haben jedes Grundstück einzeln bewertet und es uns nicht leicht gemacht“, so Anneliese Bradel über den schwierigen Prozess der Suche in der Gemeinde. Da Planegg kaum Flächenreserven zur Verfügung hat, sind bereits mehrere Standorte wieder weggefallen. Die beiden Flächen am Friedhofsparkplatz und am Parc de Meylan werden bis Januar beziehungsweise April fertig sein und in zweigeschossigen Leichtbauhäusern Platz für rund 140 Personen bieten. Als weitere Standorte kamen noch sieben weitere Flächen in die engere Wahl, wobei mittlerweile nur noch zwei Gebiete realisierbar scheinen: eine Fläche des MPI nördlich des Klopferspitzes und eine Fläche der Familie von Hirsch an der Fürstenrieder Straße, gegenüber vom Friedhof. Der Gemeinderat Planegg wird in seiner nächsten Sitzung über die neuen Standorte entscheiden. Für die Lokalpolitiker ist es dabei vor allem wichtig, keine Massenunterkünfte am Rande der Gemeinde zu bilden.

Ein weiterer Punkt, der sich auch in den Bürgerfragen widerspiegelte, war die Herausforderung der Integration der Menschen. Hier zeigt sich Planegg gut aufgestellt: Das Netz aus Gemeindevertretern, Mitarbeitern des Landratsamtes, der Würmtal-Insel, dem Helferkreis Asyl, der Kontaktstelle Bürgerfragen sowie der örtlichen Polizei und örtlichen Vereinen und Kirchen versucht engmaschig zusammenzuarbeiten, um den Menschen den Weg in eine neue Heimat zu erleichtern. „Es wird eine große politische Aufgabe für uns sein, welche Gesellschaft wir in Zukunft sein wollen“, so Ulrich Braun. Zuversicht sei ein wichtiger Schlüssel, denn „jede erfolgreiche Geschichte ist eine Chance“.

Janina Janka

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