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Heinrich Hofmann (SPD), Bürgermeister der Gemeinde Planegg.

Interview

„Brücken in eine bessere Zukunft“

Planegg - Ein gutes Jahr steht Heinrich Hofmann nun an der Spitze der Gemeinde Planegg. Im Merkur-Gespräch zieht er eine Bilanz seines ersten Amtsjahres.

Herr Hofmann, Sie kamen nach relativ kurzer Vorbereitungszeit ins Amt. Welche Aufgaben waren bisher die angenehmsten, was waren die größten Herausforderungen für Sie als Bürgermeister?

Eine Vorbereitungszeit hatte ich eigentlich gar keine. Am 22. Dezember 2014 war um 9 Uhr Dienstantritt und um 14 Uhr war gleich mal die erste Amtsleiterrunde. Die angenehmsten Aufgaben in den ersten Wochen waren die Dienstbesprechungen in den einzelnen Ämtern mit Kennenlernen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sowie die Besuche der 4. Klassen aus Planegg und Martinsried im Januar und im Februar im Rathaus-Sitzungssaal mit Fragen der Schülerinnen und Schüler an den Bürgermeister. Die größte Herausforderung war, nachdem die Standorte für die ersten beiden Flüchtlingsunterkünfte festgelegt waren, diese in den Bürgerinformationsveranstaltungen vorzustellen, zu erläutern und besonders am Standort in Martinsried an der Bunsenstraße festzuhalten.

Im Jahr 2016 muss die Gemeinde Planegg wahrscheinlich 290 Flüchtlinge und Asylbewerber unterbringen. Bisher steht noch keine Unterkunft. Wie muss Ihrer Meinung nach das weitere Vorgehen aussehen, damit diese Aufgabe zu lösen ist?

Die Standorte am südlichen Friedhofsparkplatz in Planegg und an der Bunsenstraße in Martinsried werden bis Ende Februar, Mitte März beziehungsweise bis Ende März, Mitte April sicherlich bezogen sein. Der Gemeinderat wird Ende Januar über die nächsten beiden Standorte in Planegg entscheiden und damit wird die bisherige Quote 2016 erfüllt werden. Diese beiden neuen Standorte in Planegg sind sicherlich bis Jahresmitte beziehungsweise Sommer bezugsfertig. Vermutlich wird die Quote 2016 noch einmal erhöht werden, sodass wir die beiden Standorte in Planegg flexibel planen werden. Sobald eine Prognose im Sommer 2016 für Jahresanfang 2017 bekannt gegeben wird, werde ich dem Gemeinderat auch eine weitere Unterkunft zur Auswahl in Martinsried vorschlagen müssen.

In Sachen U-Bahn-Bau gab es zuletzt offenbar gute Nachrichten. Die Verträge sollen fertig ausverhandelt sein. Ist ein Baubeginn 2016 denkbar?

Ja, die Verträge sind fertig ausverhandelt. Beim zu erwerbenden U-Bahnzug geht es nur noch um Feinheiten. Der Freistaat Bayern, der Landkreis München und die Gemeinde Planegg warten jetzt auf eine schriftliche Auskunft aus dem Finanzamt auf Grundlage der gemeinsam eingereichten steuerlichen Prüfung und Bewertung der Verträge. Im Anschluss sind die Verträge dem Gemeinderat zur Zustimmung vorzulegen. Der nächste Schritt ist die Gründung der Projektmanagement-Gesellschaft für den U-Bahnbau, bei der 51 Prozent der Anteile auf den Freistaat entfallen, 33 auf den Landkreis und 16 auf die Gemeinde Planegg. Dann folgt die Aufnahme der Arbeiten für die Gesamtplanung. Wenn alles gut läuft dann kann der Ministerpräsident noch rechtzeitig in seiner Amtszeit zusammen mit dem Bürgermeister, dessen Amtszeit noch länger läuft, den Grundstein 2017 legen.

Welche Aufgaben, Verpflichtungen und Risiken kommen nach den jetzt verhandelten Bedingungen auf die Gemeinde als Projektbeteiligte kurzfristig und langfristig zu?

In der mittelfristigen Finanzplanung sind für die Jahre 2016 bis einschließlich 2019 rund 2,6 Millionen Euro für den U-Bahnbau als Aufwand für die Gemeinde eingestellt. Dazu wird es spätestens ab Baubeginn in der Kämmerei ein neues Aufgabenfeld Koordination „U-Bahn Rechnungslegung/Finanzverwaltung“ geben. Zu gegebener Zeit ist ein Bebauungsplanverfahren für die Oberflächengestaltung mit U-Bahn-Entree und Busbahnhof etc. in die Wege zu leiten.

Bei der Überplanung des Bahnhofsareals waren zuletzt vor allem noch Verhandlungen mit Grundeigentümern notwendig. Gibt es inzwischen etwas Neues zu vermelden, wodurch das Vorhaben 2016 nach jahrelanger Vorlaufzeit endlich voranschreiten könnte?

Das Ergebnis der Gespräche mit den Grundeigentümern wird dem Gemeinderat im Januar vorgestellt. Dann gilt es, Grundsatzentscheidungen zu treffen, die anschließend in die Erstellung eines Bebauungsplanes einfließen werden. Ebenso sind Verträge über notwendige Grundstück-Bereinigungen zu verhandeln und abzuschließen.

Ein anderes großes Projekt, das die Gemeinde seit einigen Jahren beschäftigt, ist die Rekommunalisierung des Stromnetzes. Sind Sie angesichts der Schwierigkeiten in der Vergangenheit noch von diesem Ziel überzeugt? Und wie steht es um die laufende Ausschreibung, an der sich ja auch das gemeindeeigene Regionalwerk beteiligt?

Immer wieder ergehen zu dieser Problematik wichtige Urteile von Oberlandesgerichten und Bescheide von Kartellbehörden, die bei der Umsetzung der Rekommunalisierung des Stromnetzes zu beachten sind. Die drei Gemeinden Gauting, Krailling und Planegg sind nun auf dem richtigen Weg, wie es scheint. Wir erwarten, dass im Laufe des Frühjahres eine Entscheidung fallen wird. Dabei lassen sich die drei Gemeinden und das Regionalwerk Würmtal auf allen Ebenen von den beiden führenden Anwaltskanzleien in diesem Thema beraten und begleiten.

Die beliebte Eisdiele Puro Gelato in der Bahnhofstraße schien schon Geschichte. Sie haben kürzlich angedeutet, dass es eine Lösung geben könnte. Wird es die Eisdiele im kommenden Jahr in Planegg noch geben?

Aus terminlichen Gründen kann erst nach den Weihnachtsferien weiter mit den Parteien gesprochen werden. Ich hoffe gegen Mitte/Ende Januar die Öffentlichkeit dann informieren zu können.

Was wünschen Sie sich für 2016, als Bürgermeister und als Privatmensch?

Als Bürgermeister möchte ich Albert Einstein zitieren: „Die Menschen bauen zu viele Mauern, doch zu wenig Brücken.“ Deshalb wünsche ich mir, dass wir in unserer Gemeinde gute, tragfähige Brücken bauen, die wir trotz mancher Meinungsverschiedenheiten gemeinsam begehen können. Den Menschen, die zu uns geflüchtet sind, sollen wir Brücken bauen in eine bessere Zukunft. Als Privatmensch wünsche ich mir, gesund zu bleiben und eine Reihe schöner Ereignisse, damit’s auch privat nicht langweilig wird.

Interview: Stefan Reich

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