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Plastikmüll den Kampf angesagt

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Von: Victoria Strachwitz

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Die Plastikpaten Dorit Zimmermann aus Neuried (oben r.) und Hildburg Kraemer aus Gräfelfing sind regelmäßig unterwegs, um die Umwelt von Müll zu befreien. 
Die Plastikpaten Dorit Zimmermann aus Neuried (r.) und Hildburg Kraemer aus Gräfelfing sind regelmäßig unterwegs, um die Umwelt von Müll zu befreien.  © Screenshot Plastikpaten

Bergeweise Müll wird achtlos in die Natur geworfen. Die Pandemie hat das verstärkt. Die Plastikpaten schaffen Abhilfe. Jetzt suchen sie Helfer. Es ist das perfekte Ehrenamt – nicht nur in Zeiten der Pandemie.

Würmtal – Sie kann nicht anders. Sie springt vom Rad, wenn sie Müll sieht, ohne einen Sack in der Tasche kann sie nicht auf den Berg gehen. Dorit Zimmermann aus Neuried sind herumliegende Masken, Verpackungen und Kaffeebecherdeckel ein Dorn im Auge. Sie muss sie einpacken und fachgerecht entsorgen. Im vergangenen Jahr hat das Problem noch zugenommen. Es liegt mehr Müll herum als zuvor. „Das kann man sagen.“ Fast-Food-Verpackungen hätten zugenommen. „Mit Mund-Nasen-Schutzen kann ich Haufen bilden.“

60 Menschen machen mit

Weil sie weiß, dass sich auch andere an dem Müll in der Natur stören, gründete sie bereits vor drei Jahren die Plastikpaten. 60 Menschen haben sich ihrer Initiative bislang angeschlossen. Diese Menschen sind nicht so fanatisch bei der Sache wie sie, sie sammeln nicht immer und überall. Plastikpaten seien Menschen, die einfach gerne in der Natur unterwegs seien. Oftmals seien es auch Leute, die gerne alleine unterwegs sind. Aber auch jedes Stück Kunststoff, das ihre Helfer aus der Umwelt entfernen und der thermischen Verwertung oder dem Recycling zuführen, wird nicht zu Mikroplastik. Die Plastikpaten haben sich entschieden, eine Patenschaft, und damit Verantwortung, für eine Straße oder ein kleines Gebiet vor ihrer Haustüre zu übernehmen und dieses müllfrei zu halten. Sie sind bei Zimmermann gelistet, bekommen Handschuhe, eine Warnweste und einen Müllgreifer und können losziehen, wann immer sie wollen.

Eine weitere gute Nachricht in diesen bewegten Zeiten: „Die Tätigkeit als solche wird durch Corona nicht beschränkt.“ Zur Altersstruktur ihrer Helfer sagt Zimmermann, „wir haben viele Leute im Rentenalter, die schätzen es, dass sie zeitlich ganz frei sind. Sie müssen sich nur für ihr Areal verpflichten.“ Kinder sind auch gern gesehene Paten. Amanda, Lena und Valentina aus Gräfelfing wurden für ihre Arbeit im November sogar vom Kinderkanal des Bayerischen Rundfunks „Radio Mikro“ zu Heldinnen der Woche gekürt. Sie sammeln in ihrer Freizeit leere Schnapsflaschen, Zigarettenstummel, leere und volle Tüten, Plastikverpackungen und vieles mehr. Ihr ekligster Fund war eine volle Windel, deren Inhalt beim Aufsammeln herauspurzelte. Glücklicherweise war gerade Winter, und die Windel samt Inhalt gefroren. Amanda sei besonders engagiert, sagt Zimmermann. „Das ist wirklich eine Freude mit ihr.“ Die Drittklässlerin sei regelmäßig in ihrer Warnweste unterwegs. In ihrer Klasse stellte sie das Projekt auch schon vor.

Ältere Schüler als Paten gewünscht

Zimmermann würde sich im nächsten Schritt Schüler weiterführender Schulen im Patenamt wünschen, die seien bislang rar. Gerade was das Planegger Feodor-Lynen-Gymnasium betrifft, würde sie gerne ein Projekt anstoßen. „Je mehr die Menschen konfrontiert werden, desto eher sind sie bereit, weniger wegzuwerfen“, meint sie. Zimmermann ist Patin der Strecke zwischen Neuried und Planegg – und damit für den Schulweg zum FLG verantwortlich. „Da liegt in den Ferien sehr viel weniger“, falle ihr auf. Für ihre Strecke braucht Zimmermann in der Regel eine Stunde. Höchstens vier Mal im Monat gehe sie die Strecke mit dem Müllgreifer in der Hand ab – weil es aber ihr Weg zur Arbeit ist und weil sie ist, wie sie eben ist, springt sie auch so mal vom Rad herunter, wenn ihr etwas auffällt. „Irgendwann kann man nicht mehr anders“, meint sie. Doch eigentlich müsste man gar nicht ständig sammeln: „Das Schöne am Plastik ist, es wartet auf einen.“ Es sei schließlich langlebig. Wegnehmen müsse man es nur bevor aus Macro- Microplastik werde. „Es ist nicht nur ein optisches Problem“, macht sie deutlich.

Die meisten Plastikpaten sind im Würmtal zu finden (46), elf sind in München aktiv, drei im weiteren Umland. Nach einem Radiointerview im Bayerischen Rundfunk habe sich sogar ein Mann aus Regensburg bei ihr gemeldet, der nun dort Müll sammelt. Zimmermann wünscht sich, dass die Internetseite der Plastikpaten (www.plastikpaten.de) interaktiv wird, dass sich jeder in eine Karte eintragen und das Projekt damit weiter wachsen kann. Derzeit laufe alles über ihre Liste.

Sponsoren für Westen und Müllgreifer

Um voranzukommen, brauche es aber Geld. Für Westen und Müllgreifer gibt es Sponsoren – für die Internetseite oder das Projekt an sich noch nicht. Doch die Plastikpaten werden immer bekannter. Und je mehr es werden, desto eher klappt es vielleicht mit der Finanzierung. „Je mehr wir sind, desto mehr können wir bewirken.“ Ein frei wählbarer Arbeitsort und völlige Flexibilität was die Arbeitszeit betrifft – wo gibt es das schon? Die Chancen stehen nicht schlecht, dass es bald noch mehr Plastikpaten gibt. Für die ferne Zukunft wünscht sich Zimmermann, dass die Plastikpaten überflüssig werden: „Das sich jeder für die Umwelt in der er lebt verantwortlich fühlt und nicht denkt, irgendeiner wird es schon wegräumen.“

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