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Wenn die Feuerwehr bei Unfällen den Verkehr regelt, sind Beschimpfungen an der Tagesordnung 

Respekt gegenüber Polizisten und Rettern

Ehrenamtler beklagen abnehmenden Respekt

Ehrenamtliche Helfer werden immer öfter angegriffen. Auch im Würmtal schlägt freiwilligen und staatlichen Helfern nicht nur Dank entgegen. Was Polizisten und Feuerwehrler in ihrem Alltag erleben:

Würmtal – In den vergangenen Wochen und Monaten wurden Angriffe, Beschimpfungen und Beleidigungen zunehmend zum Problem für ehrenamtliche Organisationen und Polizei. Thomas de Maizière und seine Landesinnenminister fordern zukünftig härtere Strafen für die Täter. Das Würmtal wird von derartigen Vorfällen ebenfalls nicht verschont. Erst vor wenigen Wochen standen vier Randalierer vor Gericht, die in Gauting Polizeibeamte heftig attackiert und ein Einsatzfahrzeug beschädigt hatten. Ist der Respekt gegenüber Polizisten, Feuerwehrleuten und anderen ehrenamtlichen Rettern und Helfern rückläufig?

Ein Übergriff im Ausmaß des Gautinger Geschehens ist laut dem Dienststellenleiter der Würm-Gemeinde, Ernst Wiedemann, zwar die Ausnahme, mit Anfeindungen habe es die Polizei jedoch immer wieder zu tun: „Anstand und Respekt haben in den letzten Jahren abgenommen.“ Erich Greiner, stellvertretender Dienststellenleiter der Planegger Polizei, sieht eine ähnliche Tendenz. Gerade Jugendliche und junge Erwachsene seien häufig das Problem. Eine Entwicklung, die er nicht gutheißen kann: „Vielleicht wären ein bisschen härtere Strafen sinnvoll.“ Ein Ansatz, dem Wiedemann skeptisch gegenüber steht: „Ich denke nicht, dass das etwas bringt.“ Der Ordnungshüter setzt in der Kette deutlich früher an: „Das geht bei Erziehung und Elternhaus schon los.“

Feuerwehr wird bei fast jedem Einsatz beschimpft

Auch die freiwilligen Dienstleister erfahren nicht nur Dankbarkeit für ihre Hilfe. In erster Linie betrifft dies die Freiwilligen Feuerwehren der Gemeinden. „Besonders beim Reibungspunkt Verkehrslenkung haben wir es immer mal wieder mit uneinsichtigen Autofahrern zu tun“, erklärt Thomas Hickel von der Feuerwehr Gräfelfing. Zwar sei es noch nicht zu tätlichen Übergriffen gekommen, wenn eine Straße zeitweise gesperrt werden musste, Beschimpfungen seien allerdings immer wieder dabei. Doch Hickel relativiert sofort: „Pro Einsatz treffen wir 3000 Vernünftige und drei Unvernünftige. Aber Letztere bleiben eben hängen.“

Der Planegger Kommandant Martin Heizer kann ebenfalls ein Lied von entsprechenden Vorfällen singen. Ihm fehlt vor allem das Verständnis für die destruktiv kritischen Verkehrsteilnehmer: „Wir machen das ja nicht aus Jux und Tollerei.“

BRK-Leiter: "Man braucht ein dickes Fell"

Der Würmtaler Ambulanzdienst scheint in diesem Maße von mangelndem Respekt noch nicht betroffen zu sein. „Die Themen, von denen man in der Zeitung liest, spiegeln sich zumindest bei uns nicht wider“, befindet Matthias Finke, Leiter der Gautinger Bereitschaft des Bayerischen Roten Kreuzes.

Mit unbequemen Fahrzeugführern hat es laut Markus Englmeier, stellvertretenden BRK-Bereitschaftsleiter in Planegg, jedoch hin und wieder auch das Rote Kreuz zu tun: „Vorgekommen ist es, zugenommen hat es meines Erachtens nicht. In solchen Situationen braucht man einfach ein dickes Fell.“ Dass sich Anwohner über den nächtlichen Gebrauch des Martinshorns beschweren, kann er jedoch beim besten Willen nicht nachvollziehen.

Trotz mangelndem Respekt: Die Wertschätzung bleibt

Positive Nachrichten gibt es indes von den Würmtaler Helferkreisen Asyl. So erfahren diese für ihre Hilfe Zustimmung. Einzig in Planegg könne es eventuell zukünftig Probleme geben, meint Sibylle Dippel, Sprecherin des örtlichen Kreises. Durch die Diskussionen zur Standortplanung von Flüchtlingsunterkünften sei zumindest Konfliktpotential vorhanden.

Selbst wenn es ab und an zu Anfeindungen und fehlendem Respekt gegenüber Helfern kommt, so sind diese im Würmtal im großen und ganzen vor Übergriffen gefeit. Auch die Wertschätzung der geleisteten Arbeit – gerade ehrenamtlich – ist tendenziell hoch. Sowohl seitens der Bürger als auch besonders der Gemeinden. Jürgen Kral, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Neuried, bringt den allgemeinen Tenor auf den Punkt: „Die Gemeinden wissen, was sie an uns haben und unterstützen uns.“

Michael Grözinger

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