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Der Polizeieinsatz im Kraillinger Flüchtlingsheim Ende Juni zieht nun Untersuchungen nach sich.

Aussage gegen Aussage

Staatsanwaltschaft ermittelt nach  Polizeieinsatz im Asylbewerberheim

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Der Vorfall in der Kraillinger Asylunterkunft hat Folgen nicht nur für die Flüchtlinge. Staatsanwaltschaften, Anwälte, Staatsregierung und Landtag sind mit dem Fall beschäftigt.

Krailling Es steht Aussage gegen Aussage. War der Großeinsatz der Polizei in der Kraillinger Asylunterkunft gerechtfertigt, kam es dort tatsächlich zu Ausschreitungen, wurden zehn Bewohner zurecht verhaftet? Und verletzte ein Polizist eine 73-jährige Bewohnerin?

Anne Franke will wissen, was sich am Donnerstag, 27. Juni, in Krailling ereignete. Die Landtagsabgeordnete der Grünen aus Stockdorf hat die Staatsregierung um Stellungnahme gebeten. Innenminister Joachim Herrmann hat gestern geantwortet. Doch Franke ist damit nur zum Teil zufrieden. „Die Staatsregierung hat ausführlich geantwortet und sich nicht einfach auf laufende Ermittlungen berufen, das ist zu honorieren“, so Anne Franke. Doch: „Die Diskrepanz in den Aussagen muss aufgeklärt werden. Nur so kann das volle Vertrauen in die Polizei wieder hergestellt werden.“

Unbestritten ist, dass die Polizei damals drei Mal vor Ort war. Und dass der Tag für eine 73-jährige Bewohnerin mit einem gebrochenen Arm endete. Ein 18-jähriger Afghane wurde verhaftet, dazu neun weitere Bewohner. Inzwischen sind alle Zehn wieder auf freiem Fuß, Anklagen laufen, und die Familie des Afghanen musste die Unterkunft wechseln.

Zunächst hatten Polizisten morgens um sechs Uhr die Asylunterkunft durchsucht. Da soll die Lage noch friedlich gewesen sein. Als der 18-Jährige später nach Hause kehrte, von der morgendlichen Aktion erfuhr und sich beschwerte, eskalierte die Situation. Es kam zu zwei weiteren Polizeieinsätzen mit den genannten Folgen. Anne Franke meint, der dritte Einsatz der Polizei „war überdimensioniert“. Dem 18-Jährigen werden laut Andrea Mayer, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft München II, „ein tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte, vorsätzliche Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung“ vorgeworfen. Inzwischen führt sein Verfahren die Staatsanwaltschaft München I. Sie hat den Haftbefehl am Montag unter Auflagen außer Vollzug gesetzt.

Derweil geht die Staatsanwaltschaft München II der Ursache für den gebrochenen Arm der 73-Jährigen nach: „Das Verfahren richtet sich gegen unbekannt. Der unbekannte Täter soll ein Polizeibeamter gewesen sein. Ihm wird Körperverletzung vorgeworfen“, so Mayer. Das Landeskriminalamt ermittelt.

Um die Rechte aller Beteiligten zu wahren, sind jede Menge Anwälte im Einsatz. Denn, wie Franke sagt, es gibt Diskrepanzen in den Aussagen von Zeugen und Beteiligten. Umstritten ist beispielsweise, ob sich die Gruppe der Neun auf den Weg zum Kraillinger Rathaus machte, um Hilfe zu holen, oder ob sie die Polizisten mit Steinen und Flaschen bewarf. Sonia Welski-Preiser vom Kraillinger Helferkreis Asyl beispielsweise kann nicht nachvollziehen, warum die Neun des schweren Landfriedensbruchs beschuldigt werden und auf der Straße verhaftet wurden. „Wir waren ja Zeugen und haben gesehen, dass das so nicht stimmt, wie die es Polizei gesagt hat.“ Besonders schlimm findet sie, dass die neun Flüchtlinge immer noch nicht ihre Handys zurückbekommen hätten. Dort seien Kontakte und Termine, beispielsweise für Prüfungen und Bewerbungsgespräche, gespeichert.

Wenn Welski-Preißer an den Einsatz der Polizei denkt, sagt sie: „Das ist nicht gut gelaufen, von den Kosten einmal abgesehen.“ Die Polizei müsse trainiert werden, deeskalierend zu wirken. Die betroffenen Bewohner hätten alle einen Schock. Vorwurfsvoll fragt und antwortet sie zugleich: „Wer fängt es auf – wir.“

An der Aufklärung des Falls wird jedenfalls gearbeitet, vor Ende der Sommerferien ist aber nicht mehr mit Ergebnissen zu rechnen. Da Aussagen gegen Aussagen stünden, sei sie gespannt auf den Ausgang, so Welski-Preißer: „Aber ich bin zuversichtlich.“ Franke will an der Sache dranbleiben und eine weitere, größere Anfrage an die Staatsregierung stellen.

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