Keine Entspannung in Sicht: Der Gräfelfinger Schreiner Marco Schiller erwartet, dass Holz teuer bleibt.
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Keine Entspannung in Sicht: Der Gräfelfinger Schreiner Marco Schiller erwartet, dass Holz teuer bleibt.

Zimmerer und Schreiner vor Problemen

Teures Holz: Preis der Globalisierung

  • Peter Seybold
    vonPeter Seybold
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Der Holzpreis steigt rasant. Das liegt auch an einer stark zunehmenden Nachfrage aus den USA. Würmtaler Zimmereien und Schreinereien stellt das vor Probleme. Manche raten, Aufträge auf das nächste Jahr zu verschieben.

Würmtal – Schlechte Planbarkeit, lange Wartezeiten für Betriebe und teure Endprodukte für Kunden: Das sind die Folgen des weltweiten Rohstoffmangels, die im Würmtal ankommen. Jeder, der ein Haus bauen will, im Baumarkt vor leeren Regalen steht oder gerade Renovierungsarbeiten durchführt, spürt das. Vor allem holzverarbeitende Betriebe wie Schreiner und Zimmerer stellen fest: Es gibt zu wenig Holz.

Seit Jahresbeginn wird Holz immer teurer. Schnitt- und Leimholz ist inzwischen rund doppelt so teuer, bei anderen Holzarten wie Dachlatten beträgt der Preis „sogar das Drei- bis Vierfache“, berichtet der Kraillinger Zimmerer Marcus Proyer. Für Proyer und alle anderen, die mit Holz arbeiten, ist das ein großes Problem, denn der Zimmerer muss die Steigerungen an seine Kunden weitergeben.

Handwerker raten, Projekte zu verschieben

„Ich empfehle daher, wenn es geht, größere Sachen auf das nächste Jahr zu verschieben“, sagt er. Dies sei aber bei vielen Kunden nicht möglich, weil sie zum Beispiel zur Miete wohnen, aus ihrer Wohnung raus und deswegen jetzt bauen müssen. Proyer gibt bei Kostenvoranschlägen derzeit daher nur den Preis für die anfallende Arbeitszeit an. „Materialpreise kann ich erst dann berechnen, wenn das Holz geliefert wird.“ Denn zwischen Bestellung und Lieferung ändere sich der Preis oft noch einmal stark.

Warum steigen die Kosten für Holz derzeit so stark an? „Die Amis kaufen den Markt leer“, erklärt Proyer. Durch die große Nachfrage aus den USA und anderen Ländern weltweit sei das Angebot am Weltmarkt deutlich geschrumpft. „70 Prozent sind weg vom Markt“, erklärt Proyer. Da die Preise in den USA trotz der Steigerungen sehr viel höher sind als in Deutschland – mehr als 500 Euro statt gut 200 Euro pro Kubikmeter Holz – wird viel in die USA exportiert, was von US-Präsident Joe Biden politisch unterstützt werde. Die deutsche Politik tue dagegen zu wenig, kritisiert Proyer. Auch die Corona-Ausnahmezeit, in der die Leute viel Zeit haben, um daheim zu bauen und zu basteln, spielt eine Rolle bei der Entwicklung. Sie benötigen ebenfalls Holz für ihre Projekte und versorgen sich im Baumarkt damit.

Von Händlern abhängig

Andere Würmtaler Zimmerer und Schreiner kämpfen ebenfalls mit den stark steigenden Preisen: Die Zunahmen sind eigentlich „nicht mehr vertretbar, wir sind aber völlig von den Händlern abhängig, uns sind die Hände gebunden“, sagt der Neurieder Marcus Dauer. Der Zimmerer versucht, mit der Situation so umzugehen, dass „ich alles meinen Kunden gegenüber fair kommuniziere, und teils rate, zu warten, bis ein Peak erreicht ist. Ich überlasse dass aber natürlich den Kunden“, sagt Dauer. „Es hält sich die Waage“, wie viele Kunden mit Bauvorhaben warteten und wie viele nicht. Ein Betrieb, der so klein ist wie seiner, merke Auftragsstornierungen immer, auch wenn er weiter genug Aufträge habe.

„Sehr stark zu tun“ hat ebenfalls weiterhin die Gräfelfing Schreinerei Schiller & Wimmer, erklärt Co-Geschäftsführer Marco Schiller. Die Schreinerei muss ebenso bei ihren Großhändlern im Moment etwa für Bauholz das 2,5- bis Dreifache zahlen und berechnet die Materialpreise daher auch erst, wenn das Holz geliefert ist, was zurzeit dauern kann.

Schiller erwartet, dass die „Preise oben bleiben“, da die Gründe hierfür sich erst mal nicht so schnell änderten. Die Kunden reagierten auf die Entwicklung aber oft verständnisvoll. Sie seien schon durch entsprechende Medienberichte informiert.

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