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Refugium für Mensch und Tier: das Kloster Maria Eich mit seinen uralten Eichen.

Naturschutz

Die letzte Heimat für den Urwaldlkäfer

Die 250 Jahre alten Eichen in Maria Eich sind für manch bedrohte Tierart der letzte Rückzugsort. Darum erhalten sie jetzt besonderen Schutz.

Planegg – Eindrucksvoll sehen sie aus, auch wenn ihre Zeit nach einem langen Leben schon fast vorüber scheint. Knorrig, manche beinahe kahl, aber standhaft. Und auch wenn sie inzwischen Pflege nötig haben, erfüllen die mehr als 50 Methusalem-Eichen rund um Maria Eich eine wichtige Funktion für die Anwohner. Deshalb bekommen sie jetzt Hilfe.

Dank der namensgebenden Bäume hat in der Nachbarschaft des Planegger Augustinerklosters Maria Eich eine Vielzahl von Tierarten, die deutschland- und bayernweit stark gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht sind, ein Refugium gefunden.

Der Große Abendsegler: Diese Fledermausart wohnt gerne in hohlen alten Bäumen.

Für einige Arten ist es möglicherweise sogar der letzte Rückzugsort. Deshalb stellen sich die Waldbesitzer jetzt einer Mammutaufgabe, um den wertvollen Bestand zu erhalten und so den bedrohten Tieren rund um das Kloster dauerhaft ein Zuhause zu bieten. Das bedeutet jedoch viel Arbeit bei weniger Ertrag.

Eichen sind mehr als 250 Jahre alt

Die Eichen von Maria Eich sind stattliche Bäume. Manche sind bereits 250 Jahre alt. Und viele von ihnen beherbergen bedrohte Fledermausarten und Urwald-Käfer, die nur noch hier vorkommen. Das hatte eine Artenkartierung im vergangenen Jahr gezeigt. Doch einige der alten Eichen sind in einem schlechten Zustand, und ihre jüngeren Artgenossen sind noch nicht bereit, die seltenen Tiere bei sich aufzunehmen.

„Eine Eiche kann durchaus 350 Jahre alt werden“, sagt Michael Wagner von der Unteren Naturschutzbehörde im Münchner Landratsamt. Damit die alten Bäume rund um das Kloster Maria Eich das schaffen, bekommen sie jetzt Hilfe. Außerdem sollen jüngere Eichen aufgepäppelt und gepflanzt werden. Wagner hat einen Plan ausgearbeitet, der Arbeit für die kommenden Jahrhunderte bedeutet. „Das wird eine Daueraufgabe sein“, sagt er.

Kürzlich gab es eine Begehung des Waldes rund um das Kloster, mit Wagner, mit Andreas Weigel, der die Käferbestände im vergangenen Jahr untersucht hatte, und mit Vertretern der Waldbesitzer. Die Bayerischen Staatsforsten, die Kirchenstiftung Maria Eich und das Ordinariat der Erzdiözese München und Freising schickten Vertreter nach Planegg.

"Wir greifen dem Klimawandel voraus"

Aufgrund des Klimawandels würden die Wälder in der Region derzeit ohnehin umgebaut, erklärt Wagner. „Die Fichte kommt in der Münchner Schotterebene nicht mit dem Klimawandel zurecht.“ Allmählich werde auf Laubbäume umgesattelt. Auf einer Fläche von 40 Hektar rund um das Kloster Maria Eich würden nun gezielt Stieleichen gefördert. „Wir greifen damit der Entwicklung voraus“, sagt Wagner. Es gebe auch Überlegungen, im Herbst die vorhandenen, aber nicht heimischen nordamerikanischen Roteichen zu entfernen, um an deren Stelle Stieleichen zu pflanzen. „Dann können diese in 200 Jahren die Funktion der Veteranen übernehmen.“

Wagner weiß, dass das für die Waldbesitzer viel Arbeit bedeutet. Die jungen Bäume brauchen Pflege, um groß zu werden. „Da muss dann jedes Jahr herausgeschnitten werden, was die Bäume bedrängt“, erklärt er. Auch die bestehenden alten Eichen, deren Baumkronen vital seien, die aber von anderen Bäumen bedrängt würden, sollen im Herbst mehr Platz und Licht bekommen. „Damit diese Bäume noch mindestens 100 Jahre packen“, sagt Wagner. Denn die jetzt 100-jährigen alten Eichen bräuchten nochmal so lang, bis sie soweit seien, die Tiere der Methusalem-Bäume aufzunehmen.

Spaziergänger und Wallfahrer müssen mit Einschnitten rechnen

Auf die Waldbesitzer wartet also eine große Aufgabe, die ab Herbst umgesetzt werden soll und die mit einem nicht unerheblichen Nutzungsverzicht und finanziellen Einbußen einhergeht. Es reiche aber nicht, wenn sich nur die Waldbesitzer für den Erhalt der Tierwelt stark machten, sagt Wagner. Spaziergänger und Wallfahrer müssten mit Einschnitten rechnen.

Es soll daher künftig deutlich weniger Trampelpfade im Wald um das Kloster geben. Dafür will das Landratsamt im Herbst Infotafeln aufstellen und Führungen durch den Wald anbieten, die das Projekt erklären. Geplant ist auch eine Ausstellung im Kloster, die die Käfer zeigt, die Weigel im Rahmen der Kartierung gefunden hat. Das Landratsamt will 20 000 Euro in das Naturschutzprojekt stecken. Um den Erfolg zu kontrollieren, werden die Eichen derzeit inventarisiert.

88 gefundene Arten stehen auf der Roten Liste, ein Tier gibt es nur noch hier

Überraschende Funde: 240 Holzkäferarten, darunter einige extrem seltene, leben rund um den Wallfahrtsort

Die Bestandsaufnahme der Tierarten liest sich derweil beeindruckend. In dem Gebiet rund um das Kloster seien nicht nur mindestens neun Fledermausarten und 26 Vogelarten erfasst worden, sagt Wagner. Knapp 240 Holzkäferarten, darunter 88 Arten, die auf der Roten Liste Deutschlands und/oder Bayerns zu finden sind, sowie rund 200 sonstige Käferarten seien ebenfalls nachgewiesen worden.

Von besonderer Bedeutung sind laut Naturschützer Wagner unter anderem acht Urwaldrelikt-Käferarten. Einer der Käfer ist in Deutschland stark gefährdet und soll aktuell nur noch im Altholzbestand von Maria Eich vorkommen. Damit das Tier nicht rücksichtslosen Insektensammlern zum Opfer fällt, soll sein Name ein Geheimnis bleiben

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