Protest-Aktion soll drei alte Fichten vor der Säge schützen

- Bürgermeister begründet Fällung mit Verkehrssicherheit

VON CLAUDIA ROTHHAMMER Krailling - Für drei Fichten in der Margaretenstraße in Krailling könnte heute das letzte Stündchen schlagen: Bürgermeister Dieter Hager will die Bäume fällen lassen. Die Initiative "Bäume im Ortsbild" (BIO) versucht das zu verhindern - mit Unterstützung von der Freien Bürgergemeinschaft Krailling (FBK). Mit Transparenten und Schildern machen sie auf das Schicksal der über 50 Jahre alten Fichten aufmerksam.

Ulrike Hennig von der Initiative BIO hat durch Zufall von einem Bauhofmitarbeiter erfahren, dass am heutigen Montag die drei Fichten neben dem evangelischen Gemeindehaus gefällt werden sollen. Im Rathaus wurde ihr das bestätigt. Seitdem laufen die Telefonleitungen in Krailling heiß. In kürzester Zeit machte sie Baumschützer mobil. "Die Bäume müssen erhalten bleiben", sagt Hennig. "Sonst stirbt hier ein Stück Heimat, ein Stück von der alten Dorfstraße." Transparente wurden angefertigt, unter anderem mit der Aufschrift "Gemeinde Krailling: Keine Chance für alte Bäume?". Am Samstagabend wurden sie aufgestellt.

Ein offenes Ohr für ihre Belange hat die Initiative BIO bei der FBK gefunden. Wilhelm Mahler stellte noch am Freitag einen Eilantrag an Bürgermeister Hager. Darin fordert er, dass die für heute angesetzte Fällung ausgesetzt werde, bis die Angelegenheit im Gemeinderat oder Bauausschuss beraten worden sei. Denn immerhin handle es sich um "drei gesund erscheinende Fichten, die im rechtsgültigen Bebauungsplan als vorhandene und zu erhaltende Bäume in einer öffentlichen Grünfläche der Gemeinde festgesetzt sind".

Rathaus-Chef Hager erklärte am Sonntag dazu, er habe die Fällaktion als "Eilhandlung" angeordnet. Normalerweise müssten die Gemeinderäte abstimmen. "Aber als Bürgermeister habe ich auch die Verkehrssicherungspflicht." Und da die Fichten laut Hager seit der Uferrenaturierung nicht mehr so fest im Boden verwurzelt sind, sei die Standfestigkeit bei Wind und Sturmböen nicht mehr gegeben. "Ich bin nicht bereit, Risiken einzugehen", sagte Hager. Allerdings, so lenkte der Rathaus-Chef ein, habe er auch kein Problem, die Sache noch vom Ausschuss beraten zu lassen. "Dann stehen sie halt noch 14 Tage, aber dann kommen sie weg." Laut Hager, der das "Theater um die Fichten" nicht versteht, hängt es nun von den heutigen Witterungsbedingungen ab, ob die Bäume schon gefällt werden. "Aber wahrscheinlich sind die Bauhofmitarbeiter mit Schneeräumen beschäftigt", so Hager. Dann würde es nicht gleich heißen, wie es auf einen BIO-Plakat steht: "Stille Nacht, Fichten schlacht".

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