Publikum schließt akustisches Loch

- Martin Schmitt im Bürgerhaus

VON KATHARINA KORB Gräfelfing - Was muss geschehen, damit ein Großteil von 200 Zuhörern im Bürgerhaus begeistert rhythmisch in die Hände klatscht, mit den Fingern schnippt und auf Befehl widerstandslos "yeah, yeah, yeah" mitsingt? Der Pianist Martin Schmitt muss kommen und das Publikum wie am Freitagabend in seinen Bann ziehen.

"Der Applaus war nicht schlecht, jetzt kann ich ja eigentlich wieder gehen", begann Schmitt sein Programm, nachdem das Publikum ihn klatschend auf der Bühne empfangen hatte. Zum Glück machte er dies dann doch nicht und setzte sich stattdessen an seinen Flügel, um ein Stück von Beethoven zu spielen. "Ich hab ein bissl was daraus gemacht", erklärte er ironisch, und überraschte das Publikum sogleich mit seiner jazzigen Variante des Beethoven-Stückes.

So mancher der Zuhörer schüttelte, wie es während des Konzerts noch häufiger vorkommen sollte, ungläubig den Kopf darüber, was Martin Schmitt an seinem Flügel vollbrachte. Während seine Finger in aberwitzigem Tempo über die Tasten flogen, blickte der Pianist mit gelangweilt-erstauntem Gesichtsausdruck in den Zuhörersaal, fast so als könne er selbst nicht glauben, mit welcher Schnelligkeit seine Finger die Noten spielten. "Bin ich froh, wenn der Teil vorbei ist", sprach er und musste über sich selbst schmunzeln. Nicht nur, dass Martin Schmitt als begnadeter Pianist seine Zuhörer begeisterte, seine unterhalterischen Qualitäten und sein Gesang konnten immer mit dem hohen Niveau des Klavierspiels mithalten. Bei Randy Newmans wunderschönem "Everytime it rains" war es im Saal plötzlich ganz ruhig und man hätte neben dem gefühlvollen Spiel von Schmitt sowie seiner durchdringenden Stimme fast die besungenen Regentropfen auf der Fensterscheibe hören können.

Doch vor allem, wenn Martin Schmitt seine gut 200 Zuhörer zum Mitsingen, Mitschnippen und Mitklatschen aufforderte, um, wie er sagte, ein "akustisches Loch" zu füllen, dann wurde es in dem Saal noch heißer. Als Martin Schmitt schließlich nach zwei Stunden niveauvoller Scherze und erstklassigen Klavierspiels zum Schluss kommen wollte, forderte das Publikum noch zwei Zugaben. Und erst nachdem sie ihn gesanglich zu "Hit the roll Jack" begleiten durften, entließen sie ihn hinter die Bühne.

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