Der Rädelsführer Christian Ude

Gräfelfing - Der ehemalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude hat bei einer satirischen Lesung Einblick in sein Leben gegeben. Und für reichlich Gelächter gesorgt.

Das Bürgerhaus in Gräfelfing ist bis auf den letzten Platz besetzt. Kein Wunder, denn die satirische Lesung des ehemaligen Oberbürgermeisters der Stadt München, Christian Ude, verspricht einen amüsanten. Und das wird es auch.

Ude hat nach seinem Abitur ein Volontariat bei der Süddeutschen Zeitung durchlaufen und zunächst Soziologie und Geschichte studiert. Später wandte er sich dem Studium der Rechtswissenschaften zu und schloss dieses mit der zweiten juristischen Staatsprüfung ab. Bereits als Schüler trat er der SPD Partei bei. Zudem war er ihr ehrenamtlicher Pressesprecher. Im Jahr 1990 wurde er als zweiter Bürgermeister in den Stadtrat Münchens gewählt. Von 1993 bis 2014 hatte er das Amt des Oberbürgermeisters von München inne. In dieser Zeit schrieb er mehrere satirische Bücher.

Aus dem Buch „Ich baue ein Stadion und andere Heldensagen“ liest er dem gespannten Publikum vor. Die Zuhörer erfahren, dass Ude schon als kleiner Junge aufmüpfig war, denn in der Lehrerakte der Grundschule am Münchner Bayerplatz, die er später als Oberbürgermeister zu lesen bekam, stand, dass er ein Rädelsführer sei, bei dem Maßnahmen nichts mehr nützen. Zudem gab es noch einen Hinweis auf das mehrmalige Zuspätkommen des kleinen Jungen, da seine Mutter häufig verschlafe.

Aus dem Buch „Mein Pinselohrschwein und andere große Tiere“ trägt der 67-Jährige eine Geschichte aus seiner Zeit als Rechtsanwalt vor und kokettiert mit den zahlreichen Semestern, die er bis zum Abschluss des Jurastudiums benötigte. Als Pflichtverteidiger eines Jugendlichen, der sich - da er bereits alles gestanden hatte - in einer aussichtslosen Lage befand, verteidigte Ude den Delinquenten wortreich. Er beschrieb, wie schwer es der Jugendliche in seinem Leben hatte und wie hart diesem das Schicksal mitgespielt hat. Nach diesem Worterguss fragte ihn der Vorsitzende: „Aber, Herr Verteidiger, Sie haben schon auch Jura studiert?“ Da platzte dem Rechtsanwalt der Kragen und er erwiderte: „Wahrscheinlich sogar länger als Sie!“

Auch die Geschichte vom Promi-Pfarrer Fritz Betzwieser aus dem gleichnamigen Buch sorgt im Publikum für Erheiterung. Besagter Pfarrer suchte die Rechtsanwaltskanzlei eines Nachmittags auf und wollte, dass Christian Ude ihn in einem kirchenrechtlichen Fall vertritt. Ude wurde es bei diesem Gedanken angst und bange, zumal er alle kirchenrechtlichen Vorlesungen tunlichst vermieden hatte. Der Monsignore meinte aber lapidar „Du bist schon der Richtige!“, denn „Du bist als roter Lump bekannt“. So kam es, dass die Herren im Ordinariat nicht begeistert waren, dass der SPDler Ude Akteneinsicht bekommen sollte - und stellten das Verfahren gegen den Geistlichen ein.

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