„Tag der Blasmusik“ des Landkreises München in Gräfelfing
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Die polnische Blaskapelle Biskupice war extra aus dem Partnerschaftslandkreis Wieliczka angereist, um an Gräfelfings Jubiläums-Feier teilzunehmen.

Der Rauhaardackel nimmt Haltung an

Gräfelfing - Gut ein Dutzend Kapellen hat beim „Tag der Blasmusik“ in Gräfelfing bei Standkonzerten und am Festplatz aufgespielt.

Genau in dem Moment, als Landrätin Johanna Rumschöttel vor den versammelten Blaskapellen und Spielmannszügen am Sonntagmittag den Taktstock hebt, kommt über dem Festplatz die Sonne raus - wie auf Bestellung: „Und erhalte dir die Farben / Seines Himmels Weiß und Blau...“ Rumschöttel dirigiert auf der Empore zwar nicht die Bayern-Hymne, sondern das Lied „Meine Heimat“, und auch das ein bisserl sparsam à la James Last, der Stimmung tut’s aber keinen Abbruch: Gräfelfings Bürgermeister Christoph Göbel übernimmt gleich danach energiegeladen den Dirigentenstab: „Bozner Lied“, die inoffizielle Hymne Südtirols. Einige textsichere Patrioten können auch hier fehlerfrei mitsingen.

Riesen Spektakel - 300 Musiker spielten auf

Zum „Tag der Blasmusik“ bei den Feierlichkeiten zu 1250 Jahren Gräfelfing ist der Aufmarsch von einem guten Dutzend Kapellen nicht nur ein akustisches Spektakel, sondern auch ein optisches, dem hunderte Zuschauer und fast genauso viele Zaungäste mit Kameras beiwohnen: Paul Kreil, musikalischer Leiter der Blaskapelle Stockdorf, kümmert sich gemeinsam mit Vorstand Klaus Böhler wie ein Parkplatz-Wächter um die Platzierungen der einzelnen Abordnungen vor dem Festzelt, ehe er selber zum Taktstock greift: Es folgen ein geradezu „groovender“ Bayerischer Defiliermarsch und die (orthodox vorgetragene) Bayern-Hymne - sogar ein Rauhaardackel nimmt (vierbeinig) Haltung an, wie sich da für einen echten Einheimischen gehört. Der als erster aufmarschierte Spielmannszug der „Schleißheimer Schloßpfeifer“ hat einen blau-weiß-rot uniformierten Teddy-Bären als Maskottchen mit dabei, Fotoapparate und Kameras werden gezückt.

Tag der Blasmusik in Gräfelfing

Tag der Blasmusik in Gräfelfing

Kreil hat die erwähnten vier Freiluft-Stücke zuvor problemlos ohne Mikrofon angekündigt: „I glaub, i derplärr’s!“, sagt er zuversichtlich und behält Recht. Was die Lautstärke angeht, so haben die Böllerschützen klugerweise in einiger Entfernung Aufstellung genommen: Drei Mal kracht’s vom Ende der Wiese her ordentlich, ehe sich das Geschehen allmählich ins Festzelt verlagert und die weit marschierten Blasmusiker endlich ihr verdientes Bier genießen können. Die Empore gehört noch für ein paar Momente den Fotografen - doch den besten Überblick dürften jene Festbesucher gehabt haben, die während des ganzen Tschingderassa hoch droben in 15 Metern Höhe in einem Käfig ausharrten: Der Bediener des Krans machte offenbar gerade Pause.

Nachdem Kind und Kegel, Patrioten und Rauhaardackel den Weg ins Zelt gefunden haben, übernimmt Moderatorin Uschi Sieber auf der Festbühne die Regie. Es folgen Grußworte von Landrätin und Bürgermeister, die vorher einige Zeit brauchen, um an die Ehren-Tische zu gelangen - Christoph Göbel sagt dann aber nichts, was für die nächsten 1250 Jahre Gräfelfing unbedingt wegweisend wäre: Er hat bereits den Dirigenten-Stab sprechen lassen und dort seine ganze Dynamik ausgelebt. Wenn sich draußen doch wieder der Himmel bewölken sollte, kann dies der Jubiläumsstimmung nichts mehr anhaben - außer vielleicht den Leuten oben im Käfig.

Thomas Lochte

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