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Eigenanbau von Gemüse boomt

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Die Parzellen im Neurieder Krautgarten sind begehrt. Hier können Pächter wie Brigitte Lindner ihr eigenes Gemüse anbauen. Verpächter Ben Wegscheider hilft ihr hier beim Gießen. Aufgrund der hohen Nachfrage hat er die Anbaufläche mit dem sogenannten Bauerngarten erweitert.
Die Parzellen im Neurieder Krautgarten sind begehrt. Hier können Pächter wie Brigitte Lindner ihr eigenes Gemüse anbauen. Verpächter Ben Wegscheider hilft ihr hier beim Gießen. Aufgrund der hohen Nachfrage hat er die Anbaufläche mit dem sogenannten Bauerngarten erweitert. © Michael Schönwälder

Hobbygärtner können im Würmtal auch ohne Garten Obst, Gemüse und Blumen anpflanzen. Das ist nicht nur nachhaltig, sondern fördert auch die Wertschätzung für Lebensmittel.

Würmtal – „Kartoffeln sind in“, sagt Andreas Wenzel vom Verein „Wir in Neuried“ (WIN). Seit vier Jahren vermietet WIN Parzellen auf dem Krautgarten in der Gemeinde Neuried. Hobbygärtner können auf einer Fläche von 30, 45 oder 60 m2 ihren grünen Daumen unter Beweis stellen. Und der Eigenanbau von Gemüse boomt, die Nachfrage ist während Corona gestiegen. Derzeit sind 87 und somit alle Parzellen verpachtet. Interessierte sollten sich trotzdem auf die Warteliste des Vereins setzen lassen. „Es werden immer wieder Parzellen frei und alle, die auf der Warteliste standen, haben letztlich einen Platz bekommen“, sagt Wenzel.

Stolz auf die Erne

Das Vereinsmitglied teilt sich selbst eine Parzelle mit Freunden. „Es macht Spaß zu sehen, wie alles wächst“, sagt Wenzel. „Außerdem bekommt man einen Eindruck, wie Lebensmittel entstehen, und kauft sie nicht einfach nur gedankenlos ein.“ Andreas Wenzel weiß, wie viel Arbeit hinter einer Zucchini oder Karotten steckt. „Man ist stolz, wenn die Ernte etwas wird. Umso mehr ärgert man sich, wenn es nichts wird.“ Im Zuge der Inflation kann der Gedanke aufkommen, selbst Gemüse und Obst anzubauen. „Es ist billiger und auch vertrauenswürdiger“, so Wenzel. „Auch wenn das noch nicht in den Zahlen sichtbar ist, wird der Trend in Richtung Selbstversorgung gehen“, meint Wenzel.

Neuer Bauerngarten

Da die Nachfrage für die Parzellen auf dem Krautgarten hoch war, vergrößerte Ben Wegscheider, Mitgründer und Verpächter des Krautgartens, im letzten Jahr die Anbaufläche mit dem „Bauerngarten“. Diesen betreibe er ohne den Verein, da WIN genug Arbeit mit dem Krautgarten habe. Zwischen den beiden Feldern herrscht reger Austausch und sie organisieren gemeinsam Feste. „Der einzige Unterschied ist, dass die einen direkt und die anderen indirekt bei mir pachten“, sagt Wegscheider.

Die Parzellen auf dem Bauerngarten sind mit einer Fläche von 90, 120 oder 150 Quadratmeter wesentlich größer. Diese kann man für drei Jahre – alleine oder mit Freunden – pachten. „Im Krautgarten arbeiten vor allem die, die das Gärtnern ausprobieren wollen, im Bauerngarten pachten die Profis“, so Wegscheider. Eine große Fläche zu bewirtschaften ist sehr zeitintensiv und nicht für Anfänger gedacht. Aktuell gärtnern etwa 40 Bürger auf dem Bauerngarten. Damit ist keine Parzelle mehr frei.

Die Hobbygärtner bauen oft zu viel von einer Gemüsesorte an. Das tauschen sie dann mit anderen Gärtnern aus. „Man merkt, dass sich die Leute gegenseitig pushen, Tipps geben oder darauf aufmerksam machen, dass Unkraut wächst“, sagt Wegscheider. „Inzwischen sind richtige Freundschaften entstanden.“ Auch bei Familien ist der Bauerngarten beliebt. „Viele Eltern zeigen ihren Kindern, dass man für Obst und Gemüse richtig arbeiten muss. In der neuen Generation wissen nicht alle, was dahinter steckt.“

Auch Sonnenäcker stark gefragt

Auch Judith Birken von der Solidargemeinschaft Starnberger Land bestätigt diesen Punkt. „Die Kinder können durch das Gärtnern ein Bewusstsein für Lebensmittel entwickeln.“ Judith Birken betreut neun Sonnenäcker im Landkreis Starnberg, darunter einen in Krailling und zwei in Gauting. Der Verein stellt Kindergärten, Vereinen und Behinderteneinrichtungen kostenlos eine halbe Parzelle zur Verfügung. Damit wollen sie in Einrichtungen den Bildungseffekt vergrößern. In Gauting haben 30 Bürger in der Reismühler Straße und 25 in der Hangstraße eine Parzelle, einen sogenannter Bifang, gemietet. Dieser ist ungefähr 80 Quadratmeter groß und kann von April bis Oktober beackert werden. In Krailling gab es deutlich mehr Anfragen als in Gauting. Heuer haben 128 Bürger einen Bifang gepachtet, im letzten Jahr waren es 115. „Viele Münchner nutzen die Möglichkeit in Krailling anzubauen, da sie oft keinen eigenen Garten oder Balkon besitzen“, sagt Birken.

„Es ist erdend“, beschreibt Birken die Arbeit auf dem Acker. Auf dem Feld wachsen die Pflanzen schneller als im Garten. „Der Acker ist nährstoffreicher. Außerdem muss man nur Jungpflanzen bewässern“, weiß Birken „Wenn man seinen Grund regelmäßig beackert, dann reicht der Tau und das Regenwasser als Bewässerung aus.“ Auch Schnecken würde es dort kaum geben. Für sie sei es auf der Fläche zu heiß und es gebe zu wenig Unkraut. Für dieses Jahr ist die Anmeldefrist für die Sonnenäcker vorbei. „Ab Februar können sich wieder neue Interessierte anmelden.“
Jana Popp

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