Holger Voigt in seinem Planegger SWS Reisebüro.
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Reisebüro als Verkaufsfläche für Weine: Holger Voigt will seinen Kunden zumindest den Geschmack von Urlaub nach Hause bringen.

Reisebüros klagen

„Rund 90 Prozent weniger Umsatz“

Ständig wechselnde Reisebestimmungen, Risikogebiete und geschlossene Hotels – Reiseunternehmen im Würmtal kämpfen ums Überleben. Die Nachfrage ist da, doch die Buchungen bleiben aus. Zu groß ist die Ungewissheit.

Würmtal – „Die Reisebranche hat es hart getroffen“, sagt Holger Voigt, Inhaber des Reisebüros SWS in Planegg. „Wir verdienen ja nur Geld, wenn der Kunde auch verreist ist.“ Seit Ausbruch der Pandemie seien bei ihm rund 90 Prozent weniger Reisen gebucht worden als in den Vorjahren. Ein Großteil der Urlaubspläne musste storniert werden. Aktuell lebt er von seinen Rücklagen, die er in denvergangenen 22 Jahren erwirtschaftet hat. Sein einziger Mitarbeiter ist seit elf Monaten in Kurzarbeit.

Noch keine Buchungen für dieses Jahr

„Es ist einfach nichts kalkulierbar. Für meine Kunden buche ich nur noch kurzfristig, etwa sieben bis 14 Tage vor der Abreise“, sagt Voigt. Weiter in die Zukunft könne man derzeit nicht planen. Alle bis März geplanten Reisen habe er schon wieder stornieren müssen. Im vergangenen Sommer hätten einige Kunden noch eine Reise nach Griechenland oder Spanien bei ihm gekauft. Für dieses Jahr gebe es noch keine neuen Buchungen. Zu groß sei die Planungsungewissheit bei den sich ständig ändernden Reisebestimmungen. Etwas Positives gebe es aber auch zu diesen Zeiten: Für Daheimbleibende liefert Holger Voigt jetzt auch Weine aus Österreich und Italien vor die Haustüre, welche sonst nur bei den Winzern vor Ort erhältlich sind. Das decke zwar nicht seine Kosten, aber so könne er sein geschlossenes Reisebüro wenigstens als Verkaufsfläche nutzen – und seinen Kunden zumindest den Geschmack von Urlaub nach Hause bringen.

Null Planungssicherheit

„Wir haben null Planungssicherheit und keiner weiß, wie es weiter geht“, sagt der Leiter des Busreiseservice Filser in Planegg, und fährt fort: „Schwierig trifft es bei weitem nicht. Die Lage und Aussicht ist absolut beschissen.“ Normalerweise sei sein Busreiseservice ausgebucht: Er und seine Mitarbeiter würden Gäste aus aller Welt vom Flughafen abholen, Tagesausflüge machen, Stadtrundfahrten organisieren und Besuche auf dem Oktoberfest anbieten. Auch für Ausflüge von Firmen, Pfarreien und Vereinen werde sein Service häufig gebucht. Durch die Pandemie fällt das nun alles weg.

Busse rosten vor sich hin

Für dieses Jahr habe er noch keinen einzigen Auftrag. Die letzte Busreise, drei Tage nach Venedig, fand ausgebucht im August statt. Seit November sind touristische Busfahrten verboten. Die fünf Busse des Planegger Reiseunternehmens würden nun unbenutzt vor sich hinrosten, und der letzte von ursprünglich acht Mitarbeitern hat nun ebenfalls coronabedingt gekündigt. Auch die Schulung zum Schulbusfahrer, die der Unternehmer letztes Jahr noch absolviert hat, hat sich wegen der Schulschließungen nicht gelohnt.

Ferienhäuser besonders beliebt

Auch der Gräfelfinger Reiseanbieter Domizile Reisen kämpft mit den Auswirkungen der Pandemie. „Wir haben an die 80 Prozent weniger Buchungen als sonst“, so der Geschäftsführer Arthur Mattejat. Das Interesse am Reisen sei groß, doch die Buchungen würden noch „sehr verhalten“ ausfallen. Einige Kunden hätten Bedenken, mit dem Flugzeug zu reisen, und schauen nun nach Urlaubszielen, die mit dem Auto zu erreichen sind. Besonders beliebt seien derzeit Ferienhäuser. „Von Juni bis August lief es sehr gut, da wurden viele unserer Ferienhäuser in Ibiza, Griechenland oder Spanien gebucht“, erzählt Mattejat. Mit der zweiten Corona-Welle sei es dann wieder steil bergab gegangen. „Jetzt wäre eigentlich die Hauptsaison zum Buchen, wir hoffen, dass es im Sommer wieder besser wird.

Regelmäßig Liste der Risikogebiete prüfen

„Die Nachfrage ist da, aber mit der Planbarkeit ist es momentan sehr schwierig“, sagt auch Oliver Eßmann vom Tui-Reisebüro in Gräfelfing. Seinen Kunden empfehle er, flexibel beim Umbuchen zu sein und regelmäßig auf der Internetseite des Robert Koch Instituts die Liste der Risikogebiete zu prüfen. Pauschalreisen und Flextarife seien derzeit das Sicherste, um sein Geld bei einer Stornierung erstattet zu bekommen. LARA LISTL

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