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Renaissance, Reformation und Revolution

- Madrigalkomödie im Planegger Rathaus

VON ANITA ROMAN Planegg - Moderator und Dirigent Roger Hefele verlegte Sonntagmittag das barocke Venedig von 1623 mittels der Madrigalkomödie "Nächster Halt: Padua!" für Chor, Sprecher und Instrumente mit der Capella Nova ins Planegger Rathaus im Jahre 2003. Italienisch-deutsche Anspielungen zogen sich durch alle Chorstücke, die von Tänzen wie Pavane und Galiande von Michael Praetorius umrahmt und von schauspielerischen Einlagen unterbrochen wurden.

Können die Chorstücke der Barockzeit auf die Moderne bezogen werden? "Dem Zuschauer bleibt es überlassen, aktuelle Bezüge festzustellen", kommentiert Hefele. "Das Besondere dieser Chorstücke liegt jedenfalls darin, dass - was damals selten vorkam - die einzelnen Chorgeschichten zu einem gesamten Zyklus zusammengetragen werden. Der musikalische Pfarrer Adriano Banchieri, der auch den Taktstrich erfand, hat wie ein Revolutionär die Frührenaissance in seine Zeit transponiert und parodistische und erotische Motive sowie Musikstücke anderer Musiker wie Lucca Marentio und Carlo Gesualdo di Venosa integriert. Frührenaissance, Reformation, Revolution.

Nicht nur einmal erstarren die Chorschauspieler, die in schwarze Richterroben gekleidet sind, aus Leitzordnern singen und die italienische Fahne erhoben haben, in einer bestimmten Pose: Man hat Eugène Delacroixs Gemälde "Die Freiheit führt das Volk an" vor Augen, auf welchem bekannterweise jene Allegorie als barbusige junge Frau, die französische Trikolore in der Hand, die Jakobinermütze auf dem Kopf, von Arbeitern und Bürgern umgeben, die Barrikade erstürmt. Die einzelnen Szenen spannen sich von Ausrufen der armen Fischer - "Austern aus der Lagune, die mit dem BISS" - bis zum Liebesgeplänkel zwischen einem Deutschen und einer italienischen Kurtisane mit starkem Akzent, die Auskunft über ihre Person gibt: Nicht nur ihre Zöpfe sind aus purem Gold, und nicht umsonst hat sie die Kunst der Liebe gelernt.

Einmal geht es auch um zwei hebräische Mitbürger und man fühlt sich an Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig" erinnert. Doch an dieser Stelle wird nicht der englische Dichter, sondern Karl Valentin zitiert: "Wenn Fremde in der Fremde unter Fremden fallen." Die Comedia del Arte in Gestalt der Spaßgesellschaft von Venedig zeigt trotz "fallender Aktien und Rezession" ein maskenhaft lachendes, aber auch weinendes Gesicht. Der Kulturföderverein Würmtal hat durch diese Veranstaltung der Reihe "Musik im Rathaus" (am 19. Oktober steht das Klavierkonzert Franz Massinger auf dem Programm und ein Märchen von Oscar Wilde am 7. Dezember) nicht nur touristisches Verhalten auf die Bühne gebracht, wenn die Schauspieler beim Anblick der Sommerresidenz der Strozzi "Ah" und "Oh" im Chor staunen.

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