Prozess gegen Ex-Gemeinderat geht weiter

Planegg - Der Prozess gegen den langjährigen Planegger SPD-Politiker Thomas R. geht in die zweite Runde. Am 23. Februar findet die Berufungsverhandlung statt.

Kann Thomas R. seinen Kopf doch noch aus der Schlinge ziehen? Am 23. Februar, 9 Uhr, eröffnet die 26. Berufungskammer vor dem Landgericht München die Berufungsverhandlung gegen den ehemaligen Planegger SPD-Politiker. Zwei Schöffen und ein Berufsrichter werden den Betrugs-Prozess komplett neu aufrollen - inklusive Anhörung aller Zeugen.

Das Amtsgericht München hatte es im April 2014 als erwiesen angesehen, dass R. ein altes Ehepaar aus Gräfelfing betrogen hat - und dies in zwei Fällen. „Er konnte der Versuchung nicht widerstehen, das Ehepaar N. wie einen Selbstbedienungsladen zu nutzen“, sagte Amtsrichterin Melanie Lenz in ihrer Urteilsbegründung. R. habe das Ehepaar N. „über den Tisch gezogen, das ist keine Frage“.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung gefordert, R. selbst auf Freispruch plädiert. Amtsrichterin Lenz sagte zwar in ihrer Urteilsbegründung, dass eine Freiheitsstrafe „vertretbar gewesen“ wäre, beließ es jedoch bei einer Geldstrafe von 200 Tagessätzen à 150 Euro. Dies entspricht einer Geldstrafe von 30 000 Euro. R. hatte sich zu Beginn des Prozesses nicht zu seinem Einkommen äußern wollen, weshalb das Gericht einen verhältnismäßig hohen Tagessatz wählte.

Heute würde R. vermutlich einen niedrigeren Satz bezahlen müssen, denn der 53-Jährige ist nicht mehr als Anwalt zugelassen. Dies geht aus dem Verzeichnis der Bundesrechtsanwaltskammer hervor, in dem alle zugelassenen Anwälte Deutschlands aufgeführt sind. Anders als während der ersten Instanz, als er noch als Anwalt bei der Rechtsanwaltskammer München zugelassen war, kann sich R. nun auch nicht mehr selbst verteidigen, muss jetzt einen Strafverteidiger engagieren.

Die Berufungskammer ist bei ihrer Urteilsfindung frei und nicht an die Entscheidung des Amtsgerichts gebunden. Dies bedeutet, dass von Freispruch bis Gefängnisstrafe alles möglich ist. Sowohl R. als auch die Staatsanwaltschaft hatten im April 2014 Berufung gegen das Urteil eingelegt.

R. ist in der Gemeinde Planegg seit Längerem nicht mehr präsent und verbringt viel Zeit in Berlin. Die Neuwahl des Planegger Bürgermeisters hat er allerdings mit großem Interesse verfolgt. Wäre es nicht zum Betrugsprozess gekommen, dürfte heute der Nachfolger von Annemarie Detsch mit großer Sicherheit nicht Heinrich Hofmann heißen - sondern Thomas R.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Erhebende Premiere in Maria Eich
Zum ersten Mal hat es jetzt bei der Wallfahrtskapelle Maria Eich eine Diakon-Weihe gegeben. Diese finden ansonsten im Münchner Liebfrauendom statt. Die Besucher erlebten …
Erhebende Premiere in Maria Eich
Tanklager Krailling: Anonymes Schreiben sorgt für Irritation
2,8 Kilometer Schienen werden erneuert, 2000 Holzschwellen ersetzt: Die Arbeiten am Bahngleis, das das Kraillinger Tanklager mit Freiham verbindet, sind in vollem Gange. …
Tanklager Krailling: Anonymes Schreiben sorgt für Irritation
Kleinere Überflutungen, vollgelaufene Keller
Der Dauer- und stellenweise Starkregen seit Sonntagabend hat zwar zu kleineren Überflutungen und vollgelaufenen Kellern geführt, viel passiert ist zum Glück aber nicht.
Kleinere Überflutungen, vollgelaufene Keller
Hundehalter fordern Zaun an der A 96
Hundebesitzer haben eine Petition gestartet. Sie fordern einen Zaun zwischen dem Gräfelfinger Paul-Diehl-Park und der Autobahn. Die zuständigen Stellen finden das …
Hundehalter fordern Zaun an der A 96

Kommentare