Stapelweise Bücher: 3000 Exemplare nimmt der Sammler Georg P. Salzmann mit in die Lochhamer Seniorenresidenz. F.: DR

Sammelleidenschaft: Georg P. Salzmann zieht mit 3000 Büchern ins Altenheim

Gräfelfing - Den Lochhamer Georg P. Salzmann lässt seine Sammelleidenschaft nicht los - trotz Umzugs ins Altenheim. 3000 Bücher nimmt er mit.

Zuletzt suchte sich Georg P. Salzmann den Weg durch seine Wohnung nur noch in Schlangenlinien, vorbei an unzähligen Büchertürmen. Das war, bevor der Lochhamer seinen kostbaren, 12 500 Bände starken Bücherschatz an die Augsburger Universitätsbibliothek verkaufte. Dass die Wohnräume in der Lochhamer Straße nicht lang leer blieben bei Salzmanns Passion für das Medium Buch, war zu erwarten. Bald bogen sich die Bücherborde wieder - unter dem Gewicht von 1500 Kunstbänden und belletristischer Nachkriegsliteratur. Aber nicht nur.

Seit Jahren hat sich der 84-Jährige aufs illustrierte Buch verlegt. Erneut stapelten sich die Exemplare unter seinem Dach, inzwischen 3000 Stück. Jetzt finden sie in 35 Umzugskartons Platz. Sie kommen mit, wenn Salzmann diese Woche in die Lochhamer Seniorenresidenz zieht. „Die Erstausgaben von Autoren, deren Werke die Nationalsozialisten verbrannten, haben mein intellektuelles Interesse befriedigt“, erklärt der ungebrochen bücherbegeisterte Senior. „Und die Illustrationen machen mir in ästhetischer Hinsicht Freude.“

Im Rudolf-und-Maria-Gunst-Haus wartet eine Zwei-Zimmer-Wohnung. „Ich habe mir ein Klappbett gekauft, weil ich das Schlafzimmer als Arbeitsraum nutze“, so Salzmann.

Den Weg gewiesen hat ihm, wenn man so will, sein Lieblingsautor und dessen Freund. Es war der Belgier Franz Masereel, der Stefan Zweigs Novelle „Zwang“ bebilderte. Der Zweigliebhaber Salzmann fühlte sich von seinen ausdrucksstarken Holzschnittarbeiten angesprochen. Von da an erstreckte sich sein Jagdfieber auch auf Federzeichnungen und Lithographien. Neben den ganz Großen wie Kubin oder Grosz favorisiert der Sammler Namen wie Karl Rössing oder Rudolf Schlichter. „Acht Seiten stark ist das kleine Heftchen mit Texten von Ringelnatz und Titelzeichnung von Schlichter“, sagt er. Die „gebatikte Schusterpastete“ war 500 Mal im Angebot, für fünf bis 200 Euro. Im Internet.

Salzmann lacht. „Früher habe ich gesagt, wer im Internet Bücher sucht, ist dumm.“ Jetzt, nach einem schweren Unfall, will er nicht mehr selbst mit dem Auto zum Flohmarkt fahren. „Dafür sitze ich inzwischen bis zu sechs Stunden täglich vor dem PC.“ Als er sich mit diesem Medium anfreundete, war er gerade einmal 82 Jahre alt.

Seine Leidenschaft aufgeben? Kein Gedanke. Das Schlafzimmer in der Seniorenresidenz funktioniert Salzmann kurzerhand um zum „Archiv für das illustrierte Buch des XX. Jahrhunderts.“ Die belletristischen Bände will er entweder einer Schule stiften oder verkaufen. „In den Antiquariaten liegen sie wie Blei“, klagt er. Auch die Kunstbände will er nach und nach veräußern. Wieder per Internet. „Das muss man selber machen“, sagt er. Sein Tatendrang überzeugt.

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