Bieten seit zwei Wochen Bürgertests nach Vereinbarung an: Joachim Ludwig (l.), Inhaber der Kraillinger Marien-Apotheke, mit Sohn Fabian Ludwig und Andrea Eberhard, die am Dienstag Tests durchführten.
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Bieten seit zwei Wochen Bürgertests nach Vereinbarung an: Joachim Ludwig (l.), Inhaber der Kraillinger Marien-Apotheke, mit Sohn Fabian Ludwig und Andrea Eberhard, die am Dienstag Tests durchführten.

Wer sich testen lassen möchte, muss sich oft erst auf die Suche begeben

Schnelltests: Der Überblick fehlt

  • Nicole Kalenda
    vonNicole Kalenda
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Seit 8. März gibt es den Corona-Bürgertest. Doch wer im Würmtal den wöchentlichen kostenlosen Antigen-Schnelltest in Anspruch nehmen möchte, muss sich oft erst auf die Suche begeben. Eine Übersicht der Anbieter fehlt.

Würmtal – Testzentren, niedergelassene Ärzte und Apotheken bilden die drei Säulen des bayerischen Testkonzepts oder des „Testschirms“, wie es Gesundheitsminister Klaus Holetschek nennt. Im Würmtal werden zwei Testzentren kommunal betrieben. In der Großhaderner Straße 2 in Gräfelfing nahe dem Friedhof sind neben aufwendigeren PCR-Tests mit Anmeldung dreimal pro Woche Schnelltests ohne Anmeldung im Angebot: immer montags, mittwochs und freitags von 12 bis 16 Uhr. Die Hausarztpraxis Dr. Reichert - Dr. Müllauer ist für die Station zuständig. Die Kapazitäten wurden auf bis zu 100 Schnelltests pro Tag ausgeweitet.

Planegg und Krailling haben gemeinsam den Regionalverband München der Johanniter-Unfall-Hilfe damit beauftragt, in einer ehemaligen Fahrradwerkstatt in Neuried PCR-Tests durchzuführen, Schnelltests allerdings nicht. Die Gemeinden, sagt Johanniter-Sprecher Gerhard Bieber, überlegten, das zu ändern. „Aber es ist nicht spruchreif. Vom Personal her wäre es zu stemmen, solange man uns nicht mit Schnelltests überrennt.“ Aktuell sei das Testzentrum mit 60 bis 100 PCR-Tests täglich zu rund 50 Prozent ausgelastet.

Zwei Apotheken machen mit

In den drei Gemeinden des Landkreises München ist eine Apotheke mit den Bürgertests beauftragt: „Mary’sApotheke“ in der Forstenrieder Straße 14 in Neuried. Auf der Website informiert die Apotheke über das Prozedere: „Bei der Durchführung des PoC-Antigentests auf SARS-CoV-2 wird ein Nasopharyngealabstrich durchgeführt. Dafür wird die Probe durch einen Abstrich mittels eines in die Nase eingeführten Wattestäbchens genommen.“ Getestet würden nur symptomfreie Personen, eine Terminvereinbarung ist telefonisch oder per E-Mail möglich. Mitte März startete Inhaberin Brigitte Haas, die eigens externes personal anstellte für die Tests, die montags bis freitags von 15 bis 18 Uhr über die Bühne gehen. „Es ist wahnsinnig aufwendig von der Dokumentation her. Und pausenlos geht das Telefon. Aber die Leute sind froh, dass sie eine Anlaufstelle haben.“

In der ersten Märzhälfte hatte das Landratsamt sämtliche Apotheken angeschrieben und deren Beauftragung mit Bürgertests angeboten. „Alles, was an Rücklauf kommt, wird aufgelistet“, sagt Sprecherin Franziska Herr. Bisher war das nur in Neuried der Fall. Auch private Schnellteststationen seien dem Landratsamt bisher nicht bekannt. Grundsätzliche steht es Apotheken frei, Covid-19-Antigen-Schnelltests als Selbstzahlerleistung anzubieten, ebenso wie Arztpraxen.

Dass die Apotheken sich zieren, mag an den Anforderungen liegen. In der Gräfelfinger Filiale der Bienen-Apotheke scheitert es am Platz. Für die Tests wird ein zusätzlicher Raum benötigt. In der Gautinger Filiale seien die Bürgertests geplant, aber noch nicht umgesetzt. In der Würmtal- und der Rosenapotheke in der Planegger Bahnhofstraße gibt es ebenfalls keine Möglichkeit, zum Schnelltest anzutreten. Und Michaela Erdmann, Inhaberin der Martinsrieder Apotheke, sagt: „Es ist nicht machbar. Wir können es nicht leisten. Ich kann nicht Kunden, die normale Medikamente und Beratung brauchen, einfach abfertigen.“

Gemeinde Krailling erspart Bürgern die Recherche

Eine Meldepflicht, wer kostenlose Schnelltests anbietet, gibt es laut Landesapothekenkammer nicht. Dem Kunden bleibt nichts anderes übrig, als nachzufragen. Das Gleiche gilt für Patienten. Das Gesundheitsministerium informiert auf seine Website, dass „bisher rund 5000 Arztpraxen in Bayern am Testprogramm“ teilnehmen. Welche davon im Würmtal liegen, vermag die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) nicht zu sagen. „Es gibt keine nach Postleitzahlen geordnete Liste“, sagt der stellvertretende Pressesprecher Dr. Axel Heise. Allerdings könne man bei der Arztsuche auf der KVB-Website „Arzt für Coronavirus-Test“ anklicken. Damit sei zwar der PCR-Test gemeint, aber „das Häkchen ist ein guter Vorfilter“. Heise empfiehlt, die nach Postleitzahl oder Ort aufgelisteten Ärzte anzurufen, ob sie einen Bürgertest anbieten.

Die Gemeinde Krailling erspart ihren Bürgern diese Recherche: Sie informiert darüber, dass die Praxen Dr. Aulehner, Margaretenstraße 52, und Dr. Petersen, Margaretenstraße 54 A, nach Terminvereinbarung Bürgertests durchführen. Die Praxis Aulehner öffnet eigens für die Bürgertests zusätzlich am letzten Samstag der Osterferien, 10. April, von 9 bis 12 Uhr. Eine telefonische Voranmeldung ist notwendig.

Auch die an gleicher Stelle gelegene Marien-Apotheke macht mit. „Es wird gut angenommen“, sagt Inhaber Jochen Ludwig. Der Aufwand sei nicht unbeträchtlich, was Ausstattung, Räume und Personal angeht. Aber: „Die Leute sind heilfroh. Es ist ein Imagegewinn: Die Apotheke ist für ihre Kunden da.“

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