Brigitte Müller-Betz aus Gräfelfing ist seit vier Jahren ehrenamtlich als Schöffin tätig.           Foto: js

Schöffen gesucht: Urteile fällen im Namen des Volkes

Würmtal - Einmal Mäuschen sein im Gericht: So hatte Brigitte Müller-Betz (72) sich das Leben als Schöffe vorgestellt. Seit vier Jahren waltet die Gräfelfingerin nun ihres Amtes.

Wenn es vor Gericht um Delikte geht, bei denen Angeklagte mit einer Freiheitsstrafe von maximal vier Jahren rechnen müssen, werden dem Richter am Amtsgericht zwei Schöffen zur Seite gestellt. Diese haben das gleiche Stimmrecht wie ein Richter, sind aber Laien und ehrenamtlich tätig. Alle fünf Jahre werden diese Schöffen neu gewählt. Wer Interesse hat, von 2014 bis Ende 2018 tätig zu werden, sollte sich bei seiner Gemeinde melden. Die reicht die Liste der Bewerber an die zuständigen Amtsgerichte in München beziehungsweise Starnberg weiter. Die Gemeinde Neuried sucht zwölf Freiwillige, die sich bis Ende März im Rathaus melden sollten. In Gräfelfing werden bis 5. April 18 Personen gesucht und in Planegg bis 1. April 15. In Krailling werden bis 31. März drei Bewerber für das Starnberger Amtsgericht gesucht.

Brigitte Müller-Betz ist Hilfsschöffin am Amtsgericht München. Das bedeutet, sie springt ein, wenn ein Schöffe ausfällt. Sie ist begeistert vom Einsatz der Richter. „Die haben uns vorher immer alles erklärt, uns eingebunden und uns richtig ernst genommen“, sagt sie. Auch seien die Richter den Angeklagten gegenüber teils gütiger gestimmt gewesen als die Schöffen. „Wenn man älter ist, ist man vielleicht ein bissl strenger“, meint sie.

Wie die Richter, können auch die Schöffen bei Gericht Fragen stellen. Da müsse man sachlich bleiben und seine Emotionen zurückstellen. „Manchmal ist es schwer, sich nicht mit dem Verteidiger oder Staatsanwalt anzulegen“, erzählt sie. Manche Verteidiger würden versuchen, die Schöffen auf ihre Seite zu ziehen. Auch die Angeklagten spielen bisweilen Theater. „Da meint man: Soll ich den jetzt für das, was er angestellt hat, bedauern?“

Drei bis vier Einsätze pro Jahr hat Brigitte Müller-Betz. Hauptsächlich Drogendelikte. Betrug und Vergewaltigungen waren auch dabei. Meist dauerten die Verhandlungen einen Vormittag lang. Ihr längster Fall wurde vier Wochen lang verhandelt. Erst seien Zeugen nicht auffindbar gewesen, dann nicht erschienen. Bewährungsstrafen waren die Regel. „Ich glaube, ich habe keinen eingekastelt“, sagt die Gräfelfingerin.

Brigitte Müller-Betz hat als „Mäuschen“ einiges gesehen. Doch sie ist von ihrer Tätigkeit enttäuscht. „Das waren leider nicht sehr interessante Fälle. Es war immer wieder das Gleiche“, bedauert sie. Gerade bei den Drogendelikten werde viel vorgelesen. Aufgrund ihres Alters kann sie sich nicht noch einmal um das Amt bewerben. Schöffen dürfen 25 bis 69 Jahre alt sein.

Die Angst, dass ein Verurteilter sich an ihr rächen könnte, hatte sie nie. Vor Gericht gebe es eine Taschen- und Personenkontrolle. Zudem haben die Verurteilten die Möglichkeit in Berufung zu gehen, wenn ihnen das Urteil nicht gerecht erscheint. Die Eintönigkeit, die Müller-Betz am Schöffenamt stört, scheinen andere so nicht erlebt zu haben. „Es gibt ein paar, die sich noch mal dafür interessieren“, weiß der Geschäftsleiter der Gemeinde Neuried, Alois Sailer.

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