Schöne Mahnmale im Paradies

Gräfelfing - Gibt es eine Steigerung für den Traum von der grünen Oase? Ja!

Verknüpft man die pure Idylle mit Irritationen, mit neuen Blickwinkeln und mit verrückten Ideen, bietet dann noch einen Ort der Begegnung an, dann kommt man zum „Natur Ereignis Kunst“. Damit wird das Ausnahme-Angebot betitelt, das der Kunstkreis Gräfelfing bis 12. Juli auf dem Seidlhof offeriert. Gefühlt das halbe Würmtal ließ sich bei der Eröffnung verzaubern. „Wir bieten Ihnen die Natur, die Künstler, die Kunst - und Sie sind das Ereignis“, fasste Eberhard Reichert, Vorstand der Seidlhof-Stiftung, folgerichtig zusammen. Das gilt bei weitem nicht nur für die Vernissage: Denn der Skulpturen-Parcours durch die traumhaften Gartenanlagen, der Blick ins kreativ umgestaltete Gewächshaus, die Ausstellung in der Halle und vor allem die sprühenden Ideen an allen Ecken und Enden machen aus dem Besucher einen Entdecker neuer Welten.

Was die Künstler und der Seidlhof zusammen gestaltet haben, das ist ein riesiges Plädoyer für Schönheit, Nachhaltigkeit und soziales Engagement. „Eine Wald- und Wiesen-Ausstellung machen wir aber nicht“, betonte Kunstkreis-Vorsitzende Bettina Kurrle. Da muss man ihr beipflichten. Trotz - oder gerade wegen der idyllischen Wald- und Wiesenlage.

Rosen duften. Kräuter blühen. Ein Bogen ist von Blüten umrankt. Schaut so das Paradies aus? Das Vogelzwitschern wird unterbrochen. Marktgeschrei. Dann eine stockende Stimme, die erzählt, wie sie nach Deutschland kam. Ins Paradies. Das sich als Flüchtlingslager entpuppte. Nein, das Paradies geht anders. Das Paradies, das ist für viele neben der Sicherheit vor allem auch die Heimat. Wenn für uns der Kräutergarten im Seidlhof den Inbegriff von heiler Welt ist, so kann es für andere die Vertrautheit von arabischer Musik oder Tierlauten sein, die jetzt aus alten DDR-Lautsprechern den Bauerngarten durchdringen. Kalle Laar gewährt mit dieser Klanginstallation fremden Kulturen Asyl. So, wie die grüne Oase der Kreativität Asyl gewährt.

Dazu passt genau die versenkte Kapelle von Fabian Vogl im hinteren Gartenteil, die mit ihren arabischen Schriftzeichen einem virtuellen afghanischen Koch einen Fluchtpunkt bietet.

Bilder: "Natur Ereignis Kunst" auf dem Seidlhof

Das unauffällig Subversive also wechselt sich mit dem Spektakulären ab in dieser Schau. Riesige Neonschriften beleuchten die mysteriöse Seite des dunklen Waldes (Alexander Stern), perforierte weiße Papierhörner wie aus einem André-Heller-Garten und schwingende Zeichen der Unendlichkeit sprechen von der Poesie und Philosophie der Natur (Verena Friedrich), Blumen aus grellen Plastikgießkannen analysieren das Wechselspiel zwischen menschlichen Eingriffen und natürlichem Geschehen (Michaela Menzel). Dazu pflegeleichte Kunst-Vegetation (Andrea Unterstraßer) und ein Nachtschattengewächs als Zwitterwesen - auch zwischen Kunst und Natur (Irene Rammensee).

So schön viele der Objekte sind, es sind doch auch Mahnmale. Verwaiste Bienenwaben mit schwarzem Trauerornament gedenken des zunehmenden Bienensterbens (Margherita Moroder), eine „Insekten“-Sammlung aus recycelten Brillen changiert zwischen Witz und ökologischem Aufruf (Susanne Damm).

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