Selbsttests: Dr. Isabelle Schoenecker mit Schüler-Proben, die ein Martinsrieder Labor analysiert. 
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Selbsttests: Dr. Isabelle Schoenecker mit Schüler-Proben, die ein Martinsrieder Labor analysiert. 

Pilotprojekt

Schüler testen sich selbst auf Corona

  • Peter Seybold
    vonPeter Seybold
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Ein Großteil der Gräfelfinger Schüler testet sich ab sofort einmal die Woche selbst auf SARS-CoV-2. Mit den PCR-Gurgeltests, organisiert von der Gräfelfinger Hausarztpraxis Dr. Reichert und Dr. Müllauer, wurde bereits ein an Covid-19 erkranktes Kind ausfindig gemacht.

Gräfelfing – Schüler der Gräfelfinger Grundschule, der Lochhamer Grund- und Mittelschule sowie des Kurt-Huber-Gymnasiums können ab sofort einmal die Woche selbst einen Corona-Test machen. Die Gräfelfinger Hausarztpraxis an der Würmstraße 37 hat in Absprache mit der Gemeinde Gräfelfing und dem Landratsamt München ein Pilotprojekt entwickelt, in dem die Schüler von zu Hause aus einen Gurgeltest machen. Das Material dafür erhalten sie in den Tagen zuvor.

Eltern können Testergebnisse selbst abrufen

„Die Schüler gurgeln mit fünf Milliliter einer Kochsalzlösung, wie sie auch bei Infusionen oder beim Inhalieren verwendet wird“, erklärt Dr. Isabelle Schoenecker, Ärztin der Praxis. Da die Kinder und Jugendlichen vor den Tests zwei Stunden lang nichts essen und auch nicht Zähne putzen sollen, sei es am sinnvollsten, die Tests morgens durchzuführen. „Die Schüler gurgeln dann 30 Sekunden lang mit der Kochsalzlösung und spucken diese durch einen Strohhalm in ein Röhrchen, das in einem Becher stehen sollte“, erklärt Schoenecker weiter. Die verschlossenen Röhrchen werden steril von den Lehrern eingesammelt. Das Martinsrieder Labor, das die Tests auswertet, holt sie anschließend in den Schulen ab. Die Ergebnisse können die Eltern selbst online abrufen. Bei einem positiven Ergebnis informiert die Praxis die Familie.

Schulen verzeichnen positive Resonanz

Die Teilnahme an den Tests ist freiwillig. Auch Lehrer dürfen zusätzlich zu ihren regulären Schnelltests mitmachen. Laut Auskunft der drei Schulen will ein Großteil der Schüler an den Tests teilnehmen. „Die Resonanz war auch bei den Eltern sehr positiv“, sagt Nicola Lachner, Leiterin der Lochhamer Grund– und Mittelschule. Bei der ersten Testrunde beteiligten sich bereits knapp 700 Schüler an dem Pilotprojekt. Ein Schüler wurde dabei positiv getestet und vorübergehend aus seiner Klasse genommen. „Bei den Tests wird auch stets der Ct-Wert ermittelt, der aussagt, ob man gegebenenfalls ansteckend ist. Nach einer Woche können wir zudem sagen, ob es sich um eine Mutation handelt“, erklärt Schoenecker. Das positiv getestete Kind war ansteckend.

Projekt von Gräfelfinger Hausarztpraxis initiiert

Die Gräfelfinger Hausarztpraxis hat das Pilotprojekt angestoßen. „Wir hatten von solchen Tests gelesen, die es etwa an österreichischen Schulen bereits seit Anfang Februar gibt. Wir wollen mit den Tests dazu beitragen, dass die Schulen möglichst sicher und dauerhaft wieder öffnen können. Einen Ausstieg aus der Pandemie kann es aus unserer Sicht nur durch Tests, Impfungen und sehr gute Hygiene geben“, sagt Schoenecker.

Gurgeltest zunächst zeitlich unbegrenzt

Solche Hygienemaßnahmen seien an den Gräfelfinger Schulen schon jetzt gegeben, hat die Ärztin vor Ort beobachtet, nicht nur Abstands- und Maskenregeln würden gut eingehalten. „Es gibt auch hervorragende Entlüftungssysteme, zusätzlich wird regelmäßig gelüftet.“ Dennoch lasse sich bei dem gefährlichen Virus ein Restrisiko nie ganz ausschließen, weshalb die Gurgeltests zunächst zeitlich unbegrenzt durchgeführt werden. Auch von anderen Gemeinden habe es bereits Anfragen zur Konzept-Weitergabe gegeben, denen die Praxis gerne nachkomme.

Großer Organisationsaufwand

Für die Gräfelfinger Praxis rund um Dr. Reichert, Dr. Müllauer und Dr. Schoenecker sind die bis zu 2000 Tests pro Woche mit enorm viel Organisation verbunden. Schoenecker: „Finanziell lohnt sich der Aufwand nicht. Es ist uns aber eine Herzensangelegenheit, weshalb das Praxis-Team schon zwei komplette Nachtschichten eingelegt hat.“

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