Die ehemaligen KHG-Schüler Sarah Geiger und Johannes Stalter präsentieren die Forschungsergebnisse des P-Seminars Exilliteratur zu Konrad Merz in der Bibliothek des Kurt-Huber-Gymnasiums. Foto: dagmar rutt

Schüler veröffentlichen über Exil-Autor Konrad Merz

Gräfelfing - Als einige Gräfelfinger Gymnasiasten im Marbacher Literaturarchiv plötzlich vor den Kisten mit dem Nachlass des Exil-Schriftstellers Konrad Merz standen, packte sie die Neugier.

„Ich ziehe den Hut vor dem Mut der Jugendlichen, ihre Arbeiten zu veröffentlichen und damit einen Mosaikstein auf dem richtigen Weg der Vergangenheitsbewältigung zu legen“, sagt Hendrik Rehn, Schuldirektor des Kurt-Huber-Gymnasiums. Dort wurde der Öffentlichkeit jetzt bereits Band 2 der Schülerarbeiten zur Zeitgeschichte vorgestellt. Gemeinsam mit der Weiße Rose Stiftung, benannt nach der gleichnamigen Widerstandsgruppe und vertreten von Hildegard Kronawitter, präsentierten die Teilnehmer des P-Seminars Exilliteratur ein Buch, das dem Leser den Autor Konrad Merz und dessen schicksalhaftes Leben spannend und hautnah vermittelt.

„Als ich die Tagebuchaufzeichnungen gelesen habe, konnte ich mich sofort in die damalige Zeit hineinversetzen“, erinnert sich Sarah Geiger, die gemeinsam mit ihrem Mitschüler Johannes Stalter zur Präsentation gekommen war und aus den Texten von Konrad Merz las. Das sei etwas ganz Anderes gewesen als der übliche Geschichtsunterricht. Auch Stalter denkt gerne an die Arbeit mit den zumeist handschriftlichen Originalen zurück. „Wir haben dabei den Menschen und nicht nur den Autor kennen gelernt“, sagt der 19-Jährige, der im letzten Jahr sein Abitur bestanden hat. Besonders ergriffen hätten ihn die persönlichen Gegenstände, die ebenfalls im Nachlass des jüdischen Schriftstellers, der 1934 nach Holland flüchtete und dort jahrelang in einem Schrank versteckt lebte, zu finden waren - unter anderem dessen Judenstern und seine Schnupftabaksdose. „Wir waren die Ersten, die das zu Gesicht bekamen, das war schon beeindruckend.“

Mit seinem Roman „Ein Mensch fällt aus Deutschland“ hatte Merz, der 1908 als Kurt Lehmann in Berlin geboren wurde und später seinen Namen änderte, um weiter publizieren zu können, im Exil auf sich aufmerksam gemacht, ist aber bis heute in Deutschland relativ unbekannt.

Umso dankbarer zeigte sich auch Professor Wolfgang Huber, Sohn des 1943 von den Nationalsozialisten ermordeten Mitglieds der Weißen Rose und 2. Vorsitzender der Stiftung, für dessen Wiederentdeckung durch die Gräfelfinger Schülergruppe. „Es darf nie wieder so weit kommen, dass Schriftsteller ins Ausland fliehen müssen und jahrelang nicht zum Schreiben kommen“, mahnte der 74-Jährige.

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