Der Weg zur Schule ist für manche Kinder nicht leicht. F.: DPA

Der Schul-Begleiter, der die Angst nimmt

Würmtal - Die Zahl der Kinder, die ihren Schulalltag nicht alleine bewältigen können, nimmt zu. Schulbegleiter sollen ihnen helfen, ihre Angst zu überwinden - auch im Würmtal.

Für manche Kinder ist der Schulalltag eine Qual. Sie haben Probleme, Kontakte zu anderen Mitschülern zu knüpfen oder sich im Unterricht zu konzentrieren. Vor allem Kinder, die an Autismus oder einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leiden, sind davon betroffen. Schulbegleiter sollen helfen, die Probleme in den Griff zu bekommen und den Alltag erträglicher zu machen.

Pro Schuljahr wird im Landkreis Starnberg die Hilfe von zirka 20 bis 30 Schulbegleitern gebraucht. „Die Anfragen haben im Vergleich zu den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, und wir erwarten einen weiteren Anstieg“, sagt Rosemarie Merkl-Griesbach vom Jugendamt. Laut Statistik ist von 2008 bis 2013 die Anzahl an Kindern mit Schulbegleitern von einem auf 17 angestiegen.

Im Würmtal haben derzeit drei Schüler der Grund- beziehungsweise Mittelschule die Möglichkeit, von diesem Angebot zu profitieren. „Der Schulbegleiter hilft den Kindern, sich in der Gemeinschaft wohlzufühlen“, erklärt Monika Koch, Leiterin der Beratungsstelle der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Planegg. So steht der Schulbegleiter dem Kind im Unterricht zur Seite, stellt Kontakte zu Mitschülern her oder greift in Krisensituationen ein.

Um die persönlichen Betreuer auf ihre Aufgabe vorzubereiten, bietet die AWO Fortbildungen an. „Schulbegleiter sind zum Beispiel Grundschullehrer oder Erzieher oder kommen vielleicht sogar aus einem ganz anderen Bereich“, so Koch. In den Gemeinden im Landkreis München sind derzeit rund 50 Schulbegleiter im Einsatz.

Um diese besondere Unterstützung in Anspruch nehmen zu können, muss ein psychologisches Gutachten vorliegen, welches eine Störung beim Kind bestätigt. Erst dann übernimmt das Jugendamt die Kosten. „Manche Eltern lehnen diese Etikettierung jedoch ab“, berichtet Koch. Für diese Mütter und Väter würde die Etikettierung dem Inklusionsgedanken widersprechen. Dieser besagt, dass es in einer inklusiven Gesellschaft völlig normal ist, verschieden zu sein. Schulen und andere Einrichtungen seien für alle Menschen offen. Attestiere ein Psychologe eine „Auffälligkeit“, wirke sich dies negativ auf das Zugehörigkeitsgefühl aus.

Dass der Bedarf im Würmtal durchaus gegeben ist, zeigte sich bei einem Vortrag, den Monika Koch kürzlich in der Planegger Würmtal-Insel gehalten hat. Rund 20 Bürger waren gekommen, um mehr über die Schulbegleiter zu erfahren. Darunter nicht nur Eltern, sondern auch Lehrer. Diese schlagen laut Koch manchmal selbst vor, eine Schulbegleitung zu engagieren. „An vielen Schulen fehlt einfach Personal“, so Koch. Dieses sei aber unbedingt notwendig, um allen Kindern gerecht zu werden. Die so genannte Etikettierung könne die angespannte Situation entschärfen. Monika Koch: „Die Schulbegleitung ist auf jeden Fall ein Weg in Richtung Inklusion.“

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